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Ostkreis Verseuchter Boden wird ausgetauscht
Landkreis Ostkreis Verseuchter Boden wird ausgetauscht
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09:42 10.01.2020
Derzeit wird die Aushubfläche in der Saalestraße vorbereitet. Die eigentlichen Erdarbeiten starten im Februar.  Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Auf dem Weg zum Sprengstoff TNT waren Salpeter- und Salzsäure unabdingbar. Damit sie die nötig hohe Konzentration bekamen, waren im Werk der Dynamit-Aktiengesellschaft (DAG) „Hochkonzentrationsanlagen“ unabdingbar. Die produzierten als Abfallprodukt noch etwas was anderes: polyzyklisch-aromatische Kohlenwasserstoffe (kurz „Paks“ genannt), im Allgemeinen als Teer bezeichnet.

Das ist bei der jetzigen Grundstückssanierung auf einer Fläche in der Saalestraße auch das entscheidende Problem. Ein Teil der Fläche einschließlich der zur Hochkonzentrierungs-Anlage gehörenden Teerbecken hatte das Land in den Jahren 2000 und 2001 saniert. Die damaligen Eigentümer der angrenzenden Flächen hatten aus verschiedenen Gründen eine Sanierung abgelehnt. Sie hatten zwar eine Sanierungsvereinbarung mit Land, wollten sie aber nicht umsetzen.

Inzwischen haben sich die Besitzverhältnisse geändert, die Eigentümer, ein Industrieunternehmen, wollten die Sanierung. Die setzt das Land nun um. Sanierungsträger ist wie in der Vergangenheit auch die Him GmbH.
Mitte November haben die Arbeiten für die Einrichtung der Baustelle begonnen.

Zuerst passierte etwas, was bei Anliegern teilweise auf großes Unverständnis stieß: Es mussten Bäume fallen, um Platz für die Baustelle und auch nötige Lagerflächen zu schaffen. „Wir haben uns dabei an die vom Regierungspräsidiun genehmigte Planung gehalten“, sagt Projektleiter Zrinko Rezic von der Him GmbH. Um den Anliegern zumindest etwas entgegenzukommen, ließ die Him einzelne Bäume denn doch am Grundstücksrand stehen.

Giftig und eine Gefahr für das Grundwasser

Es geht bei der Sanierung um Teile der Altgebäude und deren Umgebung. Die alten Gebäude werden gereinigt, der Boden um sie herum von den Paks, also dem Teer befreit. Dass sich dabei wie bei der ersten Sanierung 2001 wieder größere Mengen Teerschlamms finden, gilt wohl als unwahrscheinlich. „Aber ganz ausschließen können wir es trotz aller Erkundungen auch nicht“, sagt Projektleiter Rezic im Gespräch mit der OP.

Es werden außerdem auch geringe Mengen des Sprengstoff-Vorproduktes „MNT“ erwartet. Auch MNT, krebserregend und erbgutschädigend, entstand am Rande der Säurekonzentration. Da die Mengen dieses Stoffes aber bei den Flächen in der Saalestraße gering ist, ist kein Zelt nötig. MNTs verbreiten den gefürchteten Marzipangeruch. Er ist das Zeichen dafür, dass sich dieser Stoff in der Luft befindet.

Rund 9.000 Tonnen belasteter Boden müssen ausgehoben, abtransportiert und durch sauberen Mutterboden ersetzt werden. Die Sanierung der Flächen ist aus ökologischer Sicht unumgänglich: „Der Teer ist grundwassergefährdend und giftig“, erläutert Lutz Zipprich von der Him, der ebenfalls an dem Sanierungsprojekt beteiligt ist.

Voraussichtlich im Februar beginnt der eigentliche Bodenaushub. Nächste Woche werden die Wohn- und Bürocontainer erwartet, zurzeit untersucht der Kampfmittelräumdienst die Sanierungsflächen auf Sprengstoffreste. „Das schreibt der mittlerweile vorhandene Bebauungsplan in der DAG auch so vor“, sagt Projektleiter Rezic. Ganz auszuschließen sind Munitionsreste auch nicht. Denn bei der Demontage nach Kriegsende wurden Teile der Anlagengebäude gesprengt. Keiner weiß, ob alle Sprengladungen seinerzeit wirklich komplett explodiert sind.

Die kalkulierten Sanierungskosten liegen bei rund einer Million Euro. Dass sich die früheren Grundstückseigentümer geweigert hatten, ihre Flächen sanieren zu lassen, kostet die jetzigen Besitzer Geld. Es habe dabei einen Kompromiss zwischen dem Land und dem Eigentümer gegeben, er zahle einen nicht unerheblichen Betrag. so Rezic. Die Arbeiten sollen bis zum Sommer dauern. Komplett rekultiviert wird das wieder verfüllte Gelände danach aber nicht, das wird Sache des Eigentümers sein.

von Michael Rinde