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Ostkreis Ladestation: E-Biker schauen in die Röhre
Landkreis Ostkreis Ladestation: E-Biker schauen in die Röhre
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13:58 24.07.2020
Die E-Bike-Tankstelle am Bahnhof Kirchhain ist schon seit mehreren Wochen wegen Vandalismus geschlossen. Quelle: Andreas Schmidt
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Kirchhain

Das hatte sich Reiner Priemer anders vorgestellt, als er am Sonntag quasi mit dem letzten „Saft“ im Akku seines E-Bikes an den Kirchhainer Bahnhof kam. „Ich wusste, dass es dort eine E-Bike-Tankstelle gibt“, sagt Primer gegenüber der OP. Doch als er sich schon „gerettet“ fühlte kam die Ernüchterung: Die Ladestation ist verschlossen, die Fächer mit der „rettenden Steckdose“ sind nicht zu erreichen. „Und das schon seit einigen Monaten, hat man mir erzählt“, so Priemer. „Da kann man nur mit dem Kopf schütteln, es wird etwas Sinnvolles gebaut, es werden Kosten produziert – und dann wird es verschlossen!“

Statt also entspannt in seinen Heimatort Anzefahr zu radeln, kam Priemer nicht so recht voran. Denn sein E-Bike lässt sich ohne Unterstützung des Motors nur sehr schwer fahren – kein Vergleich zu einem nicht elektrifizierten Rad. „Zum Glück hat mich meine Frau erlöst“, sagt er schmunzelnd – denn ihr E-Bike-Akku habe noch Strom gehabt. „Sie hat meinen Akku mit nach Hause genommen, für eine halbe Stunde ans Ladegerät gehängt und ihn mir dann wiedergebracht", sagt er. Doch wenn Touristen in eine solche Situation kämen und sich auf die Ladestation verlassen würden, hätten sie ein Problem. „Keine gute Werbung für die Stadt Kirchhain“, findet Reiner Priemer.

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Problem im Rathaus bekannt

Im Rathaus ist das Problem bekannt. Denn es ist nicht das erste Mal, dass sich die kostenlose Ladestation nicht nutzen lässt, wie Benjamin Beule vom Ordnungsamt der Stadt Kirchhain auf OP-Anfrage erläutert. Der Gedanke hinter der Ladestation ist simpel: E-Bike-Fahrer pendeln mit ihrem Rad zum Bahnhof, schließen den Akku in einem der Fächer an den Strom an und fahren mit dem Zug zur Arbeit. Wenn sie zurückkommen, ist der Stromspeicher kostenlos vollgeladen – und sie können nach Hause radeln.

Drei dieser Fächer gibt es am Kirchhainer Bahnhof. Sie funktionieren wie beispielsweise Spinde im Schwimmbad: Von außen steckt der Schlüssel – wer den Akku laden möchte, öffnet das Fach, wirft auf der Innenseite ein Ein-oder Zwei-Euro-Stück als Pfand ein und kann das Fach dadurch abschließen. „Aber weil die Schlüssel für jedermann zugänglich sind werden sie offenbar mutwillig zerstört“, sagt Benjamin Beule.

Schlüssel abgebrochen

Beim Ortstermin am Mittwochmittag war der Schließzylinder des oberen Fachs zerstört. „Im zweiten Fach hat jemand einen Euro eingeworfen und den Schlüssel mitgenommen“, sagt Beule – das Fach ist jedoch leer. Und die dritte Lademöglichkeit bleibt den Nutzern ebenfalls verwehrt, denn der Schlüssel wurde im Schloss abgebrochen. „Mutwillige Zerstörung, da kann man wenig machen“, sagt Beule und schüttelt resigniert den Kopf.

Bei der Stadt habe sich bisher noch niemand beschwert, dass die Ladestation sich derzeit nicht nutzen lasse. „Wir werden uns jetzt bei dem Hersteller informieren, ob es vielleicht eine andere Möglichkeit des Zugangs gibt. Wir sind bestimmt nicht die Einzigen, die dieses Problem haben“, sagt der Mitarbeiter des Ordnungsamts.

Denkbar sei eventuell eine Lösung per App oder Ähnlichem. Bis diese – oder eine andere – Lösung steht, sollen die Schlösser ausgetauscht werden – damit die E-Biker nicht „trocken fahren“ müssen. Ärgerlich sei das, „denn es kostet jedes Mal Geld“, so Beule.

Von Andreas Schmidt