Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Ein Schatz zeigt seine Schätze
Landkreis Ostkreis Ein Schatz zeigt seine Schätze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:58 04.08.2020
Marianne Heise (vorne) stellt ihre Bilder im Seniorenzentrum aus. Christel Herz leitet die Einrichtung (von rechts), Björn Borgmann ist Pflegedienstleitung. Willibald Preis (von links) organisierte die Ausstellung, Stefan Völker analysierte die Kunst. 
Marianne Heise (vorne) stellt ihre Bilder im Seniorenzentrum aus. Christel Herz leitet die Einrichtung (von rechts), Björn Borgmann ist Pflegedienstleitung. Willibald Preis (von links) organisierte die Ausstellung, Stefan Völker analysierte die Kunst.  Quelle: Florian Lerchbacher
Anzeige
Kirchhain

Kunst kann wild sein, Kunst kann aus Chaos bestehen, Kunst sind eigentlich keine Grenzen gesteckt – doch man kann auch ganz anders an Kunst herangehen.

Dies wurde deutlich, als sich Marianne Heise während der Eröffnung ihrer Ausstellung im evangelischen Altenhilfezentrum Haus Elisabeth in Kirchhain zur ihren Linolschnitten äußerte.

Stefan Völker hatte gerade ihre Werke analysiert und über die Kunst des Linolschnitts informiert. So berichtete er, dass Linoleum in den 1860er-Jahren in England als Bodenbelag für Häuser und Schiffe erfunden wurde und im frühen 20. Jahrhundert als Ersatz für Holz den Weg in die Kunst fand.

Er schwärmte von kraftvollen Bildern und ausgeprägten Strukturen und erklärte, beim Linolschnitt werde die Kunst aufs Wesentliche reduziert, habe aber dennoch einen starken Ausdruck. Besonders die Sogwirkung des Tores im Bild des Eingangs zur Schweinsberger Burg hatte auf ihn Eindruck gemacht.

Linolschnitt war immer schon ihr Favorit

Und dann sagte die 84-Jährige nur: „Mir war immer das Wichtigste, dass die Striche gerade sind.“ Ordnung sei ihr durchaus wichtig, ergänzte sie auf Nachfrage dieser Zeitung und berichtete, sie sei einst während ihres Studiums in Greifswald und Berlin (Kunsterziehung, Germanistik und Kunstgeschichte) von ihrem Professor für die Kunst des Linolschnitts begeistert worden.

Sie habe zwar auch andere Kunstformen verwendet, aber der Linolschnitt sei ihr immer die liebste gewesen. Besonders stolz ist sie auf ein Bild von Niederwälder Frauen, die Tracht tragen: Diese Kleidungsform habe sie einfach fasziniert.

Heutzutage zeichnet Marianne Heise, Witwe des ehemaligen Dekans des Kirchenkreises Kirchhain, Jürgen Heise, am liebsten. Sie habe Stift und Papier auf ihrem Zimmer im Seniorenzentrum und zeichne am liebsten Tannen- und Forsythienzweige – natürlich als Serie von zwei bis vier Bildern.

„Ich ahnte nicht, was für einen Schatz wir aufnehmen“

Mehr als 30 ihrer Linolschnitte – teils in der original Postkartengröße, teils vergrößert – sind nun im Flur des Seniorenzentrums, in dem Heise lebt, zu sehen. Initiatoren waren Einrichtungsleitung Christel Herz und Willibald Preis, der Sprecher des Arbeitskreises Dörfliche Kultur.

Heises Kunstwerke hatte der Verein einst in der Papiermühle und später in der Stadtverwaltung gezeigt. Nun hat die Ausstellung also ihren Platz gewechselt. Seit 2019 lebt Heise im Seniorenzentrum. „Ich ahnte vor etwas über einem Jahr gar nicht, was für einen Schatz wir in unserer Einrichtung aufnehmen“, erinnerte sich Herz und betonte, sie habe eines Tages von den Fähigkeiten und der künstlerischen Vergangenheit Heises erfahren.

„Wir haben reichlich Wände und es war immer mein Wunsch, eine Ausstellung mit vielen schönen Bildern zu zeigen“, erklärte sie. Dieser Wunsch ist nun in Erfüllung gegangen – und das sogar dank einer Bewohnerin. „Es ist ein großes Geschenk, dass wir Sie haben“, sagte Herz entsprechend zu Heise.

Von Florian Lerchbacher

Ostkreis Feuerwehr im Einsatz - Mähdrescher fängt Feuer
01.08.2020