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Ostkreis Fünf Fotografen zeigen ihre Kunst
Landkreis Ostkreis Fünf Fotografen zeigen ihre Kunst
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15:56 06.08.2020
Der Marburger Künstler Gunnar Lippki stellt unter anderem dieses Foto aus. Foto: Gunnar Lippki
Der Marburger Künstler Gunnar Lippki stellt unter anderem dieses Foto aus. Quelle: Gunnar Lippki
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Rauschenberg

„Viele Wochen passierte auch in der Kunst aufgrund von Corona nichts, aber jetzt geht es wieder los. Wir möchten wieder aktiv sein“, sagt Dr. Ulrich Hoerder, der gemeinsam mit seiner Frau, Dr. Anne Hoerder, in Rauschenberg unter anderem die Rauschenale ausrichtet.

Seine Frau hatte nach dem Lockdown gemeinsam mit anderen Künstlern bereits eine Ausstellung auf die Beine gestellt, nun tat er sich mit vier weiteren Fotografen zusammen, um ebenfalls ihre Werke zu präsentieren. Warum ausgerechnet Fotografien? „Weil ich leidenschaftlich gerne fotografiere“, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Er widmet sich bei der für zwei Wochenenden (8. und 9. August sowie 15. und 16. August, immer 11 bis 17 Uhr) im Alten Sägewerk vorgesehenen Ausstellung dem Thema Sand. Ein Besuch an der dänischen Nordseeküste habe ihm die notwendige Inspiration gebracht, erklärt der Rauschenberger, der seine erste Kamera zur Kommunion bekommen hatte.

„Fotografieren bedeutet für mich einerseits, Natur und Umgebung intensiv mit offenen Augen anzusehen, andererseits geht mit der Suche nach Foto-Objekten manchmal auch der Blick und die Empfindung für das Ganze des Augenblicks verloren“, gibt er zu. Seine Fotos waren bereits unter anderem in Zeven, Südfrankreich, Marburg aber natürlich auch in seiner Heimat zu sehen.

Mumifizierte Tierkörper zu sehen

Außerdem stellen ihre Werke aus: der Mardorfer Werner Eismann sowie der Diplomdesigner und Fotografenmeister Jürgen Schmidt-Lohmann, der Fotograf und Künstler Erhard Scherpf aus Bad Zwesten und Gunnar Lippki aus Marburg. Schmidt-Lohmann zeigt Arbeiten aus Frankfurt, für die er seine eigene Technik verwendet hat – die (als Wortmarke geschützte) Gratofafie, eine Mischung aus Grafik und Fotografie.

Scherpf zeigt, nachdem er bei der Rauschenale 2019 überlebensgroße Bilder von Körpern, die sich dem Schönheitsideal verweigerten, präsentiert hatte, dieses Mal Fotos von auf natürlichem Weg mumifizierten Tierkörpern, die alles andere als beschönigend wie Tierpräparate sind. „Sie verleugnen nicht den Tod und die Zeichen des Verfalls und der Vergänglichkeit“, heißt es in einer Beschreibung.

Eismann spielt bei seinen Bildern mit Formen, Licht und Farben, sodass sich die ursprüngliche Kulisse in bewegte und bewegende Szenen verwandelt: „Die Verbindung von weichen und harten Formen, Schärfe und Unschärfe, ausgeprägten Licht- und Schattenverhältnissen schafft Kompositionen mit intensiver Tiefenwirkung. Konkretes wirkt abstrakt, Materie lebendig, Landschaft unwirklich, Gebäude erscheinen mal kühl, mal anziehend“, lautet die Analyse.

Keine Vernissage wegen Corona

„Durch den Einsatz von verschiedenen Aufnahmetechniken sowie der weiteren Bearbeitung des digitalen Negativs erzeuge ich Effekte, welche auf dem Foto eine malerische Wirkung entfalten. Trotz der vielen technischen Möglichkeiten steht für mich die Gesamtimpression des Bildes im Fokus. Ich möchte mit meinen Aufnahmen Gefühlseindrücke vermitteln, die über das eigentliche Motiv hinausgehen“, beschreibt Lippki sein Schaffen. Er stellt Fotos aus, „die an verschiedene Stilrichtungen der Malerei angrenzen, wie zum Beispiel „ungegenständliche Form- und Farbkompositionen und romantische Architekturfotografie“.

Um die Werke angemessen präsentieren zu können, haben die Hoerders im Alten Sägewerk eine Beleuchtungsanlage installiert. Eine Vernissage findet aufgrund der Corona-Pandemie nicht statt. Hoerder betont aber, dass das Alte Sägewerk gut durchlüftet ist, die Gäste aber dennoch die Abstandsregeln einhalten sollen. Die Künstler werden vor Ort sein und stehen für Gespräche zur Verfügung.

Von Florian Lerchbacher