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Ostkreis Kunden fürchten Gang in den Shop
Landkreis Ostkreis Kunden fürchten Gang in den Shop
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14:00 16.01.2021
Im Pflegezentrum „Haus Rauschenberg“ ist Corona ausgebrochen, dort gibt es auch eine Poststelle.
Im Pflegezentrum „Haus Rauschenberg“ ist Corona ausgebrochen, dort gibt es auch eine Poststelle. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Rauschenberg

Am vergangenen Dienstag berichtete die OP von einem Corona-Ausbruch im Altenpflegezentrum „Haus Rauschenberg“. Das Gesundheitsamt sprach zu Wochenbeginn von 31 infizierten Bewohnern und 10 infizierten Mitarbeitern. In dem Altenpflegezentrum befindet sich auch ein Postshop. Die Nachricht über den Corona-Ausbruch hat ein älteres Ehepaar aus Rauschenberg in Sorge versetzt.

Es erwartete ein wichtiges Paket, das im Shop abgeholt werden musste. Beide gehören, was das Corona-Virus und seine Folgen angeht, zu einer Risikogruppe. Sie wandten sich an die OP. An jenem Tag seien sie mit einem schlechten Gefühl dorthin gegangen, räumen sie ein. Ihrer Meinung nach müsste die Poststelle vorsorglich geschlossen werden. Schließlich gelte ja eigentlich ein Betretungsverbot.

Die OP fragte beim Gesundheitsamt nach. Müssen Postkunden in diesem Fall besondere Angst vor einer Infektion haben? „Nein, müssen sie nicht“, sagt Sascha Hörmann, stellvertretender Sprecher der Kreisverwaltung. Der Shop liege in einem Gebäude, das nicht vom Betretungsverbot betroffen sei. Allerdings weist das Gesundheitsamt grundsätzlich darauf hin, dass auch bei Besuchen dort wie immer bei Einkäufen und Besorgungen die Regeln, also Abstand halten und mindestens eine Alltagsmaske tragen, beachtet werden müssten.

Auch die Post AG hat keine Bedenken. Postsprecher Alexander Böhm teilt mit, dass der Shop seine Öffnungszeiten bereits reduziert habe, und zwar auf den Zeitraum zwischen 15 und 17 Uhr. Die Mitarbeiterin begrüße die Kunden, bei denen dies möglich sei, bereits vor der Tür des Gebäudes. Auch Böhm weist darauf hin, dass ein anderer Bereich des Altenpflegezentrums von dem Corona-Ausbruch betroffen sei. Kunden, die Angst vor dem Betreten der Räume hätten, könnten auch Angehörigen eine Vollmacht für die Abholung von Sendungen erteilen. An eine Schließung des Shops denkt die Post in der derzeitigen Situation jedoch nicht.

Nicht infizierte Bewohner geimpft

Die Gesundheitsbehörden des Landkreises verzeichneten bis zum vergangenen Donnerstag in 13 der insgesamt 38 Alten- und Pflegeheime Corona-Ausbrüche (die OP berichtete in ihrer Freitagsausgabe auf „Landkreis“).

Ein Angehöriger eines früheren Bewohners des „Haus Rauschenberg“ wandte sich ebenfalls an die OP und berichtete, dass sich dort bereits im November ein Ausbruch ereignet habe. Dabei habe sich der Verwandte infiziert und sei im Verlauf verstorben. Kreissprecher Stephan Schienbein erläutert am Freitag, dass es sich um zwei verschiedene Ausbruchgeschehen handele. Das erste habe im November stattgefunden, das zweite habe Ende Dezember in einem anderen Gebäude der Einrichtung begonnen. Nach OP-Recherchen wurden auch die Angehörigen der Bewohner entsprechend von der Heimleitung informiert. Derzeit ist wohl der Bereich betroffen, in dem vor allem Demenzkranke betreut werden.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie im vergangenen Frühjahr sind in Alten- und Pflegeeinrichtungen im Landkreis bisher 90 Menschen am oder mit einer Infektion mit dem Corona-Virus verstorben. Diese Zahl hatte der Kreis am vergangenen Donnerstag ebenfalls genannt.

Ein Mitglied der Geschäftsführung des „Haus Rauschenberg“ hatte zu Beginn der Woche erklärt, dass man sich mit Rücksicht auf den Datenschutz und die Bewohner derzeit nicht zu dem Ausbruch äußern möchte.

Zusätzlicher Schutz für Bewohner ist in Sicht. Auch im „Haus Rauschenberg“ haben die Impfungen gegen das Virus begonnen. „Ein Teil der Bewohner ist geimpft worden, ein Teil aufgrund der akuten Erkrankungen nicht“, sagt Sprecher Sascha Hörmann.

Von Michael Rinde