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Ostkreis Das macht Appetit
Landkreis Ostkreis Das macht Appetit
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20:56 16.08.2020
Die „Kulinaria“ ist ein Gemeinschaftsprodukt – das zeigte sich auch während der Einweihung. Foto: Florian Lerchbacher
Die „Kulinaria“ ist ein Gemeinschaftsprodukt – das zeigte sich auch während der Einweihung. Quelle: Florian Lerchbacher
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Ostkreis

Der Name „Kulinaria“ lässt bereits erahnen, dass sich die neue Radtour, die durch den Süd- und den Ostkreis führt, mit Essen und Trinken befasst. Doch es geht noch um viel mehr. Ziel ist es, dass sich die Menschen mehr mit den Themen Klimaschutz und Regionalität befassen.

Die Initiatoren – und von denen gibt es einige – bezeichnen die Strecke gar als „Liaison von Nachhaltigkeit und Klimaschutz“, die den Radfahrern die Attraktionen der Region bewusst machen soll und die Leitziele der Region Marburger Land vereint.

Die Radtour führt durch idyllische Landschaften und historische Ortskerne mit zahlreichen Fachwerkhäusern, vorbei an historischen Schlössern und einem erloschenen Vulkan bis hin in die Industriestadt des Landkreises schlechthin.

Sie verläuft größtenteils über den Lange-Hessen-Radweg, hat ein eigenes Logo (mit einem Fahrradpiktogramm und einem Einkaufskorb voller regionaler Produkte) und ist ein Gemeinschaftsprojekt der Städte Amöneburg und Stadtallendorf, der Gemeinden Ebsdorfergrund und Fronhausen sowie des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Werbung für „aktiven Klimaschutz“

70 Prozent der Finanzierung des fast 75.000 Euro teuren Projektes sicherte die Region Marburger Land über EU-Leadermittel (rund 44.000 Euro), 20.000 Euro trug der Landkreis, den Rest müssen die beteiligten Kommunen zahlen.

Die Idee zur 44 Kilometer langen „Kulinaria“ von Fronhausen bis Stadtallendorf hatte Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz schon im Jahr 2017 gehabt. Dass die Umsetzung etwas länger dauerte, bezeichnet er im Nachgang nun sogar als positiv, denn aufgrund der Corona-Pandemie ist Radfahren als Hobby aktueller denn je.

Birgit Gruß, Mitarbeiterin der Stadt Amöneburg, kümmerte sich um das Organisieren des Projektes, das sie letztendlich auch präsentierte. Ein Ziel sei es, für den „aktiven Klimaschutz“ auch beim Essen zu werben. So gibt es im Flyer zur Tour beispielsweise den Hinweis, dass auch der Transport von Nahrungsmitteln klimaschädliche Emissionen verursacht.

Ein erster Schritt zum bewussten Einkauf

Wer also klimafreundlicher handeln wolle, solle in der Region hergestellte Produkte kaufen, um lange Transportwege zu verhindern. Und wer dann auch noch saisonal kauft, untermauert dies noch: „Ein erster Schritt zum bewussten Einkauf ist es, Saisonkalender für Gemüse, Obst und Salat griffbereit zu haben“, heißt es in der Broschüre, die mit einer Auflage von 5.000 Stück gedruckt wurde.

Entsprechend gibt es auch einen Verweis auf die „Regioapp“, die unter dem Motto „regional kaufen, Klima schützen“ steht – damit lässt sich eine Umkreissuche nach regionalen Lebensmittelhändlern, Direktvermarktern, Gastronomen, Hofläden, Wochenmärkten und vielem mehr machen.

In der Nähe der „Kulinaria“ finden sich beispielsweise der Hofladen Jung in Bellnhausen mit Hühnern und Eiern, das Bio-Erdbeerfeld Laggels in Ebsdorfergrund, die Brücker Mühle mit ihrem Bioladen und der Gastronomie in Amöneburg und der Bio-Hof Metz in Schweinsberg, auf dem es Käse und Butter (mit Automatenverkauf) gibt.

Texte sind „kleine Häppchen“

Neben den Start- und Zielorten (den Bahnhöfen Fronhausen und Stadtallendorf) warten neun Stationen auf die Radfahrer. Immer stehen unterschiedliche Themen im Vordergrund, zu denen es in extra gestalteten Schaufenstern Infos zu Themen wie Wasser, Getreide, Eiern oder Äpfeln gibt. Doch keine Sorge: Es handelt sich nicht um ellenlange Texte, sondern – wie Amöneburgs Bürgermeister Michael Plettenberg sagt – „kleine Häppchen“, die während einer Rast gut zu konsumieren sind.

Zudem stehen dort Ausruh-Möglichkeiten in Form von Bänken oder Wellnessliegen sowie jeweils eine Skulptur aus Eiche, die Bildhauerin Luise Matthes aus Thüringen geschaffen hat. Des Weiteren warten kleine Rätsel mit Fragen wie: Wie viel Prozent der gesamten Wassermenge auf der Erde ist Süßwasser (zwei Drittel unseres Planeten werden von Wasser bedeckt, aber nur 2,5 Prozent sind Süßwasser!).

Andreas Schulz hebt hervor, dass die Strecke besonders auch für Familien geeignet sei – und die Initiatoren mit dem neuen Angebot auch das Hotel- und Gaststättengewerbe in der Region förderten. Peter Eidam, Vorsitzender der Region Marburger Land, lobte das interkommunale Projekt als „absolutes Spitzenprojekt“.

Die Stationen

Die „Kulinaria“ hat folgende Stationen, an denen neben Skulpturen auch Bänke, Wellnessliegen und ein Ellipsobogen (sozusagen eine hängende Liege) warten:

– Fronhausen Bahnhof (Start/Ziel)

– Bellnhausen (Thema Ei)

– Hachborn (Thema Apfel)

– Ebsdorf (Thema Erdbeere)

– Heskem-Mölln (Thema Fleisch/Wurst)

– Wittelsberg (Thema Salat)

– Rauischholzhausen (Thema Brot)

– Amöneburg (Thema Getreide)

– Schweinsberg (Thema Milch)

– Stadtallendorf Wasserwerk (Thema Wasser)

– Stadtallendorf Bahnhof (Start/Ziel)

Von Florian Lerchbacher