Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Kreisstraße 3 soll Radweg werden
Landkreis Ostkreis Kreisstraße 3 soll Radweg werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 29.08.2020
Die Straße zwischen Bracht und Schönstadt ist kaputt und sehr schmal.
Die Straße zwischen Bracht und Schönstadt ist kaputt und sehr schmal. Quelle: Nadine Weigel
Anzeige
Bracht

Die Kreisstraße 3 zwischen Bracht und Schönstadt ist ein Sorgenkind: Sie ist kurvenreich, unübersichtlich, eng und zusätzlich in schlechtem Zustand. Eine sinnvolle Sanierung würde mit einer nahezu unmöglichen Verbreiterung der Straße einhergehen und rund zehn Millionen Euro verschlingen – was Marian Zachow (CDU), Erster Kreisbeigeordneter und Verkehrsdezernent, dazu brachte, nach einer Alternative zu schauen. Des Rätsels Lösung wäre für ihn ein Ansatz, der so im Landkreis Marburg-Biedenkopf noch nie dagewesen ist. Er plant, die Kreisstraße aus dem Verkehr zu ziehen und zu einem kombinierten Kreis-Rad-Wirtschaftsweg zu machen. Allerdings erst, wenn die äußeren Umstände dies auch hergeben, betont er. Und das sei frühestens 2024 oder 2025 der Fall.

„Hochproblematisch“

Zachow bezeichnet die Kreisstraße 3 jedenfalls angesichts ihres Zustandes als „hochproblematisch“. Der Asphalt sei in schlechtem Zustand, noch dazu ereigneten sich dort zahlreiche Unfälle im Begegnungsverkehr – 5,10 Meter Breite seien einfach zu wenig, sagt er und betont, alle Versuche, die Strecke sicherer zu machen, hätten nicht gefruchtet. Die 3,7 Kilometer lange Straße breiter zu gestalten, sei angesichts einer Böschung auf der einen Seite und des Roten Wassers (das die Straße immer wieder unterspült) samt Vogelschutz- und FFH-Gebieten sowie Wasserschutzzonen nahezu unmöglich. Eine Fahrbahndeckenerneuerung reiche nicht aus, um die K3 besser und sicherer zu machen. Viel eher wäre eine grundhafte Erneuerung notwendig – und die würde eine neue Planung samt Planfeststellung notwendig machen. Die Kosten würden sich auf rund 7,6 Millionen Euro belaufen, berichtet Zachow – noch dazu würde die Umsetzung angesichts der notwendigen Schritte zehn bis 15 Jahre (in dieser Zeit wären weitere Erhaltungsarbeiten unumgänglich) dauern. Und ein immer wieder von Brachtern und Schönstädtern geforderter Radweg wäre dann auch noch nicht gebaut. Dieser würde weitere mehr als zwei Millionen Euro kosten.

Zehn Millionen Euro wären insgesamt fällig. Eine Investition, die der Verkehrsdezernent angesichts von 2 000 bis 3 500 Fahrzeugen, die täglich die Kreisstraße nutzen, nicht verantworten möchte – schon gar nicht angesichts der Tatsache, dass ganz in der Nähe die Bundesstraße 3 verläuft. Wer diese nutze, müsse zwar 2,3 Kilometer mehr und ungefähr drei Minuten länger fahren: „Aber die Bedingungen sind dort besser: Die Straße ist besser einsehbar und einfach sicherer.“ Zachow stellt in diesem Zusammenhang heraus, dass über die K3 meist viele Auswärtige (sowie Menschen aus dem Frankenberger Land, die nach Marburg unterwegs sind) fahren würden, weil Navis sie als die schnellere Route darstellen: „Aber die meisten Verkehrsteilnehmer fragen sich dann wahrscheinlich, warum sie durch die Hecke geschickt werden.“ Die andere Route sei viel komfortabler. Noch dazu glaubt er, dass die Bundesstraße eine deutliche Entlastung erfahren werde, wenn die Autobahn 49 eines Tages fertiggestellt werde.

„Hessenweiter Erstling“

Sie könne also noch etwas mehr Verkehr aufnehmen – was den Kreisbeigeordneten zu einem bis dato nie dagewesenen Ansatz bringt: Er möchte nach produktiven Verhandlungsgesprächen mit dem Land die Kreisstraße aus dem Verkehr ziehen und für eine Investition von etwas über einer Millionen Euro in einen Kreis-Rad-Wirtschaftsweg umwandeln. Eigentlich sei es nicht möglich, eine Kreisstraße als Landkreis aus dem Betrieb zu nehmen – aber diese Alternative sei dennoch aufgezeigt worden. „Das wäre ein hessenweiter Erstling, da es keine Wirtschaftswege in Kreishand gibt.“

Und auf die Stadt Rauschenberg und die Gemeinde Cölbe würden auch keine Kosten zukommen, verspricht Zachow und betont: Der Landkreis würde neun Millionen sparen, die Verkehrsteilnehmer würden eine sicherere Strecke nutzen und die Bürger ihren Wunsch nach einem Radweg erfüllt bekommen, noch dazu in außergewöhnlicher Form.

Zur Umsetzung soll das Projekt übrigens erst kommen, wenn die Umgehung Münchhausen-Wetter-Lahntal fertiggestellt ist – was frühestens in den Jahren 2024 oder 2025 zu erwarten ist. Gemäß Verkehrsprognosen geht dann der Verkehr auf der Kreisstraße 3 nämlich auf 1200 Fahrzeuge täglich zurück.

Es gebe so gut wie keinen Experten, der gesagt habe, das Projekt sei nicht sinnvoll, berichtet Zachow und hofft entsprechend auf breite Akzeptanz. Den Menschen das Fahren auf der K3 durch Beschränkungen und Verkehrskontrollen madig zu machen, sei jedenfalls keine Alternative für ihn: Er setze lieber auf Verständnis beziehungsweise Zustimmung.

Von Florian Lerchbacher

28.08.2020
28.08.2020