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Ostkreis Kreis verweist auf Verordnung
Landkreis Ostkreis Kreis verweist auf Verordnung
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10:17 12.10.2021
Themenfoto: Ein Kind betritt eine Schule mit Mund-Nasen-Schutz.
Themenfoto: Ein Kind betritt eine Schule mit Mund-Nasen-Schutz. Quelle: Jens Büttner
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Kirchhain

„Schulen stellen derzeit keinen Schwerpunkt des Infektionsgeschehens dar“, lautete ein Fazit des Landkreises Marburg-Biedenkopf mit Blick auf die vergangenen Wochen und Monate und verwies darauf, dass es nur 92 Fälle an insgesamt 27 von 96 Schulen gegeben habe. Einige davon betreffen eine Kirchhainer Grundschule – und dort ärgert sich ein Vater, dass die Erkrankung seines und eines weiteren Kindes mit etwas mehr Vorsicht hätte verhindert werden können.

Er berichtet, dass der Vater eines anderen Grundschulkindes Corona hatte, sein Kind sich aber freitesten konnte und in die Schule kam – und dort zwei weitere Kinder angesteckt habe. Bei dem ersten Kind habe nach einer Zeit dann doch ein Antigen-Schnelltest angeschlagen. Er hätte es gerne gesehen, wenn das Gesundheitsamt eine Maskenpflicht angeordnet hätte – doch die Behörde habe darauf verwiesen, dass erst das Ergebnis des PCR-Tests abgewartet werden müsse. Diese zusätzliche Wartezeit sei doch zu viel und das Ansteckungsrisiko steige doch, moniert der Vater und berichtet, die Eltern hätten sich darauf verständigt, dass die Kids trotzdem sofort Masken tragen im Unterricht. Das Gesundheitsamt habe dann, als das PCR-Ergebnis vorlag, zwar tägliche Tests und Maskenpflicht angeordnet, aber niemanden in Quarantäne geschickt - weil die Kinder in der Klasse weit genug auseinander säßen. Dabei hätten doch Grundschulkinder auch noch an ganz anderen Stellen Kontakt, kritisiert der Vater und nennt das Busfahren als nur ein Beispiel.

Freitestung trotz infiziertem Vater?

Für ihn ergeben sich verschiedene Fragen: Wie kann es sein, dass sich ein Kind freitestet, dessen Vater nachweislich infiziert ist? Warum muss es nicht zu Hause bleiben? Wieso gibt es noch keine Anordnung der Maskenpflicht, wenn schon positive Antigen-Tests vorliegen? Wäre eine solche Anordnung nicht präventiv sinnvoller, als abzuwarten und nix zu machen?

Das Gesundheitsamt beziehungsweise der Landkreis beziehen zu diesen Fragen nun Stellung. „Das Gesundheitsamt hält sich auch an Schulen bei allen Entscheidungen an die gültige Landesverordnung und die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts“, betont Maximilian Schlick, Mitarbeiter der Pressestelle und verweist darauf, dass „angesichts der besonderen Bedeutung von schulischer und vorschulischer Bildung sowie den bisherigen Belastungen der Kinder und Jugendlichen in den vergangenen 18 Monaten der Pandemie“ eine Verkürzung der Absonderung – also ein Freitesten – nach diesen Vorgaben grundsätzlich möglich sei.

Eine Quarantäne ganzer Kurse, Gruppen oder Klassen solle, „wenn möglich“, vermieden werden – und eine Maskenpflicht am Platz gebe es gemäß Landesverordnung eben erst, wenn mittels eines PCR-Tests eine Corona-Infektion bestätigt sei. Ein Antigen-Schnelltest bedeute schließlich zunächst einmal nur, dass ein Verdacht auf eine Corona-Infektion vorliege. „Nach der Verordnung des Landes Hessen muss sich eine Person mit einem positiven Antigenschnelltest umgehend selbst isolieren und sich mit einem PCR-Test testen lassen. Weitere Maßnahmen sieht die Verordnung dann bei einer durch das PCR-Verfahren bestätigten Infektion vor. Im Schulkontext bedeutet dies Maskenpflicht am Platz sowie tägliche Testungen im betroffenen Klassen- oder Kursverband“, so Schlick.

Kreissprecher verweist auf Selbstverantwortung

Der Kreissprecher verweist darauf, dass sehr wohl auch unabhängig vom Klassenraum Kontakte nachverfolgt würden – nach den jeweils gültigen Richtlinien. Dabei sei das Gesundheitsamt „grundsätzlich auch auf die Mitarbeit und Hinweise der Betroffenen zu möglichen Kontakten angewiesen“. Und eine „Absonderung“ sei eben stets eine „Einzelfallabwägung unter Berücksichtigung der Kriterien des Robert Koch-Instituts“. Schlick verweist außerdem noch auf die „Selbstverantwortung jedes Einzelnen“ gemäß der Corona-Schutzverordnung des Landes. Jeder Mensch sei angehalten, sich so zu verhalten, dass er sich und andere keine vermeidbaren Infektionsgefahren aussetzt.

Zumindest bei einem Punkt hat er aber gute Nachrichten für den Vater: Dieser hatte sich geärgerte, dass er beim Anrufen der Corona-Hotline immer wieder aufgrund belegter Leitungen in der Telefonzentrale des Kreises gelandet sei. Die Behörde bereitet derzeit das Einrichten einer Warteschleife vor, teilt Schlick mit.

Von Florian Lerchbacher

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