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Ostkreis Kreis setzt den Maßstab in Sachen iPads
Landkreis Ostkreis Kreis setzt den Maßstab in Sachen iPads
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09:58 30.06.2020
Ministerin Kristina Sinemus (von links), Minister Alexander Lorz, Abgeordneter Horst Falk, Dezernent Marian Zachow und Landrätin Kirsten Fründt verteilten die ersten Geräte an Schüler. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Erst einmal wollten sie die Geräte auspacken und einschalten. So schlicht und einfach antworteten Schüler der Martin-von-Tours-Schule aus Neustadt und der Alfred-Wegener-Schule (AWS) aus Kirchhain auf entsprechende Fragen von Hessens Digitalministerin Professorin Kristina Sinemus und Kultusminister Professor Alexander Lorz (beide CDU). Gleich zwei Minister besuchten am Freitag, 26. Juni, das Medienzentrum des Landkreises in Kirchhain.

Der Grund ist ebenso einfach wie erfreulich: Der Landkreis und die Stadt Marburg erhalten als einer der ersten Kreise bundesweit hohe Förderungen von Land und Bund, um Endgeräte für Schüler anzuschaffen. Laut Land bekommt der Kreis 980.000 Euro, die Stadt Marburg 610.000 Euro.

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Dabei ist der Landkreis als Schulträger schon seit April selbst in die Ausstattung von Schulen selbst eingestiegen und hat Geräte beschafft. Aktuell werden 1.500 iPads, Tablet-Computer, an die Schulen ausgegeben. Die ersten Geräte verteilten die Minister, Landrätin Kirsten Fründt (SPD) und Schuldezernent und Vizelandrat Marian Zachow an Schüler.

„Einkommen der Eltern darf nicht entscheiden“

Hessenweit liegt der Kreis Marburg-Biedenkopf damit ganz an der Spitze. Die Versorgung mit Endgeräten bei den Schülern müsse einfach stimmen, unterstrich Fründt den Anspruch des Kreises. Zachow ergänzte einen zentralen Punkt: „Es darf nicht das Einkommen der Eltern über die Qualität des Gerätes entscheiden.“

Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte der Landkreis das „Leihpad“-Programm gestartet. Die Kinder bekommen die Geräte leihweise und können sie nach drei Jahren gegen einen geringen Obolus vom Kreis kaufen. Mit den iPads hat der Kreis bereits sehr gute Erfahrungen im praktischen Einsatz gesammelt.

Dass die Bestellungen frühzeitig erfolgten, ist jetzt ein Glück angesichts der enormen Nachfrage bundesweit. Gekauft wurden iPads der Version 2019 mit 32 Gigabyte Speichervolumen. Sie sind über WLAN nutzbar, also das Funknetz daheim oder in der Schule. Sollten Familien kein eigenes Heim-Netzwerk haben, so helfen die Experten im Medienzentrum, erläutert dessen Leiter Olf Westphal.

„Wir schaffen den Präsenzunterricht nicht ab“

Kultusminister Lorz machte klar, wie wichtig in diesen Zeiten Heimunterricht („Homeschooling“) ist und wohl auch bleiben wird. Er sprach von einer „Hybridkonstruktion“, einer Kombination aus Präsenzunterricht und Heimunterricht. Klar ist: Auch unabhängig von der Pandemie werden Schüler künftig eine adäquate Ausstattung in Zeiten der Digitalisierung brauchen.

„Wir schaffen den Präsenzunterricht aber damit nicht ab“, so betonte Ministerin Sinemus ausdrücklich. Sie sieht den Kreis Marburg-Biedenkopf auf dem Weg der Digitalisierung sehr gut aufgestellt. In Kirchhain verwiesen sie und Landrätin Fründt auf die Ausstattung aller Schulstandorte mit Glasfasertechnik, unabdingbar nötig für eine zeitgemäße Datenübertragung. Bis zum Herbst soll dieses Ziel erreicht sein.

„Kommt bei denen an, die es wirklich brauchen“

Das Software-Angebot für iPads und Notebooks explodiere gerade, erläuterte Medienzentrumsleiter Westphal gegenüber der OP. Dabei müssten die Software-Experten und die Lehrer genau hinschauen, was die Qualität angehe. „Nicht alle neuen Programme sind gut“, so der Fachmann. Neben Kirchhain unterhält der Kreis auch ein Medienzentrum in Biedenkopf.

Matthias Bosse, Leiter der AWS, ist in puncto digitaler Ausstattung sehr zufrieden mit dem Landkreis und dem Land. „Was jetzt gegeben wird, kommt bei denen an, die es wirklich brauchen.“ Ein iPad, wie es der Kreis beschafft hat, kostet in der Regel rund 350 bis 370 Euro, Geld, das eben nicht jede Familie einfach so bereitstellen kann.

Von Michael Rinde