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Ostkreis Kostenexplosion beim Freibad-Vorhaben
Landkreis Ostkreis Kostenexplosion beim Freibad-Vorhaben
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18:00 19.04.2021
Die vorgesehenen Kosten für die Sanierung des Kirchhainer Freibades steigen entgegen der ursprünglichen Planung um knapp ein Drittel. 
Die vorgesehenen Kosten für die Sanierung des Kirchhainer Freibades steigen entgegen der ursprünglichen Planung um knapp ein Drittel.  Quelle: Thorsten Richter
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Kirchhain

Eine schockierende Nachricht hat die Stadt Kirchhain von dem Planer erhalten, der sich der Sanierung des Freibades widmet: Die Kosten des Projektes steigen gegenüber den Prognosen – und zwar heftig von 6 auf 8,9 Millionen Euro. Damit ist die Idee vom Tisch, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen könnten. „Das haben wir so nicht erwartet“, kommentiert ein sichtlich ernüchterter Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) und kündigt an, das Thema und dessen Zukunft mit den Stadtverordneten besprechen zu wollen.

Im Jahr 2016 hatten diese den Beschluss gefasst, das Freibad sanieren zu lassen. Ziel war nicht etwa, ein Spaßbad einzurichten, erinnert Hausmann. Es gehe den Kirchhainern viel eher darum, das mehr als 60 Jahre alte Bad in seiner Grundausrichtung zu erhalten, aber eben zu modernisieren (beispielsweise durch ein Edelstahlbecken) und insbesondere die Technik zu erneuern. Die Kostenschätzung für die Sanierung von Becken und Gebäuden habe im Jahr 2017 bei sechs Millionen Euro gelegen, erinnert Hausmann. Basierend auf diesen Zahlen machte sich die Stadt ans Einwerben von Fördermitteln und bekam vom Land Hessen eine Million Euro aus dem Swim-Programm und vom Bund 2,2 Millionen Euro aus dem Programm zur Sanierung von Sportstätten zugesagt (sowie vom Landkreis 150 000 Euro).

Hausmann: Anforderungen sind deutlich gestiegen

Im vergangenen Jahr beauftragten die Kirchhainer dann einen Planer – der nun die deutlich höheren Kosten veranschlagte. Dafür gebe es zwei Gründe, berichtet Hausmann: Die Erneuerung der Technik falle mit 1,3 oder 1,4 Millionen Euro ungefähr doppelt so hoch aus, wie einst angedacht. Und eine Sanierung der Gebäude sei auch nicht möglich: Das separate Technikhäuschen sei beispielsweise viel zu klein, um alle notwendige Ausstattung unterzubringen. Von Planungsfehlern will der Bürgermeister nicht gesprochen wissen: „Wir hatten einst einen Schwimmbadplaner involviert. Aber die Anforderungen, beispielsweise bei Energieeinsparungen oder der Abwassertechnologie sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.“

„Unseren errechneten Eigenanteil haben wir nicht. Das Loch ist da, und wir können es nicht wegdiskutieren“, erklärt Hausmann. Und Hoffnung, aus den beiden Förderprogrammen mehr Geld zu bekommen, hat er auch nicht, denn die Stadt erhalte beide Male die höchstmöglichen Mittel. Entsprechend gelte es, neue Fördermöglichkeiten zu finden – stets unter der Voraussetzung, dass diese mit den anderen beiden Programmen kompatibel sind und sie einander nicht beschneiden. „Wir müssen die Finanzierung komplett neu aufstellen“, befürchtet der Rathauschef – und die Stadtverordneten müssten dann ebenso wie die Verwaltungsmitarbeiter überlegen, wie sie mit dem Problem umgehen.

„Wir müssen das Vorhaben neu denken“; lautet Hausmanns Credo. Fest stehe, dass die Stadt ihre anderen beiden, für dieses Jahr geplanten Großprojekte weder schieben könne noch wolle. Die Arbeiten am Kirchhainer Außenbahnsteig sollten im Oktober beginnen: „Wir haben 1,6 Millionen Euro an Mitteln fest zugesagt“, erklärt der Bürgermeister. Und auch bei der Kinderbetreuung gebe es akuten Bedarf: In diesem Zusammenhang ist nicht nur ein Neubau neben dem Hallenbad geplant, sondern auch vorgesehen, aufgrund dringenden Platzbedarfes in der Röthe eine Übergangslösung zu gestalten, durch die 25 Kita-Betreuungsplätze entstehen. Hinzu kommt, dass die energetische Sanierung von Nebendächern am Hallenbad geplant ist: Dafür muss die Stadt aber lediglich 50 000 Euro aufbringen, die übrigen 450 000 Euro gibt’s aus Fördermitteln. Entsprechend lautet seine Empfehlung, die Freibad-Sanierung zu vertagen und sowohl den vertraglichen Verpflichtungen beim Bahnprojekt nachzukommen sowie den Bedarfen in der Kinderbetreuung gerecht zu werden. „Das Freibad steht in der Prioritätenliste eben nur auf Platz drei“, resümiert Hausmann und betont, dass ihm diese Aussage als ehemaliger Schwimmer besonders schmerze: „Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“

Bürgermeister muss Nachtragshaushalt einbringen

Hausmann teilt mit, dass er einen Nachtragshaushalt einbringen müsse – auch wenn das Freibadprojekt aus dem Finanzwerk 2021 herausfliegt (darin sind 2,1 Millionen Euro an Ausgaben und 500 000 Euro an Einnahmen geplant, da die Stadt die Sanierung erst nach der Freibadsaison 2021 angehen wollte). Dafür gebe es mehrere Gründe: An der Mühlenwohra muss nun auch das Flussbett untersucht werden, nachdem während Arbeiten an den Rändern Weltkriegsmunition gefunden worden war (die OP berichtete). Hinzu komme die Zwischenlösung beim Ausbau der Kitaplätze in der Röthestraße. Außerdem wird den Stadtverordneten der Plan vorgelegt, die Nebendächer des Hallenbades energetisch zu sanieren. Eine halbe Million Euro würde dies kosten, allerdings hat die Stadt 450 000 Euro an Fördermitteln zugesagt. Während der konstituierenden Sitzung am Montag, 26. April, will der Bürgermeister den Mitgliedern der neu zusammengesetzten Stadtverordnetenversammlung erste Informationen über die erlittenen Rückschläge geben. Er plant, am 17. Mai dann den Nachtragshaushalt einzubringen.

Von Florian Lerchbacher