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Ostkreis Kompromiss bringt Sicherheit für Radler
Landkreis Ostkreis Kompromiss bringt Sicherheit für Radler
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19:58 12.08.2021
Bürgermeister Thomas Groll kniet am Wirtschaftsweg, der nun doch befestigt und Umleitungsstrecke für Radfahrer wird.
Bürgermeister Thomas Groll kniet am Wirtschaftsweg, der nun doch befestigt und Umleitungsstrecke für Radfahrer wird. Quelle: Michael Rinde
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Neustadt

Seit zwei Wochen ist der Deutschland-Radweg D4 aufgrund der Autobahn-49-Baustelle bereits gekappt. Der Fernradweg führt über Treysa, berührt Momberg bis Neustadt (die OP berichtete). Offizielle Umleitungsstrecke ist unter anderem die Kreisstraße 17 von Momberg bis Neustadt. Das hatte die Städte Schwalmstadt und Neustadt auf den Plan gerufen. Beide wollten diese Wegeführung auf keinen Fall akzeptieren. Sie ist stärker genutzt denn je, dort fahren derzeit auch die Baustellen-Lkw, die Erdaushub zum Baggersee Niederwald transportieren.

Endgültige Lösung wird später geprüft

Jetzt gibt es frohe Kunde für alle Radfahrer: Die verhärteten Fronten zwischen den beiden Städten auf der einen Seite und der Projektgesellschaft Deges auf der anderen sind aufgebrochen worden. Es gibt in etwa sechs Wochen eine andere Umleitungsroute durch die Gemarkung Frauenrodt von Wiera bis Neustadt auf einem vorhandenem Wirtschaftsweg. Deges ist als Projektgesellschaft für alle Bauvorbereitungen zuständig. Bisher hat Deges eine Asphaltierung der etwa 1,6 Kilometer langen Wegstrecke abgelehnt und auf vorhandene Umleitungen verwiesen. In einer großen Runde, zu der der heimische Bundestagsabgeordnete Sören Bartol eingeladen hatte und an der auch Landrätin Kirsten Fründt und Landrat Winfried Becker (Schwalm-Eder-Kreis) sowie Vertreter der Bundeswehr und die Bürgermeister Thomas Groll und Stefan Pinhard (Schwalmstadt) teilnahmen, wurde der entscheidende Kompromiss gefunden. Deges hat sich demnach bereiterklärt, den Wirtschaftsweg mit einer wassergebundenen Decke zu befestigen. Sprich: Der Weg wird nicht asphaltiert, aber so befestigt, dass er fahrradtauglich wird.

Ein Blick auf den aktuellen Zustand zeigt, dass das unbedingt nötig ist. Der Wirtschaftsweg ist derzeit mit tiefen Furchen von den landwirtschaftlichen Maschinen geprägt, Radfahrer könnten ihn wenn überhaupt nur mit großen Schwierigkeiten und unter Risiken nutzen. Das soll sich jetzt ändern, wie die Beteiligten des Kompromisses mitteilten.

Gegen das Zerschneiden der Radwegeverbindung hatte es Proteste aus der Bevölkerung bis hin zu einer Fahrraddemo gegeben, die auch durch Neustadt führte.

Bürgermeister Thomas Groll hatte angesichts der festgefahrenen Gespräche am Schluss deutliche Worte in Richtung Deges gewählt und schließlich sogar daran erinnert, dass Neustadt stets gegen alle Widerstände zum Bau der A 49 gestanden habe. Jetzt ist er mit dem erzielten Kompromiss bei allen Wermutstropfen aber zufrieden, wie er gegenüber der OP erklärt.

Wie sein Amtskollege Pinhard aus Schwalmstadt würdigt er den Beitrag von Sören Bartol. Er sagt aber auch: „Ich hätte mir dieses Ergebnis natürlich schon früher gewünscht, denn dann hätten wir einen nahtlosen Übergang gehabt.“ So mahnt Groll Autofahrer wie Radfahrer derzeit zu besonderer Vorsicht auf der Kreisstraße 17. Der Weg durch die Gemarkung Frauenrodt, der auch für Fernradfahrer entsprechend ausgeschildert werden müsste, werde dann Ende September die nötige Sicherheit bringen.

Beide Landräte haben zugesagt, dass sie gemeinsam mit beiden Städten später überlegen werden, ob die Umleitung durch Frauenrodt nicht auch endgültige Streckenführung für den Radweg D4 werden könnte. Dann müsste dieser Weg aber entsprechend befestigt werden, was sicherlich ein aufwendigeres Genehmigungsverfahren erfordern dürfte. Auch die Frage der Kostenübernahme dürfte zu klären sein. „Jetzt haben wir aber erst einmal zwei Jahre Zeit dafür, das in Ruhe anzugehen“, erklärt Thomas Groll.

Baustellenumleitungen aufgrund der A-49-Großbaustellen waren in den vergangenen Monaten mehrfach ein heftig diskutiertes Thema. Offen ist immer noch, wie mit der auf Eis liegenden möglichen Vollsperrung zwischen Stadtallendorf und Niederklein verfahren werden wird. Eine Entscheidung steht noch aus. Dort hatten unter anderem die Brandschutzbehörden und die Stadt Stadtallendorf interveniert, weil die Hilfsfristen für Feuerwehr und Rettungsdienst nicht gewahrt werden könnten (die OP berichtete).

Von Michael Rinde