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Ostkreis Ein geborener Anführer geht von Bord
Landkreis Ostkreis Ein geborener Anführer geht von Bord
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12:00 08.02.2021
Hans-Georg Lang freut sich, in Zukunft mehr Zeit fürs Reisen zu haben und seine Reiseführer-Sammlung noch erweitern zu müssen. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Mehr als drei Jahrzehnte setzte sich Hans-Georg Lang (CDU) als Kommunalpolitiker für seine Heimatstadt ein – die meiste Zeit in verschiedenen „Pole Positions“. Nur kurz war er ein „ganz normaler“ Stadtverordneter: Und zwar zwischen März 1989, als er das erste Mal in das Gremium gewählt wurde, und November 1990, als seine Mitstreiter ihn zum Vorsitzenden des CDU-Stadtverbandes wählten. Dieses Amt bekleidete er bis Juni 2002, als er zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt wurde – ein Posten, den er erst abgab, als ihn die Christdemokraten im November 2014 zum Vorsitzenden ihrer Fraktion ernannten.

Er fungierte als Leiter der Stiftsschule Amöneburg

Irgendwie stand er also immer an der Spitze oder ging voran – was natürlich auch an die letzten Jahre seiner Dienstzeit als Lehrer erinnert, in denen er als Leiter der Amöneburger Stiftsschule fungierte. „Das Vermittelnde und Beruhigende liegt mir, manch einer spricht sogar von einer moderierenden Art, die ich habe“, sagt er und erinnert sich nur zu gerne an ein Lob „für seine ausgleichende Art“, das er einst erhalten hatte. Und ja, wahrscheinlich habe auch seine Zeit als Lehrer maßgeblichen Anteil gehabt. „Wobei ich von Wechselseitigkeit sprechen würde: Meine Erfahrungen als Lehrer oder Schulleiter haben mir in der Politik weitergeholfen – aber das gilt auch umgekehrt.“

In seiner Familie sei niemand politisch aktiv gewesen

Lang wurde vor 67 Jahren in Speyer geboren, machte sein Abitur in Ludwigshafen, studierte in Karlsruhe und machte sein Referendariat in Mainz. Politisch aktiv sei in seiner Familie niemand gewesen. Wahrscheinlich hätten seine Eltern – die Mutter lebt noch – CDU gewählt. Sicher sei er nicht: „Aber ich lebte in einem katholischen Ort. Und da war es zumindest früher so, dass man CDU wählte“, erklärt er auf seine typische Art: sachlich und gleichzeitig voller trockenem Humor.

1984 kam er nach Schweinsberg, trat dem Verkehrs- und Verschönerungsverein bei, übernahm (natürlich) ein Vorstandsamt und zwei Jahre lang den Vorsitz – und entdeckte während der Zeit des Stadtteils in der Dorferneuerung seine Faszination für die Politik.

„Es erfasste mich. Ich entwickelte eine gewisse Begeisterung und beschloss, mich für die Belange der Bürger einsetzen zu wollen.“ Das machte er dann auch 32 Jahre lang auch – und zwar so voller Elan, dass er sich auch heute noch ärgert, wenn es mit dem Schweinsberger Neubaugebiet nicht so vorangeht, wie erwünscht, wenn ein Seitenstreifen für Fußgänger am Ortseingang nicht möglich oder eine Abbiegespur ins Neubaugebiet nicht umsetzbar ist: „Die Widerstände aus Ämtern können sehr frustrierend sein.“ Gleichzeitig ist er sich aber auch bewusst: „Dafür macht man ja Politik. Und manchmal muss man eben einen langen Atem haben.“

Und ab und zu eben auch ein gewisses Maß an Gelassenheit und Ruhe. Vor allem aber sei Politik ein Mannschaftssport, stellt Lang heraus: Andere Meinungen reflektieren, damit umgehen können: „Das ist die große Kunst.“ Und auch wenn das Gegenüber anderer Meinung sei, müsse man noch lange nicht zum Angriff übergehen. „Ich habe mich immer für sachorientierte Arbeit eingesetzt. Und als Vorsitzender der stärksten Fraktion hat man ja nun auch einen gewissen Einfluss auf die Stimmungslage in der parlamentarischen Arbeit.“

Er für seinen Teil arbeite gerne mit den anderen Fraktionsvorsitzenden Stadtallendorfs zusammen: „Sie sind keine Gegner“, sagt Lang und bezeichnet sie als „Kollegen im Fraktionsvorsitz“. Um konstruktiv zu arbeiten, sei es entsprechend sinnvoll, ihnen Anträge im Vorfeld von Sitzungen zuzuschicken – und dann gegebenenfalls sinnvolle Vorschläge einzuarbeiten und/oder Mitstreiter für die Sache zu finden. Aber eine Idee abzulehnen, bloß weil eine andere Fraktion den Antrag entwickelt habe, das komme für ihn nicht in Frage, betont der 67-Jährige.

Am liebsten sei ihm bei den Führungspositionen die Stellung als Stadtverordnetenvorsteher gewesen, sagt Lang. Und in genau diese Zeit fiel der 50. Hessentag im Jahr 2010, an den er sich besonders gerne erinnert. „Das war toll. Stadtallendorf und seine Bevölkerungen haben in dieser Zeit ihr Potenzial gezeigt. Die Stadt hat sich sehr gut präsentiert“, lobt er noch heute. Und auch „50 Jahre Stadtrechte“ sei herausragend gewesen: „Aber das war eben nur ein Vormittag, während der Hessentag sich über zehn Tage zog.“

Die 1990er Jahre: Tiefpunkt seiner politischen Zeit

Als Tiefpunkt seiner politischen Zeit bezeichnet „Schorsch“ Lang die 1990er Jahre: „Das war sehr konfrontativ. Es wurde über alles gestritten. Sogar über Protokolle.“ Damals habe er sich sogar gefragt, warum er für so etwas seine Zeit opfern und überhaupt weitermachen solle. Besonders schwer sei es gewesen, seinen Kindern (1984 und 1986 geboren) während dieser Zeit zu erklären, warum Papa nun schon wieder weg und Sitzungen besuchen muss, anstatt mit ihnen vergnügliche Stunden zu verbringen. Von den Streits in der Politik habe er ihnen daher nie erzählt, sondern sein Engagement eben durchgezogen – er hatte den Wählern ja schließlich das Versprechen gegeben, sich für sie einzusetzen.

Doch nun will er eben mehr Zeit für sich, seine Frau, die Kinder und insbesondere die beiden Enkelkinder haben – und außerdem fürs Lesen, das Reisen, das Wandern und seinen Garten. Und so soll eben Schluss sein mit dem Engagement für die Stadt und ihre Bürger. Zwar steht Hans-Georg Lang noch auf Platz 35 der Stadtallendorfer CDU-Liste – aber nur als Unterstützer. In die Stadtverordnetenversammlung gewählt werden, möchte er nicht mehr.

Von Florian Lerchbacher