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Ostkreis Historischer Dachstuhl bekommt Halt zurück
Landkreis Ostkreis Historischer Dachstuhl bekommt Halt zurück
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10:58 26.06.2021
Die Kirche in Kleinseelheim ist eingerüstet.
Die Kirche in Kleinseelheim ist eingerüstet. Quelle: Tobias Hirsch
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Kleinseelheim

Der Blick auf die Kleinseelheimer Kirche ist seit wenigen Wochen ganz besonders geworden. Gerüste umgeben die Kirche vollständig. Das hat gute Gründe. Nach einer jahrelangen Notsicherung steht jetzt das Geld bereit, um den Dachstuhl grundlegend und fachgerecht zu sanieren. Das gesamte Projekt kostet, so hat es der beauftragte Architekt laut Kirchengemeinde kalkuliert, etwa 960 .000 Euro.

Den Großteil hiervon finanziert die Landeskirche Kurhessen-Waldeck. Allerdings ist auch die Gemeinde selbst gefordert. Sie soll bis Ende August einen Betrag von 20.000 Euro aufbringen. Den Betrag, den die Gemeinde bis dahin zusammenbringt, verdoppelt der Kirchenerhaltungsfonds dann. Das geht für die Kirchengemeinde nur mit Hilfe von Spenden, für die der Kirchenvorstand in Kleinseelheim und bei allen Freunden dieses historischen Schmuckstückes wirbt.

Mitunter reine Detektivarbeit

Wie alt die Kirche selbst genau ist, lässt sich nicht exakt sagen. An der Kirche selbst ist die Jahreszahl 1665 zu lesen. Möglicherweise habe es in dem Jahr einen Umbau gegeben, mutmaßt Küsterin Marlene Weber im Gespräch mit der OP. Denn klar ist, dass beispielsweise der Kirchturm deutlich älter ist. Er stammt laut Kirchengemeinde aus dem Jahr 1355. Und der älteste Teil der Dachkonstruktion wiederum entstand 1424. In einem Infoblatt nennt der Gemeindevorstand die Kleinseelheimer Kirche angesichts dieser Historie zurecht „eine Perle“.

Die jetzigen Arbeiten dürften mindestens drei Monate dauern. Am Ende der Sanierung ist die Kirche dann einige Zeit nicht nutzbar, weil auch im Inneren ein Gerüst gestellt werden muss. Dann werden innen zwei Dachbalken ausgetauscht. Das geplante Dorffest, dessen Erlös für die Kirchenrenovierung gedacht war, musste aufgrund der Pandemie leider ausfallen.

Ein besonderes Angebot

Doch der Kirchenvorstand macht allen Kleinseelheimern jetzt ein besonderes Angebot: Wer sich für seine Vorfahren interessiert, kann dank der Arbeit einiger Gemeindemitglieder darüber mehr erfahren, ohne selbst forschen zu müssen. Marlene Weber und einige Mitstreiterinnen haben in den vergangenen Jahren die Kirchenbücher ausgewertet.

Sie liegen für die Jahre bis 1912 verfilmt vor und können ohne datenschutzrechtliche Probleme eingesehen und analysiert werden. Doch dazu ist teilweise detektivischer Spürsinn erforderlich, wenn die Vorfahren einer alten Kleinseelheimer Familie gesucht werden. Zunächst sind die Kirchenbücher durchweg in Sütterlin verfasst. „Und viele der Pfarrer, die Einträge gemacht haben, waren wortkarg“, sagt Weber.

Keine einfache Aufgabe

Mitunter müssen erst Tauf-, Trau- und Beerdigungsregister miteinander abgeglichen werden, um zu den Namen und Daten eines einzelnen Vorfahren zu gelangen. Keine ganz einfache Aufgabe. „Da ist viel, viel Aufwand nötig“, sagt Weber. Zumal mitunter auch Einträge aus dem benachbarten Schönbach oder Großseelheim in Kleinseelheimer Kirchenbüchern stehen. Der älteste Eintrag, der sich zurückverfolgen ließ, reicht bis ins Jahr 1598 zurück. Die ersten Kirchenbücher stammen aus dem Jahr 1675, durch Zurückrechnen und Nachforschen haben sich auch einzelne ältere Daten ermitteln lassen.

Wer nun von den Kleinseelheimer Familien wissen möchte, wie weit die Liste seiner Ahnen zurückreicht, der kann sich gerne an die Kirchengemeinde wenden. Dort gibt es dann eine Rückmeldung darüber, wie viele Daten rekonstruiert werden konnten. Mal sind es nur wenige Blätter, mal bekommen Interessierte bis zu 20 Blätter in die Hand.

Die Kirchensanierung

Natürlich freut sich der Vorstand, wenn es dafür eine Spende gibt, die dann wieder hilft, die Kirchensanierung voranzubringen. In einem Flyer ist auch schon gleich eine Hoffnung formuliert, was möglich wäre, wenn mehr Geld als erwartet zusammenkommt und am Ende verdoppelt wird: „Bestimmt kann dann auch unsere Kirchenuhr wieder in Betrieb genommen werden.“

Eine historische Besonderheit bleibt in jedem Fall auch erhalten. In Kleinseelheim werden die drei Kirchenglocken noch komplett mit der Hand geläutet. Das soll und wird auch so bleiben. Wenn der Dachstuhl fachgerecht saniert ist, wird dies auch wieder uneingeschränkt möglich sein.

Ahnentafel

Wer sich für seine Kleinseelheimer Vorfahren interessiert, muss zumindest die Namen seiner Großeltern kennen, um eine Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Für weitere Informationen rund um Ahnentafeln und Spenden für die Kirchensanierung stehen Bärbel Elmshäuser, unter 064 22 / 68 53, E-Mail belmshaeuser@web.de; Margret Boßhammer, unter 0 64 22 / 12 62, E-Mail bosshammer@gmx.net oder Marlene Weber, unter 0 64 22 / 8 09 77 ­22, Mail weber-marlene-35274@web.de zur Verfügung.

  • Weitere Informationen gibt es hier.

Von Michael Rinde

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