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Ostkreis Kita-Projekt wirft viele Fragen auf
Landkreis Ostkreis Kita-Projekt wirft viele Fragen auf
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10:59 23.08.2019
Auf diesem städtischen Grundstück neben dem Phoenix-Hallenbad möchte das DRK eine Kindertagesstätte für vier Gruppen und  87 Plätze bauen. Quelle: Matthias Mayer
Kirchhain

Entstehen soll das Gebäude auf einen 4.052 Quadratmeter großen Grundstück, das der Stadt gehört. Dies befindet sich neben dem Phoenix-Hallenbad und diente früher als Rollschuhbahn. Dieses Grundstück wolle das DRK zum Preis von 356.000 Euro kaufen und auf ihm ein eingeschossiges Holzgebäude errichten, sagte Christian Betz. Das Gebäude biete Platz für vier Gruppen mit zusammen 87 Kindern.

Mehr Details zu dem Gebäude gab‘s von Architekt Nicolai Zinkler. Die Räume für die vier Gruppen seien jeweils wie eine Wohnung angeordnet und nach Südwesten ausgerichtet.
Der etwas versetzte Nordtrakt nimmt die Funktionsräume auf. Der lange und schmale Flug weitet sich zur Gebäudemitte hin und könne somit beispielsweise für Spiele genutzt werden. Beheizt werde die Kita mit einer Holzpelletheizung.

Laut Christian Betz rechnet das DRK mit jährlichen Einnahmen in Höhe von 313.376 Euro. Den größten Batzen trügen die Eltern und das Land Hessen mit seiner Pauschale und der Beitragsbefreiung für täglich sechs Stunden in der Betreuung von Kindern über drei Jahren.

Bei den Ausgaben dominierten die Personalkosten in Höhe von 750.000 Euro. Die Stadt zahle für die Nutzung des Gebäudes jährlich 179.982 Euro. Nach 25 Jahren sei alles abbezahlt. Insgesamt laufe die vertragliche Bindung über 30 Jahre, sagte Christian Betz.

Die von Professor Erhard Mörschel (CDU) geleitete Sitzung hatte einen turbulenten Auftakt. Reiner Nau (Grüne) beklagte, dass die 200 Seiten umfassenden Unterlagen für den Komplex Kita den Ausschussmitgliedern erst wenige Tage vor der Sitzung zugestellt worden seien. Es sei nicht möglich, diese Dokumente in dieser Zeit mit der gebotenen Sorgfalt zu studieren.

Uwe Pöppler (CDU) schloss sich dem an und forderte, einige Punkte von der Tagesordnung zu setzen. Uli Balzer ­(Grüne) bemerkte, dass es ihm nicht möglich gewesen sei, die fraglichen Dokumente vom ­Tablet auszudrucken. Er stellte den Antrag, den so umfangreichen Komplex Kita mit drei eigenen Tagesordnungspunkten von der Tagesordnung zu nehmen.

Es geht um eine Förderung in Höhe von 360.000 Euro

Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) verwies auf den Besuch des DRK und auf den Zeitdruck. Diesen erläuterte Bauamtsleiter Volker Dornseif. Dem DRK drohe der Verlust von Fördergeldern in Höhe von 360.000 Euro. Bei einem Aufschub bis zur nächsten Sitzung würden die Fördergelder verfallen.

Björn Debus (SPD) fragte nach weniger terminkritischen Tagesordnungspunkten. Olaf Hausmann nannte die Punkte 4 bis 7, auf die sich Reiner Nau nicht einlassen wollte. Der Themenkomplex sei viel zu umfangreich. Björn Debus regte daraufhin an, eine Sondersitzung zu dem Thema einzuberufen.

Uli Balzer erklärte: „Ich fühle mich immer wieder erpresst, wenn es um solche Summen geht. Die Situation ist nicht haltbar. Schließlich geht es um eine Entscheidung von Bedeutung auf Jahre.“ Olaf Hausmann nannte die Äußerung als grenzwertig.

Christian Betz bekam zu dem Problem Rederecht. Der Druck sei vorhanden. Das Kita-Förderprogramm laufe aus: „Wir müssen zeitig den Antrag stellen.“

Daraufhin einigte man sich, an diesem Abend keine Beschlüsse zum Thema zu fassen und eine noch nicht terminierte Sondersitzung dafür anzusetzen. Die Gäste vom DRK bekamen die Gelegenheit zu einem Sachstandsbericht mit den dargestellten Fakten.

Und auch über diesen wurde diskutiert. Reiner Nau wollte wissen, was ein Familienzentrum ist und was dieses leisten soll? Der Bürgermeister antwortete, dass das Familienzentrum auf Wunsch der Stadt in die Kita integriert werde. Das Zentrum solle zusätzliche Angebote in der Kita machen und vor allem Eltern beraten. Der Beratungsbedarf steige stetig. Darauf müsse Kirchhain als Wohnstadt reagieren.

Droht den Kindern das „Verkehrsgewusel“?

„Was machen wir nach 25 Jahren? Werden dann städtische Einrichtungen geschlossen?“, fragte Uwe Pöppler. Eine Langzeitprognose dafür gab es nicht, dafür aber die Zusage vom DRK, in solchen Fällen die städtischen Erzieherinnen und Erzieher zu übernehmen.

Reiner Nau monierte, dass das Parlament im Zusammenhang mit dem DRK-Kitaprojekt gefragt worden sei. Das DRK wollte ursprünglich eine Kita mit Seniorenbetreuung auf dem Rasenplatz der TSV-Fußballer bauen. Daraus wurde nichts, weil die TSVer ihre Zusage, die Hälfte des Rasenplatzes abzugeben, wieder zurücknahmen.

Uwe Pöppler warf die städtebauliche Frage in die Diskussion. Er halte den gewählten Standort nicht für gut und begründete dies mit der unmittelbaren Nähe mit den Beruflichen Schulen, dem Hallenbad und der Alfred-Wegener-Schule. Die Kinder kämen morgens immer in das dort herrschende Verkehrsgewusel. „Und das Familienzentrum kann man auch mitten im Zentrum im Jukuz ansiedeln“, sagte Pöppler.

Olaf Hausmann bat die Ausschussmitglieder, ihre Fragen vor der außerordentlichen Sitzung vorzulegen, damit die Verwaltung sich auf die Details vorbereiten könne. Nach einer Stunde und 50 Minuten war das Thema abgearbeitet.

von Matthias Mayer