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Ostkreis Hausmann will „auf die ganze Stadt schauen“
Landkreis Ostkreis Hausmann will „auf die ganze Stadt schauen“
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20:00 07.03.2022
Stadtverordnetenvorsteherin Helga Sitt gratulierte dem Wahlgewinner Olaf Hausmann nach Bekanntgabe des Ergebnisses.
Stadtverordnetenvorsteherin Helga Sitt gratulierte dem Wahlgewinner Olaf Hausmann nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Quelle: Tobias Hirsch
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Kirchhain

Am 1. August beginnt für Olaf Hausmann (SPD) die zweite Amtszeit als Kirchhainer Bürgermeister. So haben es die Wähler am vergangenen Sonntag mit Mehrheit entschieden – auch wenn es am Ende eine Zitterpartie um die Frage einer Stichwahl gab (die OP berichtete). Hausmann erreichte 50,93 Prozent der Stimmen, Holger Lesch (CDU) holte 40,69 Prozent und Maximilian Schwetz (B90/Die Grünen) schaffte 8,38 Prozent.

Sorge bereitet das offenbar schwindende Interesse an Bürgermeister-Direktwahlen in der Ohmstadt: Die Wahlbeteiligung lag insgesamt bei 48,67 Prozent. Zum Vergleich: Vor sechs Jahren betrug die Wahlbeteiligung 57,8 Prozent, allerdings fand die Bürgermeisterwahl gemeinsam mit der Kommunalwahl statt. Im Jahr 2010 lag die Beteiligung bei 55,2 Prozent, im Jahr 2004 sogar noch bei 62,5 Prozent. Aktuell ist also ein neuerlicher Tiefpunkt erreicht.

Für Hausmann selbst war gestern natürlich auch Gelegenheit für eine eigene Wahlanalyse. Am Sonntagabend hatte er den Ausgang des Urnenganges zu seinen Gunsten aber zunächst mit der Familie und Freunden zusammen gefeiert. Die vorangegangenen drei Monate seien anstrengend gewesen, er sei auch deshalb froh, dass es nicht zu einer Stichwahl komme, sagte er am „Tag danach“ gegenüber der OP.

Nicht von Einzelinteressen abhängig

Hausmann will sich und seiner bisherigen Linie beim Führen des Bürgermeisteramtes in Kirchhain treu bleiben. Er mache seine Politik auch künftig nicht von einem Wahlergebnis abhängig. „Meine Aufgabe ist es, auf die ganze Stadt zu schauen. Ich werde meine Entscheidungen dabei nicht von Einzelinteressen abhängig machen“, sagt er deutlich. Ebenso klar sagt Hausmann aber auch, dass er Anregungen, Kritik und Hinweise weiter ernstgenommen werden sollen. Etwa auch bei Projekten, bei denen es Bürgerbeteiligung gebe. „Mein Anspruch bleibt das Wohl der ganzen Stadt“, betont er.

Wie bewertet Hausmann sein Abschneiden in den unterschiedlichen Wahllokalen und Stadtteilen? „Die Wahlbeteiligung war in traditionellen SPD-Dörfern schwach“, lautet eine seiner zentralen Feststellungen. Das habe in jedem Fall einen Ergebniseffekt gehabt. Mit Blick auf Einzelergebnisse merkt Hausmann positiv sein Abschneiden in Niederwald, Sindersfeld und Langenstein an. In Langenstein gab es einige Unruhe nach den Überlegungen über den Bau einer „Nord-Umgehung“. „Dort haben die Leute aber trotzdem anerkannt, dass wir dort etwas getan haben, etwa beim Dorfgemeinschaftshaus oder am Spielplatz“, sagt der neue und alte Amtsinhaber.

Generell stellt Hausmann eine stärkere Polarisierung bei der Stimmverteilung fest. „Wir haben eher wieder die traditionellen Kirchhainer Wahlmuster“, sagt er angesichts des Erfolges von Holger Lesch in Emsdorf beispielsweise, wo der CDU-Kandidat 80 Prozent der Stimmen auf sich vereinte.

Auch die Diskussion um die Überlegung, den Marktplatz autofrei zu gestalten habe beim Wahlergebnis eine Rolle gespielt, so Hausmann. Die Überlegung sei sehr stark auf ihn projiziert worden. Andere Punkte aus den Überlegungen zur Innenstadt-Zukunft hätten dagegen überhaupt keine Rolle gespielt.

Bleibt Kleinseelheim, wo Hausmann deutlich abgestürzt ist, im Vergleich zur Wahl 2016. Er sieht dafür mehrere Gründe, nicht nur die Diskussion um eine Kuhstallerweiterung, auch die damaligen Probleme beim Bau des Nahwärmenetzes etwa und sieht vor allem eine „emotionale Wählerentscheidung“.

Hochburgen und Wahlbeteiligung

Wo schnitt welcher der drei Kandidaten besonders gut ab bei der Bürgermeisterwahl?

Olaf Hausmann: Sein prozentual bestes Ergebnis erzielte der Sozialdemokrat in Niederwald mit 74,74 Prozent der Stimmen, sein schlechtestes in Kleinseelheim mit 28,66 Prozent.

Holger Lesch: Emsdorf bleibt für die Christdemokraten eine sichere Größe bei jeder Wahl. Lesch erreichte dort 80,3 Prozent der Stimmen. Am schlechtesten schnitt er prozentual gesehen in Schönbach mit 21,05 Prozent ab.

Maximilian Schwetz: In Kleinseelheim erreichte der Grünen-Kandidat mit 20,06 Prozent sein bestes Ergebnis, in Niederwald kam er grad mal auf 2,06 Prozent (vier Wähler) der Stimmen.

Am höchsten war die Wahlbeteiligung mit 55,7 Prozent in Himmelsberg (83 abgegebene Stimmen) rein prozentual gesehen. In der Kernstadt gab es im Wahlbezirk „Grundschule“ die prozentual höchste Wahlbeteiligung mit 30,66 Prozent (333 abgegebene Stimmen). Im Stadtteil Betziesdorf gingen 25,33 Prozent der Wähler am Sonntag an die Urne, das sind 157 abgegebene Stimmen.

Von Michael Rinde