Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Nein zur Sperrung, aber offen für Impulse
Landkreis Ostkreis Nein zur Sperrung, aber offen für Impulse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 24.02.2022
Der Kirchhainer Marktplatz: Wird er nach 2006 erneut umgestaltet und autofrei?
Der Kirchhainer Marktplatz: Wird er nach 2006 erneut umgestaltet und autofrei? Quelle: Michael Rinde
Anzeige
Kirchhain

Die Diskussion über eine Sperrung des Kirchhainer Marktplatzes, verbunden mit einem Wegfall aller 22 Parkplätze und einer Neugestaltung, bleibt lebendig. Auch der Kirchhainer Verkehrsverein, eine starke Stimme von Einzelhändlern und Dienstleistern in der Ohmstadt, hat sich klar positioniert und dies auch dem Magistrat, allen Fraktionsvorsitzenden im Stadtparlament und Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) mitgeteilt.

Der Vorstand des Verkehrsvereins stimme einer Sperrung des Marktplatzes und der angedachten Neuordnung so nicht zu, erklärt Vorsitzende Hannelore Wachtel. „Wir wollen bei den weiteren Beratungen über dieses Thema eingebunden werden“, so Wachtel. Wobei der Verkehrsvereins-Vorstand seine Mitwirkung natürlich nicht nur auf den Teilbereich „Marktplatz“ beschränkt wissen will. Das künftige Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek) ist viel breiter ausgerichtet. Es umfasst die Neugestaltung der Fußgängerzone ebenso wie das direkte Bahnhofsumfeld oder die ehemalige Deutschordensmühle beispielsweise.

Kirchhains Verkehrsverein hat aktuell 60 Mitglieder, zu 90 Prozent sind das Einzelhändler und Dienstleister aus der Innenstadt, also allesamt mehr oder weniger stark berührt von den Überlegungen für einen autofreien Marktplatz. Bisher ist das alles nur die Vision des Planungsbüros, das das Stadtentwicklungskonzept erstellt. Doch seit die Überlegungen in einem Bürgerforum vor einigen Wochen öffentlich diskutiert (und kritisiert) wurden, ist das Thema akut in Kirchhain. Einzelne Händler hatten spontan eine Unterschriftensammlung gegen die Pläne initiiert und innerhalb weniger Tage mehr als 800 Unterschriften zusammenbekommen (die OP berichtete ausführlich).

Sprachrohr für Kunden

Der Verkehrsvereins-Vorstand sieht sich als Sprachrohr für Kunden, Besucher und Anlieger im Zusammenhang mit der Marktplatz-Diskussion. Solche Einschränkungen, wie sie jetzt zur Debatte stünden, dürfe es nicht geben, so Vorstandsmitglied Martin Römer. Er verweist darauf, dass eine Sperrung des Marktplatzes zugleich den kompletten Verkehrsfluss in der Innenstadt stören werde – mal ganz abgesehen vom Problem der wegfallenden Parkflächen.

Römer erinnert an die Verkehrsversuche rund um die Brießelstraße vor fünf Jahren und den Erkenntnissen daraus. Stefanie Kleinheins vom Vorstand erinnert sich sehr gut an die Phase, als es zu einer Durchfahrtsperrung am Marktplatz kam. Die Folge seien erhebliche Umsatzverluste gewesen. Einige wenige Anwohner hätten das seinerzeit toll gefunden, die Kunden aber nicht.

Gleichwohl betonen die Vorstandsmitglieder, dass sie nicht nur kritisieren, sondern sich künftig auch bei den anstehenden Debatten rund um Fußgängerzone und Marktplatz und Innenstadt-Entwicklung einbringen wollen. „Denn nach 40 Jahren sind neue Impulse durchaus nötig“, sagt Hannelore Wachtel. Beispielsweise fände der Verkehrsvereins-Vorstand eine Begrünung des Marktplatzes durchaus gut und sinnvoll und diskussionsfähig.

Aber: „Wir müssen wirklich alles vermeiden, was Kaufkraftverlust hervorruft“, kommt als klare Aussage von Martin Römer in Richtung von Planern und Politik. Für den Verkehrsvereins-Vorstand ist klar, dass eine Sperrung des Marktplatzes zwangsläufig genau dazu führen wird. Denn: Die Kunden suchten sich dann andere Einkaufsmöglichkeiten, nur eben nicht mehr im Herzen Kirchhains, so der Tenor aus dem Verkehrsvereins-Vorstand.

Römer wie auch Harald Pausch treten auch dem Argument entgegen, dass sich Einzelhändler seinerzeit auch gegen die Einrichtung der Fußgängerzone gewehrt hätten, die sich dann so gut entwickelt hätte. „Damals war das die Angst vor etwas Neuem, heute geht es um Existenzen“, zieht Römer im Gespräch mit der OP einen Vergleich.

Entschieden ist nichts, das künftige Entwicklungskonzept ist noch in der Erstellung. Es wird am Ende auch vom Stadtparlament beschlossen. Das soll im Sommer passieren.

Entwicklungskonzept

Das künftige „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ (Isek) ist breit angelegt. Es umfasst verschiedene städtebauliche Elemente, etwa eine Entwicklungsachse vom Bahnhof bis über den Marktplatz hinaus. Im Vorfeld gab es zwei Onlinebefragungen durch das beauftragte Büro und Bürgerforen.

Das „Isek“ ist die Grundlage für Förderungen von bis zu zwei Drittel der Umbaukosten. Über einzelne Projekte müsste unabhängig vom Konzept auch das Stadtparlament mitentscheiden.

Von Michael Rinde

24.02.2022
23.02.2022