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Ostkreis Kirchhains Grundwasserspiegel sinkt
Landkreis Ostkreis Kirchhains Grundwasserspiegel sinkt
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17:50 25.06.2020
Wasserwerk Wohratal bei Kirchhain. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) hat im Juni bereits dazu aufgerufen, angesichts bleibender Trockenheit sparsam mit dem kostbaren Lebensmittel Trinkwasser umzugehen. Dass es um die Grundwasserstände rund um Kirchhain derzeit nicht gut bestellt ist, offenbaren Antworten auf eine Anfrage von Reiner Nau (B90/Die Grünen) an die Stadt. Die holte sich zwangsläufig die nötigen Zahlen beim ZMW. Das Ergebnis: In allen Grundwasserschichten sinken die Pegel deutlich ab. Gemessen wird dabei auf Tiefen zwischen 13,5 Metern, 33,5 Metern und 101 Metern. Besonders deutlich ist das Absinken offenbar auf der Ebene 13,5 Metern in den vergangenen Jahren ausgefallen.

Gleichzeitig hatte Nau auch nachgefragt, wie sich die Fördermengen des Wasserwerkes Wohratal am Ortsrand von Kirchhain entwickelt haben. Und auch dort gibt es eine eindeutige Entwicklung: Im vergangenen Jahr hat das Wasserwerk die maximal zulässige Höchst-Fördermenge von 9,5 Millionen Kubikmetern pro Jahr beinahe erreicht. Exakt waren es 9,488 Millionen Kubikmeter. Auch der ZMW bestätigt, dass die Fördergrenze „beinahe zu 100 Prozent“ erreicht wurde.

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Nau sieht die Gründe für die Gesamtentwicklung dabei nicht nur in der Rekord-Trockenheit der Jahre 2018 und 2019, sondern vermutet, dass sich diese Situation auch durch die Wasserlieferungen des Zweckverbandes an das Versorgungsunternehmen OVAG und damit in das Rhein-Main-Gebiet ergeben hat. So ganz genau könne man dabei nicht sagen, was welchen Anteil an der Entwicklung habe, sagte Nau bei der Aussprache im Umweltausschuss. Zumal der ZMW keine Angaben dazu macht, wie viel Wasser aus den Brunnen bei Kirchhain und aus dem Wasserwerk genau an die OVAG geliefert werden. Das sei aufgrund des Verbundnetzes des Verbandes so nicht möglich, erläutert der ZMW auf Nachfrage der OP. Dieselbe Auskunft gab es auch in den Antworten auf die Anfrage an den Kirchhainer Magistrat.

Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) und andere Kirchhainer Stadtverordnete wie Dr. Christian Lohbeck (FDP) zeigten sich ebenfalls alarmiert von der Entwicklung. Kirchhain habe eine Verantwortung gegenüber der Region und werde genau hinschauen, so Hausmann. Lohbeck bedauerte es an dieser Stelle sehr, dass die Stadt keinerlei direkten rechtlichen Einfluss auf die Entwicklung nehmen könne. „Wir sind am Limit, bei uns sind die Fördermengen ausgeschöpft“, machte Nau in der Aussprache noch einmal klar und forderte ein intensives Controlling. Bis zu 3,8 Millionen Kubikmeter darf der ZMW jährlich an die OVAG aus seinem Gesamtnetz heraus liefern.

Der Zweckverband antwortete ausführlich auf verschiedene Nachfragen der OP zum Gesamtkomplex. Dass im vergangenen Jahr Förderhöchstgrenzen erreicht wurden, führt der ZMW „im wesentlichen“ auf die massive Trockenheit und auf hohe Temperaturen zurück. Im Jahr 2018, auch ein Jahr mit einem extremen Sommer, hatte der Verband im Wasserwerk Wohratal 9,28 Millionen Kubikmeter gefördert, weniger als ein Jahr später.

Die sinkenden Grundwasserstände sieht der ZMW als ein überörtliches Problem, nicht als ein Kirchhainer Spezifikum. Wobei der Verband darauf hinweist, dass die Grundwasserneubildung vor allem in den Monaten November bis April stattfinde und nur zu einem geringen Teil im Sommer. Grundwasserstände spiegelten die langfristigen Entwicklungen klimatischer Bedingungen wider, so die Position des ZMW. Der weist auch darauf hin, dass die OVAG nur bei „stabilen Zuständen“ bei der Wassergewinnung beliefert werden könne.

Reiner Nau hatte in der Umweltausschuss-Sitzung auch einen besonderen Brunnen angesprochen, den Brunnen 6 bei Himmelsberg. Der muss bei sinkenden Grundwasserständen vom Netz genommen werden, so eine Bestimmung, die vom Regierungspräsidium im Zusammenhang mit den Fördergenehmigungen gemacht wurde. Nau fürchtet, dass der Zustand eintreten könnte, dass der Brunnen außer Betrieb gesetzt werden muss. Das sieht der ZMW derzeit nicht so: „Eine absehbare Komplettabschaltung des Brunnen W06 ist nicht gegeben.“ Zeitweise Abschaltungen je nach Grundwasserspiegel an verschiedenen Messstellen seien ein normaler betrieblicher Vorgang.

Nau hat schon angekündigt, dass er am Thema dran bleiben wolle und bei Bedarf auch weitere Anfragen stellen wird. Auch der Kirchhainer Magistrat will die Entwicklung aufmerksam verfolgen.

Von Michael Rinde