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Ostkreis Gib dem Teufel keine Chance
Landkreis Ostkreis Gib dem Teufel keine Chance
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14:57 17.04.2020
Barbara Fink aus Kirchhain hat bisher weit über 400 Schutzmasken genäht und verschenkt. Quelle: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Stunde um Stunde sitzt Barbara Fink dieser Tage in ihrem Nähzimmer und stellt Schutzmasken her. Oft mit dabei: Ein Teufelchen und ein Engelchen, die auf ihren Schultern sitzen und über das Thema Geld diskutieren.

Der Teufel fordert die Kirchhainerin auf, für ihre liebevoll gestalteten Masken Geld zu nehmen – und argumentiert dabei, dass sie all ihren Stoff zerschneidet, viel, viel Zeit (unter anderem zwei Wochen Urlaub) investiert und auch andere Näherinnen sich ihre Werke bezahlen lassen (teilweise zu überhöhten Preisen).

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Doch der „Höllenfürst“ ist mit seiner Argumentation chancenlos, immer wieder setzt sich der Engel auf der anderen Schulter durch. „Es mir einfach ein Bedürfnis, Masken für meine Mitmenschen zu nähen und zu helfen – ich kann nicht einmal sagen, wo das herkommt. Aber es macht Spaß, und ich tue etwas Sinnvolles. Und ich will nicht aus Corona beziehungsweise der Not anderer Menschen Profit schlagen“, sagt die 57-Jährige, die einst als Maßschneiderin gearbeitet hatte, inzwischen aber Hausfrau ist.

„Ich kann nicht heilen – aber ich kann nähen“

Tütenweise verschenkt sie die bunten Masken, unter anderem an Arztpraxen, Altenheime, Supermärkte und Einrichtungen für Kinder, aber natürlich auch an Familienmitglieder. „Ich habe irgendwann mitbekommen, dass es Probleme gibt, an Mundschutze zu kommen. Und da dachte ich mir: Warum nähe ich sie nicht einfach selber und helfe allen, die Masken brauchen?“

Gesagt, getan. „Ich kann nicht heilen, wie ein Arzt. Ich kann nicht an der Kasse arbeiten – aber ich kann nähen“, ergänzt sie. Inzwischen hat Barbara Fink weit mehr als 400 Masken genäht – sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

Letztere haben es dabei besonders gut, denn die Kirchhainerin weiß, woran Jungen und Mädchen Spaß haben, und hat einen großen Fundus an Stoffen mit Motiven für Kinder.

Bunte Figuren bringen ein Stück Normalität

Und so können die Kleinsten kindgerechte Masken tragen, auf denen beispielsweise Disney-Figuren, die Protagonisten aus „Paw Patrol“, Einhörner und viele andere Helden der Kleinsten abgebildet sind. Will heißen: Die Masken sind Schutz und Unterhaltung in einem – die Überwindung, sie zu tragen, nimmt so ab.

Außerdem wird es weniger verwunderlich, wenn nicht gar weniger beängstigend, wenn der Mundschutz in den Alltag der Kinder eingebaut und somit eher Normalität als Besonderheit wird. Noah (5) aus dem Familienkreis habe beispielsweise riesen Spaß mit seiner Maske, die Figuren der „Paw Patrol“ zeigt, freut sich Fink – die übrigens auch jede Menge Steckenpferde für ihre Familienmitglieder genäht hat, aber auch Taschen, Beutel und vieles mehr.

„Nähen, bis ich kein Material mehr habe“

Immerhin ist sie inzwischen dazu übergegangen, die Menschen, die sie mit Masken beschenkt, um eine Gegenleistung zu bitten und sich Gummibänder beziehungsweise Elastikband mitbringen zu lassen. Für diese Produkte seien die Preise in den vergangenen Wochen stark gestiegen, ärgert sie sich und moniert, dass sie außerdem schwer zu bekommen seien. Und jeder Meter, den sie in ihrem Briefkasten oder auf den Stufen vor ihrem Haus findet, ist für sie ein wahrer Grund zur Freude.

„Ich werde nähen, bis ich kein Material mehr habe“, verspricht Barbara Fink – wobei die Menge des Stoffs, den sie in ihrem Nähzimmer lagert, kein Ende in Sicht kommen lässt: „Ich kann an schönem Stoff nicht vorbei gehen und kaufe oft welchen, weil er mir einfach gefällt.“

All dieses Engagement wäre aber nicht möglich ohne die Unterstützung ihres Mannes Michael, hebt sie hervor. Mit ihm hat sie zwei Kinder. Da diese inzwischen erwachsen sind, nennt die Kirchhainerin ihren japanischen Garten als größtes Hobby. Natürlich mit großem Abstand hinter dem Nähen – wobei das schon eher eine Passion, wenn nicht gar eine Lebensaufgabe ist.

Von Florian Lerchbacher