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Ostkreis Kirchhainer sorgen sich ums Grundwasser
Landkreis Ostkreis Kirchhainer sorgen sich ums Grundwasser
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13:00 04.07.2021
Das Thema Trinkwasser sorgt in Kirchhain für Diskussionen.
Das Thema Trinkwasser sorgt in Kirchhain für Diskussionen. Quelle: Thorsten Richter
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Kirchhain

Eine dezentrale und nachhaltige Trinkwasserversorgung – das versprachen die Stadt- und Gemeindeoberhäupter von Marburg, Kirchhain, Amöneburg und Ebsdorfergrund Ende Mai. Gemeinsam wollen die vier Kommunen nach neuen Trinkwasserquellen suchen – zunächst mit Probebohrungen bei Schröck und Heskem (die OP berichtete).

Doch das Projekt, das Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) und seine Kollegen der Öffentlichkeit vorstellten, stößt in Kirchhain auf große Skepsis.

Das wurde am Montagabend in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Mobilität und Infrastruktur deutlich. Hausmann gab dort einen Sachstandsbericht über die Probebohrungen im Amöneburger Becken. Kritisch sehen die Abgeordneten die Wasser-Suche vor allem deshalb, weil der heimische Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) gemeinsam mit den Oberhessischen Versorgungsbetrieben (OVAG) Trinkwasser aus Mittelhessen ins Rhein-Main-Gebiet liefert. „Der ZMW pumpt nach Frankfurt und wir erschließen neu, so dass das Grundwasser absinkt?“, fragte Professor Erhard Mörschel (CDU).

Bürgermeister: Wir haben den Fuß in der Tür

„Wenn wir aus unserem Raum weiterhin Wasser liefern, ist das alles andere als eine regionale Wasserversorgung“, sagte Reiner Nau (Grüne). „Eine neue Trinkwasserversorgung zu erschließen, macht für Kirchhain keinen Sinn. Wir sind durch den ZMW völlig versorgt.“ Für die Stadt Kirchhain sei es nur sinnvoll, den Prozess zu begleiten mit dem Ziel, dass dort kein Wasser gefördert wird. „Es ist wichtig, dass wir an der Stelle den Fuß in der Tür haben und nicht Zuschauer sind, wenn Marburg und Ebsdorfergrund über Wasser reden“, betonte daraufhin auch Bürgermeister Hausmann.

„Wasser ist Allgemeingut – wir sitzen zwar in Kirchhain auf Wasser, aber es gehört nicht uns.“ Würden alle Kommunen vom ZMW die maximale vereinbarte Wassermenge bekommen, reiche die bisherige Trinkwasserförderung nicht aus – zumal es beispielsweise am Marburger Pharma-Standort in Zukunft einen zusätzlichen Bedarf gebe. Ein Argument, dem Nau widersprach.

Olaf Hausmann stellte klar, Prämisse der Trinkwasser-Suche sei die Nachhaltigkeit. „Wenn dadurch das Grundwasser absinkt, wird das Regierungspräsidium es nicht genehmigen“, fügte der Bürgermeister hinzu.

Von Stefan Dietrich