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Ostkreis Frisch saniertes Hallenbad ist schon wieder geschlossen
Landkreis Ostkreis Frisch saniertes Hallenbad ist schon wieder geschlossen
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10:00 13.11.2020
Peter Bittner, Geschäftsführer der Bäder-Betriebsgesellschaft, im August im gerade neu sanierten Kirchhainer Schwimmbad. Mitte August wurde das Hallenbad wieder eröffnet, nun ist es wegen des zweiten Corona-Lockdowns schon wieder geschlossen. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Wenige Wochen nach der Wiedereröffnung des Phönix-Hallenbades in Kirchhain war schon wieder Schluss: Erst Mitte August hatte das Hallenbad nach der Erneuerung der Bodenfliesen den Schwimmbetrieb wieder aufgenommen, nun ist es wegen der Corona-bedingten Einschränkungen im November schon wieder geschlossen. Eine schlechte Nachricht nicht nur für Schwimmbegeisterte, sondern auch für die Bäder-Betriebsgesellschaft. „Uns geht es natürlich nicht gut“, sagte Geschäftsführer Peter Bittner auf Anfrage der OP. 25 000 bis 30 000 Euro Umsatz mache das Schwimmbad normalerweise im Monat – die fallen jetzt weitgehend weg. Eintrittsgelder gibt es ohne Badegäste logischerweise nicht. Auch Schulklassen haben nun keinen Schwimmunterricht mehr im Hallenbad. Immerhin die Zuschüsse der Stadt bleiben der Gesellschaft noch erhalten, aber sie reichen nicht, um die laufenden Kosten zu decken.

„Unsere fünf festangestellten Mitarbeiter sind in Kurzarbeit“, beschreibt Bittner die Situation. Für sie gebe es momentan praktisch gar nichts zu tun. Denn Arbeiten, die auch ohne Schwimmbetrieb möglich sind, seien schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr erledigt worden. Die Arbeitsagentur in Kassel habe trotz der offiziell angeordneten Schwimmbäder-Schließung nach einer Begründung gefragt, warum das Hallenbad schließe, ärgert sich Bittner. Für die 450-Euro-Kräfte, die im Hallenbad sauber machen, gebe es noch nicht einmal Kurzarbeitergeld.

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Schulklassen dürfen nicht ins Hallenbad

Kein Verständnis hat Bittner insbesondere dafür, dass auch keine Schulklassen ins Hallenbad dürfen. Denn seiner Ansicht nach ist genug Platz und genug Luft im Schwimmbad, um auch in Corona-Zeiten einen sicheren Schwimmunterricht zu gewährleisten. Das Hallenbad habe 843 Quadratmeter Grundfläche und sei 4,10 Meter hoch. Somit habe es eine Luftmenge von etwa 3500 Kubikmetern, rechnet Bittner vor. Und diese Luft werde durch die Lüftungsanlage drei- bis viermal pro Stunde ausgetauscht. Das Wasser werde ohnehin gechlort, dort könnten sich also Corona-Viren nicht verbreiten. Und die Ein- und Ausgänge seien getrennt, sodass auch dort der Abstand eingehalten werden könnte.

Auf die Schließung des Hallenbades für Schulklassen sei er auch schon von Lehrern angesprochen worden, die darüber sehr unglücklich seien, berichtet Bittner. Statt mit der Klasse zum Schwimmunterricht zu gehen, müssten sie im Winter als Ersatz-Bewegungsangebot „morgens ab acht Uhr zwei Stunden im Dreck herumlaufen“, so die Befürchtung. Laut einer Verfügung des Staatlichen Schulamts dürfen der Sportunterricht und Bewegungsangebote nur im Freien und mit mindestens 1,5 Metern Abstand abgehalten werden, wie der Landkreis gestern mitteilte. Für die Bäder-Betriebsgesellschaft wären die Schulklassen allerdings sehr wichtig, sagt Bittner: „Wenn die kommen würden, hätten wir kein Problem.“

Hoffnung auf Corona-Hilfe vom Bund

Bittner hofft nun auf die vom Bund versprochene Corona-Hilfe. Bund und Länder hatten sich darauf verständigt, Unternehmen im Freizeit- und Kulturbereich sowie im Gastgewerbe für die Umsatzverluste zu entschädigen, die durch die Corona-bedingte Schließung im November entstehen. Firmen mit maximal 50 Mitarbeitern sollen bis zu 75 Prozent des Umsatzes erstattet bekommen, den sie im November 2019 erwirtschaftet haben. Einen entsprechenden Antrag habe der Steuerberater der Bäder-Betriebsgesellschaft gestellt, sagte Bittner.

Auch die Stadt Kirchhain hofft, dass der Bund wie versprochen hilft, sagte Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD): „Wenn das so ist, dann glaube ich, dass die Betreibergesellschaft das stemmen wird.“ Die Stadt könne derzeit relativ wenig machen, man müsse damit leben, dass die Entscheidung zur Schließung der Schwimmbäder getroffen worden sei. Wenn aber Gesprächsbedarf seitens der Betreibergesellschaft bestehe, stehe die Stadt „Gewehr bei Fuß“, betonte Hausmann und verwies darauf, dass die Stadt das Hallenbad bereits im Frühjahr unterstützt habe, um die Folgen der Corona-bedingten Schließungen abzumildern. Als das Bad saniert wurde, hatte die Stadt unter anderem Gelder aus der Ehrenamtspauschale zur Verfügung gestellt. Die Stadt werde ihre Zuschüsse für das Hallenbad weiter zahlen, bestätigte Hausmann. Die Bürgermeister hätten sich zudem an den Landkreis gewandt mit der Frage, ob der Kreis die Zuschüsse für den Schwimmunterricht weiter zahlt, obwohl derzeit keine Schüler in die Hallenbäder dürfen.

von Stefan Dietrich

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