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Ostkreis Schuhmode Glaeser besteht seit 140 Jahren
Landkreis Ostkreis Schuhmode Glaeser besteht seit 140 Jahren
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00:18 13.05.2019
Inhaberin Cristina Glaeser (links) und Seniorchefin Annemarie Glaeser führen das Familiengeschäft in vierter beziehungsweise fünfter Generation.  Quelle: Ina Tannert
Kirchhain

Bunte Ballons, Snacks und ein Sekt-Gruß ­begleiten derzeit Kunden bei Schuhmode Glaeser in der Kirchhainer Innenstadt. Das ganze Jahr über will die Unternehmerfamilie ihr großes Jubiläum feiern. „140 Jahre ist schon etwas Besonderes, wir konnten eine Tradition erhalten und trotzdem weiterentwickeln“, freut sich Seniorchefin Annemarie Glaeser.

Und eben diese Waage zwischen alt und neu sei immer ausschlaggebend für den Unternehmenserfolg gewesen. Das Geschäft sei wohl eines der ältesten, wenn nicht gar das älteste Einzelhandelsunternehmen in Kirchhain, schätzt die Seniorchefin. Sie ist selber seit 50 Jahren im Betrieb, gab die „Schuhe & Mode Glaeser KG“ vor zehn Jahren an Tochter Cristina Glaeser weiter und damit an die fünfte Generation.

Gründer des Unternehmens war 1879 Georg Heinrich Glaeser, der Ur-Ur-Opa der heutigen Chefin. Der Schuhmacher verkaufte damals noch in der Schulstraße handgefertigte Schuhe, teilweise aus dem Wohnzimmer heraus, erzählen die Nachfahren. 1905 errichteten die Söhne des Gründers das Gebäude in der Bahnhofstraße, in dem das Geschäft bis heute seinen Hauptsitz hat.

Zu jener Zeit wurden vor allem Arbeits-, Kinder- und Trachtenschuhe verkauft. Damals, vor der Zeit der Konfektionsgrößen, als alles mit nur einer Leiste gefertigt wurde: „Es gab noch keinen linken oder rechten Schuh, dafür wurden die noch alle maßgefertigt“, erzählt Annemarie Glaeser.

Aus der Zeit hat sie noch einen vom Ur-Opa handgemachten Stiefel aus den 1880er-Jahren aufbewahrt, den die Familie bis heute pflegt und hegt.

Die sei eben stolz auf eine lange Tradition, darauf ausruhen könne man sich aber nicht: Das Unternehmen wurde über die Jahre von Söhnen und Onkeln weitergeführt, dann nahmen Annemarie und Joachim Glaeser das Heft in die Hand und eröffneten 1979 – 100 Jahre nach der Gründung – ein zweites Schuhgeschäft in Kirchhain. Mehr als 35 Jahre lang war Glaeser zudem in der Marburger Oberstadt vertreten.

Im September 2017 trennte sich die ­Familie vom zweiten Standbein, das wirtschaftlich nicht zu halten war. Ein Grund: Die sinkende Kaufkraft. Die Geschäfte liefen in Kirchhain besser, Glaesers konzentrierten sich wieder auf ihre Stamm-Gemeinde. Mittlerweile gibt es dort mit dem ­„Frauenzimmer“ wieder ein drittes Geschäft.

Von Stillstand also keine Spur, trotz 140-jähriger Tradition – und eben das sei ihr Erfolgskonzept. „Wir waren immer da und haben uns immer gedreht – der Markt ist ebenso wie der Verbraucher sehr feinfühlig, es muss immer etwas anderes, etwas Neues geben“, sagt die Seniorchefin.
Das Konzept will auch die Tochter weiterführen: „Handel­ heißt immer auch Wandel“, sagt Cristina Glaeser. Man müsse sich an den wechselnden Bedarf der Kunden anpassen. Von der Kollektion bis zur Optik. Mehrfach wurden die Verkaufsräume umgebaut, stetig umgestaltet und auch das Sortiment nach aktuellen Trends ausgerichtet. Neben Schuhen haben längst Alltagskleidung, Zubehör und Accessoires Einzug gehalten.

Mehr Auswahl sei das Stichwort. Anders sei ein Überleben am Markt heute auch nicht mehr möglich, sagt Annemarie Glaeser. Der wachsende Onlinehandel bedrohe auch ihre Branche.

Das Geschäft wirbt zwar zunehmend in den sozialen Netzwerken und mit eigener Homepage, selber ins Onlinegeschäft einsteigen wolle sie ­dabei nicht, konzentriere sich auf ihren größten Vorteil gegenüber der digitalen Konkurrenz: „Die persönliche Beratung und Individualität ist unsere Marktlücke, man muss sich abgrenzen und das Ganze mit Leidenschaft machen – dann hat man auch seine Daseinsberechtigung“, sagt Cristina Glaeser.

von Ina Tannert