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Ostkreis Familie fühlt sich allein gelassen
Landkreis Ostkreis Familie fühlt sich allein gelassen
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14:59 28.06.2020
Erstklässler an einer Grundschule in Norddeutschland warten auf ihre Einschulung. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa/Archiv
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Kirchhain

Die Betreuung von Kindern ist dieser Tage aufgrund der Corona-Pandemie und der daraus resultierenden Einschränkungen alles andere als einfach.

Und während viele hoffen, dass es nach den Sommerferien einfacher wird, haben Florian und Melanie Schwartz ein Problem: Sie wissen nicht, wie sie nachmittags eine ihrer Töchter betreuen lassen sollen, während sie arbeiten.

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Der Grund: Die Stadt Kirchhain stellt zum neuen Schuljahr ihre Nachmittagsbetreuung von 15 bis 17 Uhr ein. Bürgermeister Olaf Hausmann hatte dies im Sozialausschuss mitgeteilt – sehr zum Schreck der jungen Mutter, die zufällig an der Sitzung teilgenommen hatte, wie sie berichtet.

Die Stadt stelle ihr freiwilliges Angebot aus Kostengründen ein, weil der Bedarf aus Sicht der Kommune nicht mehr gegeben sei – was ganz im Gegenteil steht zu dem, was die Eheleute Schwartz betrifft. Beide sind berufstätig, ihre Töchter besuchen täglich bis 16 oder 16.30 Uhr, manchmal gar bis 17 Uhr, die Kita Im Brand.

These: Viele Eltern kennen Angebot nicht

Die Ältere steht allerdings vor dem Sprung in die Grundschule – und wird künftig aufgrund des gestrichenen Angebots „nur“ noch bis 15 Uhr betreut. „Was soll ich denn jetzt machen? Ich kann doch meinem Chef nicht sagen, dass ich künftig täglich zwei Stunden weniger arbeite“, sagt Schwartz.

Sie und ihr Mann fühlen sich von der Stadt allein gelassen. Die Kommune habe das Angebot gestrichen, weil es für das neue Jahr zusätzlich zu den sechs „Bestandskindern“ lediglich zwei Neuanmeldungen gegeben habe, sagen sie: „Bei über 100 neuen ABC-Schützen kaum zu glauben.“

Melanie Schwartz glaubt, dass viele Eltern nicht wüssten, dass es das Angebot gegeben habe – vor allem die Eltern von Erstklässlern seien betroffen, da es für sie aufgrund der Corona-Pandemie lediglich eine einzige Informationsveranstaltung rund um den Wechsel an die Schule gegeben habe.

„Kinderfreundliche Strategie sieht anders aus“

Sie hätten also eigentlich keine Möglichkeit gehabt, sich über das Betreuungsangebot und die entsprechenden Anmeldeverfahren und Fristen informieren zu lassen. Noch dazu glaubt sie, dass es viel mehr Eltern gebe, die Bedarf anmelden würden für die Nachmittagsbetreuung.

Allein in ihrer Kita hätten Eltern von fünf Kindern ein Interesse für das kommende Jahr angemeldet. „Eine kinderfreundliche Strategie sieht anders aus“, kritisiert sie die Stadt und moniert, so kurz vor den Sommerferien doch auch keine Alternative mehr finden zu können. Muss sie aber wohl, denn Bürgermeister Olaf Hausmann macht den Eheleuten Schwartz keinerlei Hoffnung, dass der Magistrat seine Meinung beziehungsweise seinen Beschluss noch ändern könnte.

Bürgermeister: finanzielle Entscheidung

„Es gibt immer weniger Nachfragen nach der Nachmittagsbetreuung“, sagt er und ergänzt, dass dies eine über Jahre gemachte Erfahrung sei: „Es war ein schleichender Prozess, gerade in den vergangenen zwei bis drei Jahren ging das Interesse der Eltern zurück.“

25 Plätze hatte die Stadt angeboten, viele Eltern teilten sich sogar einzelne Plätze. Und nun sei eben der Punkt erreicht, an dem der Kosten-Nutzen-Aufwand nicht mehr gegeben sei.

„Manchmal tut eine solche Entscheidung natürlich weh und ist extrem schlecht für Einzelne, aber wir müssen als Stadt eben eine Entscheidung mit Blick auf die Finanzen treffen“, sagt der Rathauschef und zeigt Verständnis für die Kritik der Familie: „Natürlich hängen oft auch Einzelschicksale an solchen Entscheidungen und ich weiß, dass es schwierig ist, eine Alternative zu finden – aber der Magistrat hat seinen Beschluss gefasst.“

Von Florian Lerchbacher

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