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Ostkreis Aufgeblüht und maßgeschneidert
Landkreis Ostkreis Aufgeblüht und maßgeschneidert
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19:00 10.04.2021
Shooting im Gewächshaus
Shooting im Gewächshaus Quelle: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Mode gehört nicht in den Schrank. Sie will gezeigt werden. Mode gehört also in die Öffentlichkeit. Doch was tun, wenn das nicht möglich ist? Mit dieser Frage mussten sich die angehenden Maßschneiderinnen und Maßschneider auseinandersetzen, die derzeit die Abschlussklasse der Beruflichen Schulen in Kirchhain besuchen. Denn wie schon im vergangenen Jahr fällt die Modenschau, der Höhepunkt eines jeden Schuljahres, der Corona-Pandemie zum Opfer – die Möglichkeit, die Kunstwerke aus Stoff zu präsentieren, ist also dahin.

Doch die Schülerinnen und Schüler ließen sich nicht entmutigen. Sie suchten eine Alternative – und entschieden sich, ihre selbstgestaltete Abendgarderobe während eines Fotoshootings zu tragen und so zu zeigen. Die schwierigste Frage dabei: Welche Location ist gleichermaßen außergewöhnlich wie auch für ein Fotoshooting geeignet. Die Wahl fiel letztlich auf das Gewächshaus der Schule – was Ausbildungsleiterin Marlies Mitze-Nau ins Schwärmen geraten lässt: „Es geht um den Kontrast: der Shabby Chick des Gewächshauses gegen die tollen Abendkleider, die unsere Schüler entworfen und geschneidert haben.“

Ein Ansatz, der voll aufging: Neben den Schülerinnen und Schülern der Abschlussklasse zeigten auch jene der „jüngeren“ Jahrgänge die von ihnen designte Mode – und präsentierten sich dabei so vielfältig wie ihre Kleidung. Die einen hatten sichtlich Spaß, vor der Kamera zu posieren – die anderen hätten wahrscheinlich lieber hinter der Kamera gestanden, als vor ihr. Hinter Masken verbergen konnten sie ihre Gefühle jedenfalls nicht: Da sie allesamt vor dem Shooting einen Corona-Test abgelegt hatten, durften (oder mussten) sie auf das Accessoire dieser Zeit während der Fotosession verzichten.

Theresa Kunert zeigt beispielsweise ihr Abendkleid in zwei Grüntönen. Sie wollte mit dem Kontrast hell/dunkel spielen und sich eigentlich ein weit fallendes Kleid nähen. Am Ende fiel es dann doch körperbetont aus: „Sonst wäre das zu viel Stoff gewesen“, erklärt sie lachend und freut sich über das Shooting – auch wenn eine Modenschau dann doch einen Gang aufregender gewesen wäre, wie sie zugibt: „Aber man kann sein Kleidungsstück so zeigen, wie man es sich vorgestellt hat.“

Das sieht auch Johanna Gömpel so: „Vor Zuschauern über den Laufsteg zu gehen, ist doch noch mal ein anderes Feeling. Aber durch das Shooting können wir unsere Mode wenigstens öffentlich machen.“ Sie hatte für ihr Kleid auf die Farbe Rot gesetzt: Als es im Unterricht darum gegangen sei, welche Farbe zu welchem Hauttyp passe, sei das bei ihr herausgekommen. Eine Besonderheit ihres Werkes ist indes der herzförmige Ausschnitt: „Die Idee dafür kam mir beim Zeichnen des Entwurfs.“

Auch Leon Tollas hatte ein Abendkleid entworfen, dessen Präsentation während der Modenschau eine Mitschülerin übernommen hatte. Beim Shooting setzte er auf eine schwarze Hose mit weißem Hemd und Fliege – ein Outfit, das eines mit seinem Abendkleid gemeinsam hat: Beides liegt sehr eng am Körper an. Für ihn nur logisch: „Wenn ich an abendliche Mode denke, dann denke ich an etwas Figurbetontes.“

„Die Schülerinnen und Schüler hatten super Ideen und zeigten dann auch noch Eigeninitiative, als sie das Fotoshooting auf die Beine stellten. Das ist eine sehr kreative Gruppe“, lobt Mitze-Nau. Die Anleitung der einzelnen Arbeitsschritte bei der Gestaltung der Abendgarderobe hatten die Lehrkräfte Ute Martin und Simon Schubert übernommen: Zuerst zeichneten die Auszubildenden Entwürfe und Skizzen, nahmen Maß und konstruierten Schnittmuster, um dann einen Probeschnitt aus Nesselstoff anzufertigen. An diesem konnten sie dann noch Änderungen vornehmen, sich dann für einen Stoff entscheiden und dann die finale Version nähen.

Beim nächsten Projekt „The Good Old Days“ werden die Angehörenden des Abschlussjahrgangs Vintage-Modelle aus rustikalen Stoffen anfertigen. Und Ausbildungsplätze für das nächste Schuljahr sind übrigens auch noch frei...

Weitere Informationen unter www.bs-kirchhain.de oder Telefon 0 64 22 / 10 73 (Marlies Mitze-Nau).

Von Florian Lerchbacher