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Ostkreis Kirchhain dreht die Heizung im Bad ab
Landkreis Ostkreis Kirchhain dreht die Heizung im Bad ab
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19:56 26.07.2022
Im Kirchhainer Freibad wird das Wasser nicht mehr geheizt.
Im Kirchhainer Freibad wird das Wasser nicht mehr geheizt. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
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Ostkreis

Im Kirchhainer Freibad hat die Stadt die Heizung ausgestellt, das Wasser im Becken wird nicht mehr länger vorgeheizt, und die Duschen bleiben kalt. Das hat der Magistrat entschieden, die Verwaltung hat es umgesetzt. Das hat zweierlei Gründe.

Zum einen bekommt die Stadt auch die dramatisch gestiegenen Energiepreise auf allen Ebenen zu spüren. Bürgermeister Olaf Hausmann berichtet der OP von Mehrkosten von 150.000 Euro bisher (!) bei diesem Haushaltsposten. Dort fließen alle Energiekosten der Stadt bucherhalterisch zusammen.

Zum anderen sieht sich der Magistrat mit Blick auf die Gasversorgung und den Sparzwang in der Pflicht. „Auch Kommunen müssen ihren Beitrag leisten, wir dürfen eben nicht nur reden, auch wenn das nicht jedem gefällt“, sagt Hausmann. Er geht sicher davon aus, dass sich das Abschalten der Heizung im Freibad in den nächsten Wochen finanziell auszeichnet. Es werde einen merklichen Effekt geben, ist Hausmann überzeugt.

Bäder sind keine kritische Infrastruktur

Interessant wird es im Herbst beim Phönix-Hallenbad, sollte es zu der befürchteten von Russland ausgehenden Gasknappheit kommen. Hierzu sei die Stadt mit der Bäderbetriebsgesellschaft bereits im Gespräch, sagt Hausmann. Laut der Notfallverordnung fallen Bäder bei einer Gasknappheit nicht unter die sogenannte kritische Infrastruktur.

Im Stadtallendorfer Freibad gibt es keine Gasheizung für Badewasser und Duschen, dort setzen die Stadtwerke seit Langem auf einen Absorber, also Solarthermie. Für Stadtallendorfer Freibadbesucher ändert sich demnach nichts, die Stadtwerke werden dort nicht eingreifen müssen. Wie es im Herbst mit dem Hallenbad Alldomare weitergeht, ist hingegen noch eine offene Frage. Dies erläuterte Bürgermeister Christian Somogyi bei der jüngsten Stadtparlamentssitzung. Dort erklärte er, dass derzeit nach einer Lösung gesucht werde, um das Bad bei einem Gasstopp zumindest weiterlaufen lassen zu können.

„Ganz abschalten können wir das Bad nicht, das verursacht hohe Schäden“, so Somogyi. Das Alldomare wurde für rund 12 Millionen Euro komplett saniert, Schäden will die Stadt deshalb erst recht verhindern. Ob eine wie auch immer gestaltete Ersatztechnik zum Einsatz käme und ob das Hallenbad bei Gasknappheit weiterliefe, muss jetzt geklärt werden.

Rotkäppchenbad bezieht Nahwärme

Die Stadt Neustadt sieht sich bei ihrem frisch sanierten Freibad und auch beim Hallenbad in Mengsberg, dem Rotkäppchenbad, auf der sicheren Seite was die Wärmeversorgung angeht. Neustadts Bürgermeister Thomas Groll verweist gegenüber der OP ebenfalls auf den Einsatz eines Absorbers, um das Wasser aufzuheizen.

„Den haben wir im Zuge der Sanierung für 80.000 Euro grad erneuert“, sagt Groll. Auch in Mengsberg ist Gas kein Thema mehr. Das Rotkäppchenbad ist an das Nahwärmenetz angeschlossen und deshalb komplett autark, kann also auch dann weiterlaufen, wenn die russischen Erdgaslieferung ausblieben.

Was die Personalsituation im Freibad angeht, ist Groll zuversichtlich, jetzt eine durchhaltbare Lösung gefunden zu haben. Das Bad ist seit Montag nun von 10 bis 19 Uhr in jedem Fall geöffnet. Mehrere Krankheitsausfälle hatten zu Problemen und Einschränkungen geführt.

In allen drei genannten Städten wird das Thema Gasnotstand und Folgen derzeit unabhängig von den Bädern bearbeitet, Stadtallendorfs Bürgermeister sprach im Parlament von einer „Task Force“, die sich darum kümmern werde.

Die Situation in Kirchhain zeigt dort noch einmal den Handlungsbedarf, was die Erneuerung der Bädertechnik im Freibad angeht, das räumt auch Bürgermeister Hausmann gegenüber der OP ausdrücklich ein. „Die Bädertechnik war und ist ein zentraler Punkt für die Sanierung und in jedem Falle nötig“, so Hausmann. Auch Kirchhain wolle weg vom Gas als Energiequelle für die Heizung.

Von Michael Rinde