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Ostkreis Oben ohne kann es teuer werden
Landkreis Ostkreis Oben ohne kann es teuer werden
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16:54 29.04.2020
Anne Kaletsch zeigt ihren Mundschutz. Quelle: privat
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Kirchhain

Sebastian Knebel trägt eine FFP-Maske und Einmal-Handschuhe, als er aus dem Drogeriemarkt kommt. Süßigkeiten hat der Anwalt gekauft, „Nervennahrung fürs Büro“, gesteht er im OP-Gespräch in der Kirchhainer Innenstadt.

Langsam würde die Stimmung kippen, die Nerven liegen bei einigen Kollegen blank. „Die Behörden und Gerichte arbeiten nur noch eingeschränkt, da bleibt viel liegen“, berichtet er und ergänzt: „Dafür gibt es auf der anderen Seite aber viel Flexibilität, die vor der Pandemie undenkbar war.“

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Als Beispiel erzählt er von einem Scheidungsfall, der komplett nur schriftlich bearbeitet wurde, ohne persönliche Treffen. Ob sich das durchsetzen wird? „Ich glaube nicht. Manche Dinge kann man einfach nicht nur per E-Mail oder am Telefon klären.“

„Trotz allem sind die Leute sehr freundlich“

Die Maske übrigens hatte er schon lange vor der Pandemie gekauft. „Einmal, weil ich Heimwerker bin, und auch, weil schon im Jahr 2013 von der Möglichkeit so einer Situation informiert wurde. Da habe ich vorgesorgt“, sagt er und ärgert sich ein bisschen, dass seine Brille bei jedem Atemzug beschlägt. Aber er trägt es mit Fassung.

Genau das hat auch Meilin Dietrich festgestellt. Alle Kunden der Blattwerk-Floristin trugen am ersten Tag der Mundschutz-Pflicht einen solchen. „Trotz allem sind die Leute sehr freundlich und nehmen die Maßnahmen hin. Sie sind wirklich sehr verständnisvoll“, sagt sie beim OP-Besuch.

Rechtsanwalt Sebastian Knebel trägt Maske. Foto: Katja Peters

Sie berichtet, dass das EC-Gerät jetzt regelmäßig nach der Nutzung desinfiziert wird und auch nur ein Kunde im Laden bedient werden kann. Das schreiben die Hygiene- und Abstandsregeln so vor. „Diese Maske ist schon sehr ungewohnt und komisch, vor allem beim Telefonieren“, gibt sie zu.

Und noch etwas hat sie festgestellt: Verkaufsgespräche sind merklich reduziert, dafür ist der Lieferdienst gewachsen. „Den hatten wir vorher auch schon, aber jetzt wird er viel mehr in Anspruch genommen“, so die Floristin.

Petra Rädel, die sich am Montag vor dem Blumenladen umgesehen hat, hat einen echten Hingucker als Maske. Kleine rote Erdbeeren zieren ihren Mundschutz, den sie selbst genäht hat.

Für die Jüngeren ist es schwieriger

„Ich habe meine Familie und Freunde auch schon ausgestattet“, sagt sie lachend, weil sie viele Stoffe zu Hause habe. In der Fußgängerzone trägt sie den Mund- und Nasenschutz aber nicht, „nur wenn ich in ein Geschäft gehe. Ich habe ihn heute auch zum ersten Mal an“, gibt die Stadtallendorferin zu. Sie hält sich weiterhin vor allem an die Abstandsregeln, „eine konsequente Einhaltung würde sicher auch reichen.“

Sich anzustecken, davor hat Petra Rädel keine Angst, „ich fühle mich auch nicht so sehr eingeschränkt. Das sehen meine Söhne mit ihren 20 Jahren anders. Für die ist es schwieriger. Sind viel zu Hause. Das ist richtig ungewohnt“, erzählt sie in der Fußgängerzone.

Petra Rädel trägt eine selbst genähte Maske in Kirchhain. Foto: Katja Peters

Da war mittags auch Daniela Rumpf mit ihren zwei Kindern unterwegs – ohne Masken. „Ich habe 25 Tücher, die ich nutzen kann, die Kinder haben diese Loop-Schals“, erklärt sie. Das Trio will spazieren gehen und nicht durch die Geschäfte bummeln.

„Das ist derzeit auch gar nicht so einfach. Beim Einkaufen müssten die beiden ja auch Einkaufskörbe nehmen. Das ist mir zu kompliziert. Da bleiben sie lieber draußen und warten“, sagt die Mutter, die noch am Morgen ihrer Tochter erklärt hat, wie das mit der Tröpfcheninfektion funktioniert und warum sie deshalb ein Tuch oder eine Maske tragen muss.

Polizei: Wir verteilen nicht gleich Knöllchen

Die Erstklässlerin und ihr Bruder, der die dritte Klasse besucht, sind der Wiederholungen in der Heimschule überdrüssig. „Mir ist wirklich langweilig“, sagt Rumpfs Sohn auf dem Weg in die Eisdiele.

Ob die Maskenpflicht auch eingehalten wird, das kontrollieren in Kirchhain die Ordnungspolizei und der freiwillige Polizeidienst. „Da haben wir einen Schwerpunkt ihrer Arbeit gesetzt“, sagt Bürgermeister Olaf Hausmann. Er betont auch noch einmal, „dass nicht gleich Knöllchen verteilt werden. Wir werden auf die Pflicht hinweisen, beraten und informieren“.

Maskenpflicht

Wer muss eine Maske tragen?

Grundsätzlich alle Menschen müssen seit gestern in der Öffentlichkeit einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Ausgenommen sind Kinder bis sechs Jahre und alle Personen, die aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund einer Behinderung keine Maske tragen können. Das müssen sie jederzeit durch eine ärztliche Bescheinigung (Attest vom behandelnden Arzt reicht) nachweisen können.

Wo müssen Masken getragen werden?

In öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften und Läden, in denen eingekauft wird. Ebenso gilt die Pflicht in Banken, Sparkassen und Postfilialen.

Welche Art von Schutz ist möglich?

Das Mindeste sind Halstücher oder Schals, die über Mund und Nase gezogen werden. Ebenso können „Alltagsmasken“ genutzt werden, die aus einfachem Stoff bestehen und auch selbst genäht sein können. Medizinische Schutzmasken, die sogenannten Filtering Facepieces (FFP), sind ebenfalls erlaubt.

Schützen Alltagsmasken überhaupt?

Die Stoffmasken können das Virus nicht stoppen, aber die Ausbreitung weiter bremsen. Denn der Stoff kann dem Umfeld des Tragenden Schutz vor größeren Tröpfchen bieten und den Schleimhautkontakt mit möglicherweise virenbelasteten Händen des Trägers verhindern. Dennoch weist das Robert-Koch-Institut (RKI) daraufhin hin, dass die Masken allein kein sicherer Schutz sind.

Wo bekomme ich Masken her?

Apotheken, Sanitätshandel und Online-Plattformen bieten die Masken an. Aufgrund der hohen Nachfrage kann es aber zu Lieferengpässen kommen. Daher warnt die Verbraucherzentrale Hessen vor Anbietern, die ein „Geschäft mit der Corona-Angst“ treiben, und rät, gerade im Online-Handel vorsichtig zu sein, um nicht auf vermeintliche Blitzangebote hereinzufallen, die am Ende viel Geld kosten können.

Ersetzt die Maske den Sicherheitsabstand?

Ganz klar: Nein! Experten warnen eindringlich davor, die Abstandsregeln zu vernachlässigen. Auch mit der Maskenpflicht muss der Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern eingehalten werden. Denn Alltagsmasken schützen vor allem andere vor einer Ansteckung und nicht primär den Träger selbst.

Was muss beim An- und Ausziehen beachtet werden?

Das Deutsche Rote Kreuz empfiehlt, die Masken nicht am Stoff zu berühren, sondern nur seitlich an den Fixierbändern. Vor und nach dem Anziehen sollte man sich die Hände waschen. Das senke die Gefahr, die Innenseite der Maske mit Erregern zu kontaminieren. Spätestens wenn der Stoff durchfeuchtet ist, wird empfohlen, die Maske abzusetzen. Ebenso wird zu einer täglichen Wäsche mindestens bei 60 Grad geraten.

Gibt es Strafen, wenn die Maskenpflicht nicht eingehalten wird?

Ja, Wiederholungstäter in Hessen können mit einem Bußgeld von 50 Euro belangt werden, in Bayern kostet es sogar 150 Euro. Kontrollen werden vom Ordnungsamt oder der Polizei durchgeführt. Geschäfte sind angehalten, Kunden ohne Maske nicht zu bedienen.

Quellen: DRK und Sozialministerium

Von Katja Peters

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