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Ostkreis Kümmerer kommen auch nach Hause
Landkreis Ostkreis Kümmerer kommen auch nach Hause
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18:58 09.01.2021
Wer wird Kirchhains neue Gemeindeschwester? Quelle: Tobias Hirsch
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Kirchhain

Das war sicherlich keine alltägliche Situation für eine Stadtverwaltung: Ein Bürger wies auf einen Hausbewohner hin, der sich offenbar nicht mehr allein in seiner Wohnung zurechtfand und ganz offensichtlich Hilfe benötigte. Der Hinweis kam vor einem verlängerten Wochenende. Was tun? Diese Begebenheit hat sich schon vor längerer Zeit in Kirchhain zugetragen. Mit vereinten Kräften ließ sich dem Mann helfen, wie Bürgermeister Olaf Hausmann berichtet. Doch leicht war das nicht.

Im Laufe des Januars wird es auch in Kirchhain Expertinnen dafür geben. Dann bekommt Kirchhain die „Gemeindeschwester 2.0“. So heißt auch das entsprechende Landesprogramm, aus dem das neue Angebot bezahlt wird. Das Land übernimmt dabei jeweils für ein Jahr die kompletten Lohnkosten.

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War die historische Gemeindeschwester auch für Hilfe bei größeren medizinischen Problemen zuständig, so ist die „Gemeindeschwester 2.0“ vor allem als Kümmerer gedacht. Sie soll Menschen daheim aufsuchen, erreichbarer Ansprechpartner sein und Hilfe vermitteln, wenn Not oder einfach nur Bedarf besteht. Hausmann und Fachbereichsleiterin Sabine Balzer sprechen von „aufsuchender Sozialarbeit“, die die künftige Gemeindeschwester 2.0 übernehmen wird. Dass sich Kirchhain für das Programm des Landes beworben hat, war auch Folge eines deutlichen Impulses aus der Bürgerschaft. Bei der Entwicklung des Altenhilfekonzeptes habe es insbesondere aus den Stadtteilen heraus den klaren Wunsch nach so einem Angebot gegeben, sagt Sabine Balzer. Bei Veranstaltungen in Großseelheim und Emsdorf gab es Wünsche aus der Bürgerschaft.

Die Stelle der künftigen Gemeindeschwester wird zweigeteilt, sprich, es entstehen zwei halbe Stellen. Für eine der beiden Stellen hat die Stadt bereits jemanden gefunden, für die zweite Stelle laufen die Gespräche derzeit noch. Im Laufe dieses Monates soll es losgehen. Es sei nicht ganz so leicht, geeignete Bewerber zu finden, so Hausmann und Balzer. Schließlich ist der Markt bei den Pflegekräften derzeit besonders eng umkämpft. „Und die Befristung macht es nicht leichter“, so Balzer.

Die Arbeit der Gemeindeschwestern soll sich primär an ältere Menschen über 80 Jahre richten, die weiterhin in den eigenen vier Wänden leben. Es geht um den Erhalt der Selbstständigkeit dieser Menschen. „Und es ist sicher auch ein Kampf gegen Einsamkeit“, ist Sabine Balzer überzeugt. Dazu werde die Gemeindeschwester vor allem Anfang netzwerken müssen, so Bürgermeister Hausmann. Es gilt, Verbindungen aufbauen zu vorhandenen Einrichtungen wie dem „Sozialen Netzwerk Kirchhain“ oder auch dem Pflegestützpunkt Ostkreis zum Beispiel. Neben Besuchen nach Voranmeldung wird es auch Sprechzeiten geben, bei denen sich Kontakte anbahnen und Fragen unkompliziert klären lassen.

Ganz kostenfrei wird das neue Angebot auch für die Stadt Kirchhain natürlich nicht sein. Sie stellt die Ausstattung für die künftigen Gemeindeschwestern, sprich vor allem Büroräume. Mitbringen sollen die künftigen beiden „Kümmerer“ vor allem Kontaktfreude. Grundlage für ihre Arbeit wird eine Ausbildung im pädagogischen oder pflegerischen Bereich sein. Dazu soll es die passenden Fortbildungen geben.

Bis zum Jahr 2024 sind die Förderungen für die „Gemeindeschwester 2.0“ möglich. Sie müssen jedoch jährlich neu beantragt und bewilligt werden.

Von Michael Rinde