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Ostkreis 830 gemeldete Mängel, 520 Ideen
Landkreis Ostkreis 830 gemeldete Mängel, 520 Ideen
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20:58 08.05.2021
Das Viadukt ist ein Nadelöhr, daher würde die Stadt Kirchhain es gerne den heutigen Ansprüchen des Verkehrs entsprechend umgestalten.
Das Viadukt ist ein Nadelöhr, daher würde die Stadt Kirchhain es gerne den heutigen Ansprüchen des Verkehrs entsprechend umgestalten. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Die Stadt Kirchhain arbeitet unter Beteiligung ihrer Bürger und eines Fachbüros an der Weiterentwicklung ihres Verkehrsentwicklungsplanes. Jörg Fleischer und Jasmin Riedle von der „Heinz + Feier GmbH“ präsentierten während einer Mischung aus Präsenz- und Video-Veranstaltung rund 50 Kirchhainern, was sie über den Verkehr in der Stadt und den Stadtteilen herausgefunden haben und was sie an Verbesserungen vorschlagen.

Unter anderem haben sie analysiert, dass es in der Kernstadt nur wenig Durchgangsverkehr gebe, ab 11 Uhr die meisten Parkflächen zu mehr als 75 Prozent ausgelastet seien und es kaum Tempo-30-Zonen gebe. Der Busverkehr sei stark auf Schüler ausgerichtet, was ein typisches Phänomen bei Städten wie Kirchhain sei – und viele Bürger hätten bemängelt, dass der Bahnhof per Bus schlecht zu erreichen ist.

Bahnstrecke ein Hindernis

Entsprechend kämen rund 90 Prozent der Menschen „häufig oder fast immer“ mit dem Auto in die Stadt. Außerdem stellen Riedle und Fleischer heraus, dass die Bahnstrecke ein elementares Hindernis sei – sowohl für Fußgänger wie auch für Rad- und Autofahrer. Zudem gebe es kaum ausgewiesene Radwege in der Stadt – aber auch zwischen den Dörfern.

Insgesamt setzten sich die beiden Fachleute mit 830 Mängeln und 520 Vorschlägen für Verbesserungen auseinander, die 630 Menschen während der Bürgerbefragung eingebracht hatten. Am stärksten sei der Wunsch nach einer Verbesserung der Radwege beziehungsweise überhaupt erst nach einer Schaffung eines Radwegenetzes.

Sperrungen werden abgelehnt

Mehr Stellplätze wünschten sich fast 70 Prozent der Befragten. „Das ist erstaunlich, weil auch am späten Vormittag angesichts einer Auslastung von rund 80 Prozent noch ausreichend Parkplätze vorhanden sind“, so Fischer. Eine Sperrung der Brießelstraße und des Marktplatzes werde größtenteils abgelehnt.

Nach Vorstellung der Ergebnisse konnten Bürger weitere Anregungen geben. Max Schwetz sprach sich zum Beispiel für eine Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer aus, Karl-Georg Prusky bemängelte den Zustand von Straßen und Fußwegen. Und Ferry Posch monierte, dass sich Verkehr aus Richtung Rauschenberg durchs Neubaugebiet schlängele und nicht ans Tempolimit halte. Fischer entgegnete, es handele sich dabei vornehmlich um Verkehr aus dem Gebiet selber. Den Verkehr dort zu erheben sei nicht vorgesehen.

Radwegeanbindung geplant

In Sachen Veränderungen kündigte Bürgermeister Olaf Hausmann an, dass eine Radwegeanbindung Kirchhains (und quasi auch Langensteins) von der Niederrheinischen Straße über den Hof Netz an Stadtallendorf geplant sei – ein Projekt, das der Landkreis finanziere. Der OP berichtete er auch, dass alle Wohngebiete in allen Stadtteilen Tempo-30-Zonen werden sollten: „In der Kernstadt haben wir damit schon angefangen.“

Eine Frage, der sich die Stadt stellen müsse, sei, wie sich Ziel- und Quellverkehr aus dem Neubaugebiet Röthe Richtung Stadtallendorf und Marburg ableiten lasse. Ein Gedanke sei, ihn aus Langenstein herauszuholen und eine Umgehungsstraße für den Stadtteil zu bauen. Außerdem angedacht sei eine Öffnung des Steinbachsgrabens, der derzeit oft illegal genutzt werde. „Wenn wir als Stadt weiter wachsen, müssen wir uns überlegen, wie wir den Verkehr lenken“, resümierte Hausmann und betonte, dass dies nur Vorschläge seien. Die Entscheidungen werde natürlich das Parlament fällen.

Kreisel sollen eingerichtet werden

An der Kreuzung Steinbachsgraben/Röthestraße will die Stadt einen Kreisel einrichten – auch um das Tempo des aus Emsdorf kommenden Verkehrs zu drosseln. An den Ortseingängen Anzefahrs und Betziesdorfs sollen Straßenverengungen das Erreichen dieses Ziels bringen.

Für Innenstadt von der Eisenbahnbrücke bis zum Amöneburger Tor soll noch über ein innerstädtisches Verkehrskonzept nachgedacht werden. „Wir sind im Förderprogramm Lebendige Zentren – da muss man sich zunächst fragen, wie sich die Innenstadt entwickeln soll, und danach kann man den Verkehr regeln“, so Hausmann.

Städtische Radkonzept auch ein Thema

Ein weiterer Plan sei, um die begrenzten Querungsmöglichkeiten der Bahnstrecke zu verbessern, das Viadukt zu verändern. „Wir müssen mit der Bahn sprechen, wie wir diese Stelle verbessern können. Es gibt Ideen, aber noch keine finale Lösung. Fest steht jedenfalls, dass das Bauwerk dem heutigen Verkehr nicht mehr gewachsen ist“, resümiert Hausmann.

Des Weiteren ist für den 17. Juni in Kooperation mit dem Landkreis eine weitere Bürgerbeteiligungs-Veranstaltung geplant, in der es speziell um das städtische Radkonzept geht. Aber auch die Verbindungen der Stadtteile untereinander, beispielsweise zwischen Emsdorf und Burgholz oder zwischen Himmelsberg beziehungsweise Stausebach und Niederwald, will die Stadt ins Auge fassen.

Von Florian Lerchbacher

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