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Ostkreis Schätz doch mal
Landkreis Ostkreis Schätz doch mal
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18:59 30.10.2021
Diplom-Ingenieur Adam Willi Finger referierte vor Vertretern der Ortsgerichte über die Vorgehensweise bei Schätzungen. 
Diplom-Ingenieur Adam Willi Finger referierte vor Vertretern der Ortsgerichte über die Vorgehensweise bei Schätzungen.  Quelle: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Die Bewertung von Grundstücken und den darauf stehenden Gebäuden ist eine zentrale Aufgabe von Ortsgerichten – einer hessischen Besonderheit: Diese Hilfsbehörden der Justiz gibt es ausschließlich in diesem Bundesland. Allerdings kam es in jüngerer Vergangenheit zu einer Veränderung in der Gesetzgebung, wie Stephanie Samsa, die Geschäftsleiterin des Amtsgerichts Kirchhain, berichtet. Bisher konnten von Ortsgerichten gemachte Gutachten beim Finanzamt eingereicht werden. Das ist nun nicht mehr so. Stattdessen müssen Gutachten, die ans Finanzamt gehen, von bestellten und vereidigten Sachverständigen erstellt werden.

Diese Änderung war ein Diskussionspunkt während einer Dienstbesprechung, die das Amtsgericht Kirchhain mit den Ortsgerichten initiiert hatte. „Ändern können wir aber leider nichts daran“, betont Samsa im Gespräch mit dieser Zeitung und ergänzt, dass die Vertreter der acht im Amtsgerichtsbezirk existierenden Ortsgerichte ob dieser Nachricht sichtlich verärgert waren.

Keine Vorkenntnisse erfordert

Nichtsdestotrotz standen eben jene Schätzungen im Mittelpunkt der Sitzung: Das Amtsgericht hatte Diplom-Ingenieur Adam Willi Finger gewonnen, um über die Bewertung von Grundstücken und Gebäuden zu referieren. Vorkenntnisse zur Thematik muss man nicht haben, wenn man sich in Ortsgerichten ehrenamtlich engagieren möchte. Aber sie helfen natürlich, sagt Samsa und erklärt, dass es ein Berechnungsprogramm gibt, mit dessen Hilfe die Ortsgerichts-Vorstehenden und ihre Stellvertreterinnen und Stellvertreter sowie die Schöffinnen und Schöffen den Wert von Grundstücken und Gebäuden errechnen können. Es gebe aber auch Ehrenamtler, die sich diese Aufgabe nicht zutrauen: Wenn dem so ist, müssen Menschen in den jeweiligen Bezirken auf Sachverständige zurückgreifen. Ortsgerichte werden zum Beispiel angerufen, wenn Erbengemeinschaften den Wert von Grundstücken und Gebäuden ermitteln lassen möchten, um Hinterlassenschaften fair aufteilen zu können.

Finger widmete sich in seinem rund halbstündigen Vortrag den gesetzlichen Grundlagen der Schätzungen, ging aber auch generell auf die Thematik ein. Er hatte eine Beispielbewertung vorbereitet, an der er die unterschiedlichen Methoden der Bewertung erläuterte. Dabei stellte er, so Samsa, beispielsweise auch heraus, dass sich der Wert eines leerstehenden Gebäudes anders berechnet als der eines vermieteten Hauses. Letztendlich seien es aber mehrere Faktoren, aus deren Zusammenspiel sich letztendlich der Wert ergebe.

Weitere Aufgaben von Ortsgerichten sind die Beglaubigung von Unterschriften und Abschriften (was sonst auch Notare machen), die Erteilung von Sterbefallsanzeigen an Amtsgerichte (damit diese Informationen zu den Verstorbenen haben) sowie die Sicherung von Nachlässen und das Mitwirken bei der Festsetzung und dem Erhalt von bestehenden Grundstücksgrenzen.

In die Zuständigkeit des Amtsgerichtes Kirchhain fallen die Ortsgerichte Kirchhain, Amöneburg, Neustadt, Rauschenberg, Wohratal sowie Stadtallendorf (Kernstadt), Niederklein/Schweinsberg und Erksdorf/Hatzbach/Wolferode. Ihre Vertreter dürfen immer nur im jeweiligen Zuständigkeitsbereich tätig werden.

Von Florian Lerchbacher

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