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Ostkreis Nächste Etappe für die Mountainbiker
Landkreis Ostkreis Nächste Etappe für die Mountainbiker
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14:13 05.04.2022
Matteo Ripken ist bereits gesprungen. Hinter ihm hebt Nils Pfab ab.
Matteo Ripken ist bereits gesprungen. Hinter ihm hebt Nils Pfab ab. Quelle: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Kraftvoll tritt Matteo Ripken in die Pedale und jagt auf seinem Mountainbike einen schmalen Pfad auf eine Rampe zu. Spätestens jetzt würde der durchschnittliche Radfahrer in die Eisen gehen, doch der junge Mann gibt noch einmal extra Gas, hebt ab und zeigt einen „Table-Top“ – das ist ein Sprung, bei dem er das Bike in der Luft schräg stellt.

Nicht alle der 35 Mitglieder der im Oktober 2021 gegründeten Mountainbike-Abteilung des TSV Kirchhain können auf zehn Jahre zurückblicken, in denen sie sich Tricks dieser Art auf ihren Fahrräder aneigneten. Doch eins haben sie alle gemeinsam: Sie möchten ihrem Hobby nachgehen, ohne vorher weit zu sogenannten Trails – also schmalen Pfaden im Wald – fahren zu müssen. Der nächstgelegene Trail befinde sich in Bad Endbach, erklärt Mario Gerber, der selbst seit sieben Jahren leidenschaftlicher Mountainbiker ist.

Enormer Zuspruch

„Unsere Sportart bekommt enormen Zuspruch. Es wird viel gemacht“, freut er sich, berichtet von Trails in Skigebieten und dem Wunsch, solche Pfade mit den anderen Abteilungsmitgliedern im Kirchhainer Stadtwald anlegen zu dürfen. Einen gibt es bereits: Der Hunburgtrail bei Burgholz wurde vor einigen Jahren geschaffen. „Wir haben ihn als Privatleute übernommen – aber es ist schwierig, privat eine solche Anlage zu halten. Vor allem mit der Versicherung ist es alles andere als einfach“, sagt Sven Lauer, der Vorsitzende der Mountainbike-Abteilung.

Um dieses Problem zu lösen, setzten sich einige Mountainbiker mit den Verantwortlichen des TSV Kirchhain zusammen und gründeten letztendlich die 13. Abteilung des Vereins. Zudem nahmen sie Kontakt zur Stadt auf mit dem Wunsch, weitere Trails anlegen zu dürfen. Diese sollen insgesamt rund vier bis fünf Kilometer lang sein und im Wald zwischen den Windrädern bei Burgholz (oder dem dortigen Wanderparkplatz) und, grob gesagt, dem Wasserwerk Wohratal am Ortsausgang von Kirchhain liegen. Bei den Mitgliedern des Ausschusses „Soziales, Sport und Kultur“, bei Bürgermeister Olaf Hausmann und den vier Bike-Schools in der Nähe (Alfred-Wegener-Schule, Berufliche Schulen, Georg-Büchner-Schule und Mittelpunktschule) stießen sie dabei auf fruchtbaren Boden. Nun heißt es, vornehmlich im Gespräch mit der Unteren Naturschutzbehörde die endgültigen Streckenführungen festzuzurren. Aber auch das Gespräch mit Hessen Forst wollen die Biker noch einmal suchen, da sie gerne ein kleines Teilstück durch Staatsforst führen möchten.

Sorgfältige Planung

„Ich sehe das Projekt als gute Ergänzung zum Freizeitangebot in Kirchhain“, kommentiert der Bürgermeister das Anliegen und lobt die Mountainbiker zum einen für die sorgfältige Planung, aber auch für das Ausarbeiten eines Verhaltenskodex. In diesem stellen sie unter anderem heraus, dass sie eine hohe Naturverträglichkeit gewährleisten, auf andere Waldnutzerinnen und -nutzer achten und ein hohes Maß an Sicherheit gewährleisten wollen.

Zudem soll ihre Strecke sowohl für ambitionierte Bikerinnen und Biker als auch für Anfängerinnen und Anfänger nutzbar sein. „Mountainbiker haben einen negativen Ruf – dagegen wollen wir vorgehen“, betont Lauer und ergänzt, dass es nicht Ziel sei, quer durch den Wald zu brettern, sondern im Einklang mit anderen Waldnutzern unterwegs zu sein. Die schmalen Biketrails sollen in der Nähe bereits existierender Wege entstehen und die Hindernisse aus Naturmaterialien bestehen. Zu Demonstrationszwecken haben sie dafür schon einmal ein paar Meter Trail mit einer kleinen Rampe aus Holz und Lehm errichtet sowie einen Anlieger – also quasi eine Kurve mit erhöhten Wänden. „Das passt sich gut in die Landschaft ein“, kommentierte Jochen Schröder, der Vorsitzende des Ausschusses „Soziales, Sport und Kultur“.

Und auch mit dem Thema „Wild“ haben sich die Biker auseinandergesetzt und Informationen zusammengetragen. Unter anderem führen sie Quellen an, die besagen, dass bei 6 Prozent der Kontakte mit Radfahrern das Wild Reißaus nehme – bei Fußgängern seien es indes 60 Prozent. Und auch in die Stadtgesellschaft bringen sie sich bereits ein: So nahmen sie am lebendigen Adventskalender teil und planen, sich auch an Aufforstungsarbeiten zu beteiligen.

Von Florian Lerchbacher