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Ostkreis Mit „Hausmannskost“ und jeder Menge Freude
Landkreis Ostkreis Mit „Hausmannskost“ und jeder Menge Freude
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14:00 28.02.2022
Olaf Hausmann (links) überreicht Wilfried Kraft Wahlwerbung und etwas „Hausmannskost".
Olaf Hausmann (links) überreicht Wilfried Kraft Wahlwerbung und etwas „Hausmannskost". Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Eigentlich will Olaf Hausmann (SPD), wenn er im Straßenwahlkampf von Haus zu Haus zieht, nur ein bisschen Werbung für sich abgeben und die Bürgerinnen und Bürger daran erinnern, dass am 6. März Bürgermeisterwahl ist. Doch dabei bleibt es in den wenigstens Fällen, denn der Amtsinhaber kennt unglaublich viele Kirchhainerinnen und Kirchhainer persönlich – und so bleibt es in den seltensten Fällen bei der reinen Kurzinfo. Stattdessen gibt es immer wieder einen kleinen Austausch: mal über die Gesundheit, mal übers Wetter, mal über die aktuellen Geschehnisse in der Welt. Aber nie spricht er Kirchhainer Themen an – das müssen wenn überhaupt die Menschen übernehmen, mit denen er redet.

Zum einen, weil Hausmann niemandem eine politische Diskussion aufzwingen möchte, zum anderen, weil er sonst nicht genügend Zeit hat, in möglichst vielen Haushalten persönlich Gesicht zu zeigen. Doch nur selten haben die Bürgerinnen und Bürger auch wirklich den Wunsch, an ihrer Haustür konkrete Themen der Stadtpolitik anzusprechen. Auf Nachfrage dieser Zeitung lassen sie sich höchstens kurz dazu hinreißen. So wie Gudrun Görge, die dem amtierenden Bürgermeister zwar für den Wahlkampf die Daumen drückt. „Aber das mit dem Marktplatz, das soll er machen lassen“, erklärt sie mit Blick auf die Überlegungen, den Verkehr aus Kirchhains Herzen herauszuholen. „Den Marktplatz können Sie schöner machen – aber er soll offen bleiben“, sagt ein Senior, dem aber im Gespräch mit Hausmann etwas ganz anderes auf dem Herzen liegt: „Sie können mich ruhig beim Spazierengehen im Feld auch mal grüßen.“

Gute Laune ist Trumpf

Meist sind es eher Kleinigkeiten, die den Menschen in ihrer näheren Umgebung aufgefallen sind und die sie dann, wenn sich die Gelegenheit bietet, auch ansprechen. In der Röthestraße fehle an einer Stelle eine Straßenlaterne, kritisiert zum Beispiel Thomas Neurath – ein Hinweis, den Hausmann sofort aufnimmt und verspricht, ihn im Rathaus weiterzugeben und prüfen zu lassen. „Der Bürgersteig könnte mal gemacht werden“, moniert Reinhard Lesch – ein ganz entfernter Verwandter von CDU-Kandidat Holger Lesch, bei dem Hausmann allein schon aufgrund des Nachnamens unbedingt klingeln will. Den Spaß lässt er sich nicht nehmen.

Ohnehin scheint es, als sei der Straßenwahlkampf eher ein Grund zur Freude als eine Pflichtaufgabe. Gute Laune ist Trumpf, schließlich treffe er jede Menge nette Leute, erklärt Hausmann, klingelt bei Fußball-Kumpel Wilfried Kraft und überreicht ihm neben seiner Wahl-Karte (für jeden Stadtteil gibt es eine eigene, auf der drei bis fünf geplante Themen stehen) etwas „Hausmannskost“. Die von seinen Schwestern zubereiteten Gläschen mit Marmelade ließen sich nur öffnen, wenn das Kreuz an der richtigen Stelle gemacht werden, sagt er öfters. Ob dies bei ihm der Fall sei, will der Senior nicht preisgegeben. Aber unabhängig vom Ausgang der Wahl verspricht Kraft: „Beim Fußball werde ich ihm das ein oder andere Mal das Bein stellen.“

Apropos Fußball: Eine Seniorin bekommt gleich zwei Gläschen Hausmannskost hinterlassen – das eine für sie, das andere für „die Freundin des Enkels“. Denn diese ist ebenso wie der Bürgermeister Fan von Schalke 04 und hat somit unbekannterweise bei ihm gleich ein Stein im Brett.

„Ich bin halt Kirchhainer. Das macht es einfacher“, kommentiert Hausmann die Tatsache, dass er jede Menge seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger persönlich kennt. Und dass er hin und wieder auch Kritik erntet, gehöre eben zum Geschäft. „Es ist ja okay, wenn die Menschen sagen: Das wollen wir nicht. Aber man muss auch mal Alternativen denken und auch denken dürfen“, resümiert er und verweist darauf, dass die Sperrung des Marktplatzes genau so ein Punkt ist: Er habe seine Meinung – aber entschieden sei noch lange nichts.

Von Florian Lerchbacher

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