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Ostkreis Meister Adebar vermehrt sich weiter
Landkreis Ostkreis Meister Adebar vermehrt sich weiter
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07:54 10.06.2020
Zwei junge Störche sitzen Ende Mai auf einem Mast an der Radenhäuser Lache. Ein Altvogel wacht über sie. Quelle: Thorsten Richter
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Kirchhain

Vor 13 Jahren war die Freude im Landkreis riesig: Das erste Weißstorch-Pärchen seit Jahrzehnten hatte sich angesiedelt. Keiner hätte wohl geahnt, was folgte. Aktuell leben, vor allem im Gebiet Radenhäuser Lache, etwa 80 Störche im Landkreis, davon 35 Pärchen.

Das ist Winfried Krälings Zwischenbilanz. Kräling ist Storchenbeauftragter des Nabu-Kreisverbandes Marburg-Biedenkopf. Seit 2007 beobachtet er die Entwicklung im Landkreis aktiv und sammelt die Beobachtung vieler Unterstützer.

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„Die Storchenpopulation bei uns entwickelt sich rekordverdächtig“, sagt auch Andreas Trepte, der Nabu-Kreisvorsitzende. Das dürfte im Augenblick die schönste Erfolgsgeschichte in der heimischen Natur sein. Und die Storchenpaare haben auch in diesem Frühjahr wieder für reichlich Nachwuchs gesorgt.

Aktuell zählt Kräling in seiner Zwischenbilanz 69 Jungvögel. Doch diese Zahl ist noch nicht abschließend. Es könnten noch Tiere sterben, außerdem seien nicht alle Storchennester ausreichend einsehbar. In 32 Nestern gibt es Nachwuchs, die meisten auf den Masten der Radenhäuser Lache.

Babys in Schockstarre

Erst in etwa vier Wochen dürfte feststehen, wie viele Jungtiere im Kreis geboren und dann auch flügge geworden sind. Im vergangenen Jahr waren es 66 Tiere, die im Landkreis flügge wurden, so geht es aus Krälings Bilanz, erstellt im vergangenen August, hervor.

In den vergangenen Jahren hatten Kräling und seine Helfer auch immer wieder junge Störche beringt, also mit Ringen versehen. Das ist nur eine begrenzte Zeit nach der Geburt möglich, eigentlich nur einige Wochen. „Die jungen Störche verfallen in den ersten Wochen in eine Art Schockstarre und kauern sich an den Boden des Nestes, wenn Gefahr droht“, sagt Kräling. Dann lassen sie sich beringen.

Elternteil kam in Hachborn zur Welt

Ist dieses Entwicklungsstadium der Tiere vorbei, verzichten die Tierfreunde darauf. „Denn wir wollen nichts riskieren“, betont der Schröcker im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Ringe machen es möglich, je nachdem genau festzustellen, welches Tier auf welchem Nest sitzt. Es gab auch dieses Frühjahr wieder einige Besonderheiten.

So ist erstmals seit vielen Jahren ein älterer Mast in Rüdigheim von einem Storchenpaar mit Nachwuchs besetzt. Übrigens von mindestens einem Vogel, der in Hachborn das Licht der Welt erblickt hat und inzwischen zwei Jahre alt ist.

Störche sind eigenwillig

Gibt es nicht Grenzen für die Entwicklung der Storchenpopulation im Landkreis? „Dies erkennen die Tiere, die sich ansiedeln wollen, schon selbst. Das Futter setzt die Grenze“, antwortet Kräling. Noch ist diese Situation, dass Störche angesichts zu vieler Artgenossen lieber weiterziehen, wohl nicht erreicht.

Es könnten noch einige Tiere hinzukommen, so Krälings Einschätzung. Gleichwohl will der Nabu darauf verzichten, noch weitere Masten aufzustellen. Lediglich die bereits genehmigten Masten, die etwa als Ersatz dienen sollen, werden noch gestellt werden. Dass Störche eigenwillige Tiere sind, haben die Storchenfreunde im Landkreis in Heskem beobachtet. Statt das fertig vorbereitete Nest zu wählen, siedelten sich die Tiere 50 Meter entfernt davon auf einem Silodach an.

Von Michael Rinde

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