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Ostkreis Kreativfrauen lassen sich nicht unterkriegen
Landkreis Ostkreis Kreativfrauen lassen sich nicht unterkriegen
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08:58 12.09.2021
Die Kreativfrauen um Vorsitzende Margret Landmesser – allesamt nun Trägerinnen der Goldenen Häkelnadel der Stadt Kirchhain – haben ein weiteres Tipi erstellt.
Die Kreativfrauen um Vorsitzende Margret Landmesser – allesamt nun Trägerinnen der Goldenen Häkelnadel der Stadt Kirchhain – haben ein weiteres Tipi erstellt. Quelle: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Trauer und Wut waren groß, als im Juli das liebevoll gestaltete und noch nicht einmal ein Jahr alte Tipi im Kirchhainer Annapark abbrannte. Doch ein Dutzend Mitglieder des Kreativteams um Margret Landmesser griffen einfach erneut zu ihren Häkelnadeln und schufen ein zweites Kunstwerk, das seit Freitag die Parkbesucher erfreut. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, erklären Cornelia Rhiel und Konstanze Neurath.

Sie hätten ohnehin vorgehabt, ein zweites Tipi zu erstellen, da sie noch zahlreiche, von fleißigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern gehäkelte Patches in ihrem Fundus hatten. Das sollte zwar eigentlich an einem anderen Ort im Stadtgebiet stehen, doch nach dem sinnlosen Akt des Vandalismus sei recht schnell klar gewesen: Nummer zwei kommt wieder in den Annapark – und es wird eben eines Tages noch eine dritte Version erstellt.

Innerhalb von sechs Wochen entsteht neues Kunstwerk

Bestand Tipi Nummer eins noch aus 945 einzelnen, jeweils 20 mal 20 Zentimeter großen Patches, so sind es dieses Mal rund 750. „Etwa 150 mussten wir noch nachmachen, den Rest hatten wir noch“, berichtet Neurath, die zusammen mit ihren Mitstreiterinnen innerhalb von nur sechs Wochen das zweite Kunstwerk schuf. „Man hat jetzt ja Übung und kennt die Technik“, sagt sie und ergänzt, dieses Mal nur zweimal auf dem Boden gelegen zu haben.

Das Stichwort lautet Schonhaltung: „Manchmal steht man, manchmal sitzt man – irgendwie muss man Beine, Rücken oder Po ja entlasten“, erläutert die Kirchhainerin und fügt mit einem Lachen hinzu, dass sie einmal fiesen Muskelkater im Hintern gehabt habe.

Quadrate spiegeln Gesellschaft wieder

Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Dies unterstrichen auch Bürgermeister Olaf Hausmann und die städtische Mitarbeiterin Sabine Balzer, die einst während des Lockdowns die Idee gehabt hatte, das Projekt der Remscheider Künstlerin Ute Lennartz-Lembeck auch in Kirchhain umzusetzen – jeder Mensch könne schließlich zuhause Patches gestalten und so unabhängig von anderen an den Grundlagen für das spätere Gemeinschaftsprojekt mitwirken.

„Die Quadrate sind so, wie jeder Mensch gestrickt ist – aber gleichzeitig passen sie zusammen“, hatte Lennartz-Lembeck während der ersten Einweihung im Oktober 2020 betont und ergänzt, dass sie dadurch die Gesellschaft repräsentierten.

Einweihung am Freitag

„Wir freuen uns sehr, dass hier wieder ein solches Schmuckstück steht“, sagte Hausmann während der Einweihung am Freitagnachmittag (10. September), die die Stadt in die Aktion „Bewegung im Park“ integriert hatte, bei der zahlreiche Vereine und Initiativen ein buntes Programm zum Mitmachen bereithielten. So ließen beispielsweise die Handballer des TSV Kirchhain die Bälle und die Linedancerinnen der Hotheels Großseelheim die Beine fliegen.

Insgesamt gibt es auf der Welt rund 50 dieser Tipis – von Kirchhain über Köln und Berlin bis nach New York, Kenia oder Taipeh. Diese Kunstwerke sollen nicht nur Blickfang sein, sondern insbesondere ein Zeichen des Zusammenhalts der Menschen.

Eine Goldene Häkelnadel für die Frauen

Und für die Kreativfrauen gab es dieses Mal ein ganz besonderes Geschenk: Hausmann und Balzer überreichten ihnen nicht nur einen Essensgutschein und eine Blume, sondern verlieh jeder der zwölf fleißigen Handarbeiterinnen eine Goldene Häkelnadel.

Die fleißigen Kreativfrauen sind: Margret Landmesser, Monika Fink, Konstanze Neurath, Cornelia Rhiel, Heidi Klaner, Elfriede Sartorius, Marga Wilhelm, Olga Gillung, Roswitha Huhn, Christina Rausch, Helga Holz und Canan Sayli.

Von Florian Lerchbacher