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Ostkreis Großer Bahnhof am Bahnhofsprojekt
Landkreis Ostkreis Großer Bahnhof am Bahnhofsprojekt
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19:00 07.11.2021
Die Arbeiten am „Hausbahnsteig“ oder „Außenbahnsteig“ sind in vollem Gange.
Die Arbeiten am „Hausbahnsteig“ oder „Außenbahnsteig“ sind in vollem Gange. Quelle: Fotos: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange, und die Deutsche Bahn gab am Freitagmorgen einen Einblick in den gut laufenden Umbau des Kirchhainer Bahnhofs – nichtsdestotrotz fand trotzdem noch ein symbolischer Spatenstich für das Projekt statt. Ein Projekt, auf das die Kirchhainer bereits seit den 1990er Jahren warten, wie altgediente Stadtverordnete am Rande der Veranstaltung schmunzelnd betonten und dazu passend nahezu historische Umgestaltungspläne mitgebracht hatten.

Rund elf Millionen Euro werden verbaut – die Bahn zahlt rund 1,7 Millionen Euro, das Land 7,4 Millionen Euro, die Stadt 1,3 Millionen Euro und der Rhein-Main-Verkehrsverbund etwa eine weitere Million Euro, wie Dr. Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Deutsche Bahn AG für das Land Hessen, berichtete. Im Vordergrund steht neben der Modernisierung die Barrierefreiheit. Im ersten Bauabschnitt erhöhen Fachkräfte den Haus- beziehungsweise Außenbahnsteig (Gleis 5) auf 55 Zentimeter, um Reisenden ein komfortables Ein- und Aussteigen zu ermöglichen. Zudem modernisiert die Bahn die Bahnsteigausstattung, tauscht die Beleuchtungsanlage aus und baut ein neues Wetterschutzhaus. Hinzu kommen eine digitale Anzeige und ein neuer Fahrkartenautomat. Die Arbeiten der ersten Phase sollen noch in diesem Monat beendet werden.

Die Arbeiten sollen im April 2023 fertig sein

Der zweite Bauabschnitt beginnt dann im Dezember 2022. Dann sollen Spezialkräfte auch den Mittelbahnsteig an den Gleisen 1 und 2 auf 55 Zentimeter anheben. Gleichzeitig rüstet die DB die Bahnsteige für die Main-Weser-Bahn bereits für eine spätere Anhebung auf 76 Zentimeter vor, berichtete Stefan Schwinn, der Leiter des Regionalbereichs Mitte der DB Station & Service AG.

Des Weiteren bekommt der Bahnhof eine neue Treppe (ein Aufgang verschwindet und wird durch einen Aufzug ersetzt), ein neues Dach und eine neu gestaltete Unterführung. „Beide Bahnsteige sind künftig barrierefrei erreichbar“, teilt die Bahn mit: Daher werden Aufzüge eingebaut. Die Arbeiten sollen im April 2023 abgeschlossen werden. 15 Prozent des Gesamtprojektes würden jetzt, die restlichen 85 Prozent im zweiten Bauabschnitt erledigt, so Vornhusen.

Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, stellte heraus, dass Barrierefreiheit essenziell sei, um die Bahn als Verkehrsmittel noch attraktiver zu machen und im Sinne des Klimaschutzes zu fördern. Vornehmlich deswegen beteilige sich das Land mit 7,4 Millionen Euro, sagte er und stellte heraus, dass auch ein Blindenleitsystem vorgesehen ist. Insgesamt wolle das Land bis 2030 in 119 Bahnhöfe rund 584 Millionen Euro investieren.

Bürgermeister Olaf Hausmann hob zunächst die zentrale Lage der Stadt hervor, die „so ziemlich genau in der Mitte“ zwischen Kassel und dem Rhein-Main-Gebiet liege. Er vergleiche Kirchhain gerne mit einem Burger: „In der Mitte ist das Leckere, Kassel und das Rhein-Main-Gebiet sind das Brötchen.“ Außerdem sprach er an, dass der Bahnhof insbesondere für Pendler und Schüler wichtig sei – aber auch für Radfahrer, da sowohl der R2 als auch der R6 an Kirchhain vorbeiführen. Der Vorplatz sei bereits gemacht, und wenn dann auch der Bahnhof modernisiert sei, lasse sich von einem attraktiven und einladendem Tor zur Stadt sprechen. Auch er blickte vornehmlich nach vorne, aber auch kurz zurück: Schon 2013 sei die Rede davon gewesen, dass die Stadt 1,3 Millionen Euro investieren müsse, zwischenzeitlich sei die Summe auf zwei Millionen Euro gestiegen: „Schön, dass wir wieder am Startpunkt angelangt sind.“ Auch Dr. André Kavai, der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, widmete sich insbesondere der zentralen Lage Kirchhains: Vor Beginn der Corona-Pandemie habe es am Bahnhof rund 2 500 Ein- und Ausstiege gegeben. Ziel sei, bis zum Jahr 2030 die Fahrgastzahlen um 30 Prozent zu erhöhen. Das gelte natürlich auch für das „Drehkreuz“ Kirchhain, dessen Bahnhof von sieben lokalen und zwei regionalen Buslinien angefahren werde.

Projektleiter Sandro Schmidt gab während einer Baustellenbegehung noch Detailinformationen. So berichtete er unter anderen, dass ein Problem des Projektes die Kurvenlage des Bahnhofs sei. Das größte Problem könnte aber der Tiefbau werden, da sich an Anlagen wie dieser immer sehr viele Dinge im Boden befänden. Grund zur Sorge bedeute dies aber nicht.

Von Florian Lerchbacher

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