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Ostkreis Ein zweiter Weber wird Ehrenbürger
Landkreis Ostkreis Ein zweiter Weber wird Ehrenbürger
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07:58 04.09.2021
Am heutigen Samstag wird Klaus Weber zum Kirchhainer Ehrenbürger ernannt.
Am heutigen Samstag wird Klaus Weber zum Kirchhainer Ehrenbürger ernannt. Quelle: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

„Normalerweise stehe ich bei Ehrungen ja auf der anderen Seite“, sagt Klaus Weber – beispielsweise einst in seiner Funktion als Stadtverordnetenvorsteher in Kirchhain oder Präsident des Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterverbandes. Jahrzehntelang hatte er diese Posten inne, inzwischen jedoch nicht mehr, denn mit 75 Jahren zieht er sich langsam aber sicher etwas zurück.

Und so ist es an der Zeit, dass ihm besondere Ehrungen zuteilwerden: Die Vogelzüchter ernannten ihn im vergangenen Jahr bereits zum Ehrenpräsidenten, in seiner Heimatstadt wird er am heutigen Samstag (4. September) als Anerkennung seines langjährigen Wirkens zum Ehrenbürger ernannt.

Ein besonderer Ort

Passenderweise findet der Festakt in der Halle Mitte der Alfred-Wegener-Schule statt, einem „sehr emotionalen Ort“, mit dem Weber viel verbindet, da er dort als Schüler, Lehrer und Kommunalpolitiker viele schöne und aufregende Stunden verbracht hat: zum Beispiel als Darsteller in der Schulaufführung des Stückes „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal oder später als Rückraumfackel in Reihen der Handballer des TSV Kirchhain (nur wenige Meter weiter stellte er übrigens mit 10,9 Sekunden auf der damaligen Aschebahn den noch immer gültigen Schulrekord über 100 Meter auf).

Freude über die Wertschätzung

Der gebürtige Kirchhainer freut sich über die Wertschätzung und Anerkennung, die ihm durch die Ernennung zum Ehrenbürger am heutigen Samstag zuteilwird, betont aber gleichzeitig, dass ohne die zahlreichen Mitstreiter, die weniger im Rampenlicht standen, all das Erreichte gar nicht möglich geworden wäre. Insbesondere seine Frau Doris stellt er dabei heraus, die ihm stets den Rücken freigehalten und dabei auch gleich noch die drei Kinder des Ehepaares großgezogen habe.

„Es ist ein bisschen schade, dass ich mich nicht bei allen bedanken kann“, erklärt Weber und verweist fast entschuldigend darauf, dass der Festakt unter Corona-Bedingungen nur in kleinem Rahmen stattfinden kann.

1974 begann das Engagement

Im Jahr 1974 hatte Webers kommunalpolitisches Engagement auf Landkreis-Ebene begonnen (wo er noch immer tätig ist und unter anderem seit 2011 als Vorsitzender der Regionalversammlung Mittelhessen fungiert). 1981 wählten ihn die Kirchhainer bei seiner ersten Kandidatur in die Stadtverordnetenversammlung, deren Mitglieder den Sozialdemokraten dann gleich auch zum Vorsteher ernannten.

Ein Posten, den er 30 seiner 40 aktiven Jahre in dem Gremium bekleidete. Zwischen 2006 und 2016 bildete die SPD die Opposition, und er war „nur“ Stellvertreter. In dieser Funktion legte Weber stets großen Wert auf einen vernünftigen und respektvollen Umgang der Stadtverordneten untereinander.

Gute Menschenkenntnis

Sein Beruf als Lehrer und die daraus resultierende Menschenkenntnis sei ihm dabei durchaus zugutegekommen, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung und betont, dass auch die sonderpädagogische Ausbildung sehr geholfen habe: „Wichtig ist, dass man einander zuhört und auch mit politisch Andersdenkenden, die eine andere Meinung vertreten, ordentlich umgeht.“

Allerdings hat der angehende Ehrenbürger in den vergangenen 40 Jahren in diesem Zusammenhang auch eine deutliche Veränderung gespürt: „Die Anforderungen auch an die Kommunalpolitiker sind viel höher geworden, die Leute sind kritischer und vor allem fordernder.“ Gleichzeitig sei es schwieriger, Menschen zu finden, die sich nicht nur in einzelne Projekte einbringen, sondern bereit sind, „allgemein“ Verantwortung zu übernehmen: „Oft habe ich den Eindruck, dass sich stark an den eigenen Interessen und nicht am Allgemeinwohl orientiert wird.“

Fast 50 Jahre lang in der Politik tätig

Fast 50 Jahre ist Klaus Weber nun in der Politik tätig. Bereits im Jahr 2004 wurde ihm das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Besonders in Erinnerung blieb dem Kirchhainer dabei, dass der damalige Justizminister Dr. Christean Wagner (CDU) ihn mit Verweis auf die Parteizugehörigkeiten geneckt hatte mit den Worten: „Das hätten Sie sich nicht träumen lassen, dass Ihnen einmal zwei Schwarze das Bundesverdienstkreuz verleihen.

Immerhin hat der Bundespräsident die Urkunden unterschrieben – und der ist ja SPD.“ Diese Anekdote verleitete einen Freund aus den Reihen der Vogelzüchter zum Hinweis: „Eine solch gelöste Stimmung und Atmosphäre ist nur unter sich respektierenden Kollegen möglich.“

Ein zweiter Weber wird Ehrenbürger

Bleibt abzuwarten, ob am heutigen Samstag eine ähnliche Stimmung herrscht, wenn die neue Stadtverordnetenvorsteherin Helga Sitt, Bürgermeister Olaf Hausmann, Bürgermeister a.D. Klaus Hesse, der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow und Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich während des Festaktes ans Mikrofon treten.

Klaus Weber ist danach jedenfalls neben Willibald Preis der zweite lebende Ehrenbürger Kirchhains. Eine Würde, die übrigens auch dem langjährigen Bürgermeister Heinrich Weber zuteilgeworden war – dem Onkel Klaus Webers.

Von Florian Lerchbacher