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Ostkreis Zurück in die Zukunft
Landkreis Ostkreis Zurück in die Zukunft
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15:00 28.09.2019
Die Reaktivierung der Ohmtalbahn findet immer mehr Fans Quelle: Archivfoto
Kirchhain

Statt Kritik an dem gewagten Vorhaben gab es von allen Fraktionen Zustimmung – und neue Informationen. Die kamen vom Grünen-Fraktionsvorsitzenden Reiner Nau, der in Vertretung von Professor Rainer Waldhardt die Sitzung leitete. Reiner Nau berichtete aus dem Kreishaus. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow habe abseits der bereits angeschobenen Vorgänge um die Aar-Salzbödetal-Bahn auch andere Nebenbahnen des Kreises genannt.

Die stillgelegten Nebenbahnen im Landkreis

  • Marburger Kreisbahn: Der damalige Landkreis Marburg baute die 16,5 Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen dem Marburger Südbahnhof und Dreihausen, die er 1905 eröffnete und auch betrieb. Neben dem Basalttransport gab es auch Personenverkehr auf der Schiene, der 1956 eingestellt wurde. Die letzten Güterzüge verkehrten auf einem Teilstück der Bahn 1998. Die Gleise wurden demontiert und wichen einem Radweg.
  • Scheldebahn: Die 37 Kilometer lange Strecke verband Dillenburg mit Biedenkopf und wurde in Gänze 1911 fertiggestellt. Ab Lixfeld führte die Strecke durch den Landkreis Marburg-Biedenkopf. Betrieblicher Mittelpunkt war der Kreuzungsbahnhof Gönnern. 1987 wurde der Personenverkehr eingestellt, zugleich der Güterverkehr zwischen Dillenburg und Niedereisenhausen. Ab 1991 rollte auch zwischen Niedereisenhausen und Breidenbach kein Güterzug mehr. Bis 1993 verschwand der größte Teil der Trasse. Zuletzt wurden über das verbliebene Gleis bei Breidenstein Holztransporte abgefahren.
  • Wohratalbahn: Der 19,2 Kilometer langen Bahnstrecke war nur ein kurzes Leben beschieden. 1914 fuhr der erste Zug von Kirchhain Richtung Gemünden. Der Personenverkehr wurde 1972 mangels Masse eingestellt. 1981 folgte der Güterverkehr. Zum 31. Dezember 1981 legte die Bahn die Strecke still. Besonderheit: Der Verein Aktive Störche Ernsthausen restaurierte das Bahnhäuschen in der Wambach-Siedlung und baute eine Eisenbahn-Kulisse auf. Für das öffentlich zugängliche Denkmal bekam der Verein den Denkmalpreis des Kreises.
  • Aar-Salzbödetal-Bahn: Die 43 Kilometer lange Strecke verband ab 1902 Niederwalgern und Herborn. Vier Kunstbauten prägten die Strecke: Die Viadukte bei Wommelshausen, in Bad Endbach und in Hartenrod sowie der Hartenroder Tunnel. Der Güterverkehr verschwand 1995. Für den Personenverkehr war im Juni 2001 Schluss. Besonderheit: Beim Rückbau der Strecke 2006 ließ sich die Bahn unbemerkt von einer Bande fünf Kilometer Gleis klauen. OP-Redakteurin Carina Becker hatte den Skandal aufgedeckt. Eine Machbarkeitsstudie befasst sich mit der Wiederbelebung der Strecke.

Die Ohmtalbahn sei darunter. Reiner Nau bat Bürgermeister Olaf Hausmann, in dieser Angelegenheit Kontakt mit Marian Zachow aufzunehmen. Ansonsten warb er für eine leise Diplomatie: „Wer sind unsere Ansprechpartner? Was sind die nächsten Schnitte?“. Es gehe darum, den Nachbarkreis und die benachbarten Orte auf den Weg mitzunehmen. Je mehr mitmachten, umso größer seien die Chancen für eine positive Entwicklung.

Die Kommunen müssten das alle wollen, so Reiner Nau. Auch Dr. Christian Lohbeck warb dafür, sensibel zu verhandeln und eine gemeinsame Basis zu finden. Reinhard Heck (Die Linke) hatte zuvor noch einmal den Antrag begründet. SPD und Linke wollten ein Zeichen setzen für die Verkehrswende und den Verkehrsträger Bahn fördern.

Was tun für eine Reaktivierung?

Für eine Reaktivierung einer Nebenbahnstrecke gibt es kein Patentrezept. Auch eine gewisse Fahrgastzahl ist kein verlässlicher Parameter. Das teilte der Rhein-Main-Verkehrsverbund RMV auf OP-Anfrage mit.
„Der Aufwand für eine Reaktivierung und den anschließenden Betrieb der Bahnlinie kann von Bahnstrecke zu Bahnstrecke sehr unterschiedlich sein. Regt eine Kommune eine solche Reaktivierung an, wird die Idee zuerst von der zuständigen lokalen Nahverkehrsorganisation (LNO) bewertet. Dabei ist immer auch die aktuelle ÖPNV-Erschließung, in der Regel mit Busverkehr, gegenüber zu stellen, was die LNO entsprechend einschätzen kann“, heißt es in der Mitteilung.
Der RMV komme erst dann ins Spiel, wenn die Lokale Nahverkehrsorganisation des Landes Hessen LNO eine Reaktivierungsstudie befürwortet und diesbezüglich an den RMV heran trete.

Die Ohmtalbahn sei wegen ihrer günstigen Topografie besonders geeignet, um die acht Kilometer demontiertes Gleis zwischen Ober-Ofleiden und Burg- und Nieder-Gemünden wieder herzustellen. Reiner Nau stellte zudem fest, dass man mit dem Zug im Ohmtal viel schneller zum Ziel kommt, als mit dem Bus. Die Hoffnung wächst. Die OP sah sich gestern entlang der Trasse um. Das Ergebnis: Die Renovierung der Strecke 2009 hat die Infrastruktur für Fahrgäste in Amöneburg und in Rüdigheim zerstört.

In Amöneburg gibt es vom Wartehäuschen keinen Zugang mehr zum Gleis. In Rüdigheim gibt‘s nur noch das nackte Gleis. Dort fragte ein Passant, ab wann es denn wieder den Personenverkehr auf der Ohmtalbahn gäbe. Dieser wäre für seinen Sohn sehr günstig, sagte er. Dann sagte noch einer, die Ohmtalbahn wird nicht gebraucht.