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Ostkreis Bürgerhaus-Nutzung wird teurer
Landkreis Ostkreis Bürgerhaus-Nutzung wird teurer
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18:00 21.07.2022
Für die Nutzung der Räume des Kirchhainer Bürgerhauses werden pro Quadratmeter statt bisher 68 Cent künftig 95 Cent fällig.
Für die Nutzung der Räume des Kirchhainer Bürgerhauses werden pro Quadratmeter statt bisher 68 Cent künftig 95 Cent fällig. Quelle: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Vor zehn Jahren hatte die Stadt Kirchhain letztmalig die Preise für die Nutzung der Bürgerhäuser erhöht. Nun sei eine weitere „Anpassung“ dringend angezeigt, sagt Bürgermeister Olaf Hausmann mit Verweis auf gestiegene Personal-, Sach- und insbesondere Energiekosten. Daher hebt die Stadt die Preise um 40 Prozent an – wobei diese aber auch dann noch immer nicht kostendeckend seien, so der Rathauschef, der im gleichen Atemzug betont, dass künftig alle zwei Jahre ein Blick auf die Preisstrukturen geworfen werden solle.

Seit dem Jahr 2012 hat die Stadt die Trägerschaft über die Bürger- beziehungsweise Dorfgemeinschaftshäuser in Himmelsberg, Langenstein, Schönbach und Sindersfeld an Vereine in den jeweiligen Ortschaften weitergegeben. Dennoch ist sie weiterhin für die Gebäude in der Kernstadt, in Großseelheim, Anzefahr, Betziesdorf, Emsdorf, Kleinseelheim, Niederwald und Stausebach zuständig. Für alle diese Häuser sowie die Markthalle in Kirchhain und die Kegelbahnen gibt es künftig eine neue Tarif- und Benutzungsordnung.

Kostenbeispiele

Auf Wunsch dieser Zeitung und als Service für die Leserinnen und Leser hat Olaf Hausmann einige Zahlen zusammengetragen, um die Warmmiete zu verdeutlichen.

Der große Saal des Bürgerhauses ist beispielsweise rund 242 Quadratmeter groß. Die Nutzung pro Tag kostet also künftig rund 230 Euro. Beim kleinen Saal mit einer Größe von 89 Quadratmetern werden künftig rund 85 Euro fällig. Zudem gibt es ein Technikpaket: Die Nutzung des Beamers kostet 30 Euro pro Tag, die der Leinwand 20 Euro, die der Beschallungsanlage 70 Euro. Wer das Gesamtpaket bucht, zahlt 100 Euro pro Tag.

Beispiele aus den Stadtteilen: Der große Saal der Mehrzweckhalle ist rund 282 Quadratmeter groß, die Nutzung kostet also künftig rund 226 Euro. Der Saal in Betziesdorf ist 221 Quadratmeter groß, wodurch Kosten von etwa 177 Euro entstehen. In Stausebach ist der Saal 60 Quadratmeter groß, dort kostet die Nutzung pro Tag also 48 Euro.

Für Kegelbahnen werden künftig neun Euro pro Stunde fällig.

Der Nutzungspreis in den Stadtteilen steigt dabei von 57 Cent pro Quadratmeter auf 80 Cent. Im Bürgerhaus Kirchhain werden statt bisher 68 Cent künftig 95 Cent pro Quadratmeter fällig, in der Markthalle werden es statt 16 Cent in Zukunft 22 Cent pro Quadratmeter sein. Schon jetzt ließen sich kleine Gebäude wie in Betziesdorf oder Emsdorf aber auch die Mehrzweckhalle Anzefahr durch hohe Auslastung kostendeckend betreiben, sagt Hausmann. Bei anderen wie beispielsweise dem Bürgerhaus Kirchhain sei das aber nicht annähernd der Fall: Dort liege der Deckungsgrad bei gerade einmal 50 Prozent – und das auch nur nach Miteinbeziehen der „internen Leistungsverrechnung“.

Ausnahmen und Sonderfälle

Diese kommt zum Zuge, wenn die Stadt die Gebäude nutzt, also beispielsweise für die Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung. „Rechnet man die interne Leistungsverrechnung dazu, liegen wir für alle Häuser bei 80 Prozent Kostendeckung – aber das ergibt eigentlich ein falsches Bild“, betont der Bürgermeister. Wirklich Geld komme schließlich nur durch Veranstaltungen rein – wobei auch da nicht für alles Kosten anfallen, beispielsweise kann jeder Verein für seine Jahreshauptversammlung ein Gebäude kostenlos nutzen. Bei Trauerfeiern und Gottesdiensten wird nur die Hälfte des Preises fällig. Zudem gibt es ein paar weitere Ausnahmen und Sonderfälle. „Die Einnahmen durch externe Vermietungen sind relativ gering“, stellte der Bürgermeister im Gespräch mit den Stadtverordneten heraus, die schon im Haupt- und Finanzausschuss eine Empfehlung für die Gebührenerhöhung ausgesprochen hatten. Nur Sigurd Meier von den Linken drückte sein Bedauern zu den Plänen aus. Die Situation in Deutschland sei schließlich angespannt und überall stiegen die Kosten, betonte er und bedauerte, dass auch bei kommunalen Einrichtung immer mehr die Meinung herrsche, dass diese sich wirtschaftlich tragen müssten. Dabei seien doch gerade die Bürger- und Dorfgemeinschaftshäuser Gebäude, die die Menschen kostengünstig nutzen können sollten: „Die Städte müssen dafür sorgen, dass die Infrastruktur vorgehalten wird – es soll sich doch jeder wohlfühlen können.“

Bei der Abstimmung enthielten sich die beiden Stadtverordneten der Linken. Der Rest der Versammlung segnete die Magistratsvorlage einstimmig ab.

Von Florian Lerchbacher

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