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Ostkreis Alfred-Wegener-Schule zeigt ihre Solidarität
Landkreis Ostkreis Alfred-Wegener-Schule zeigt ihre Solidarität
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17:28 15.03.2022
Nele Schediwy (von links, Schülersprecherin Jahrgänge 5 und 6), Julia Schäfer, Matthias Schmidt (Elternvertreter), Sebastian Sack, Emilie Hohl (Schülervertretung), Irmela Beuermann, Philip Hoffmann (hinten, Schülervertretung), Philipp Kuhaupt, Heike Wilhelm und Matthias Bosse freuen sich über die gemeinsame Spendenaktion – die letztendlich sogar 4.200 Euro einbrachte.
Nele Schediwy (von links, Schülersprecherin Jahrgänge 5 und 6), Julia Schäfer, Matthias Schmidt (Elternvertreter), Sebastian Sack, Emilie Hohl (Schülervertretung), Irmela Beuermann, Philip Hoffmann (hinten, Schülervertretung), Philipp Kuhaupt, Heike Wilhelm und Matthias Bosse freuen sich über die gemeinsame Spendenaktion – die letztendlich sogar 4.200 Euro einbrachte. Quelle: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Tagtäglich ist der Krieg in der Ukraine auch an der Alfred-Wegener-Schule Thema – sowohl auf dem Pausenhof als auch im Unterricht. „Wir sprechen regelmäßig über die Entwicklung und können jederzeit, wenn wir Fragen oder Anliegen haben, auf unsere Lehrkräfte zugehen“, berichtet Schulsprecher Philipp Kuhaupt und stellt heraus, dass dies sehr wichtig für die Schülerinnen und Schüler sei: Viele seien politisch interessiert und informierten sich auch selbständig über die Geschehnisse in der Welt. Es gebe aber eben auch einige, die dies nicht tun und die Aufklärung dringend benötigten. Themen im Unterricht seien beispielsweise die unterschiedlichen Interessenslagen der Länder, aber auch die historische Entwicklung vor dem Hintergrund der vergangenen rund 30 Jahre und der Geschichte der Sowjetunion. „Diese Aufklärung hilft sehr beim Verstehen, was gerade passiert“, ergänzt Julia Schäfer von der Schülervertretung.

Und natürlich komme es auch zu Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern, die einen russischen Migrationshintergrund haben: „Man merkt, dass einige von ihnen russisches Fernsehen schauen – und dass die Medien dort gleichgesteuert sind“, sagt Kuhaupt. Der Krieg werde dabei nicht als solcher, sondern als „spezielle Operation“ bezeichnet – was die russischstämmigen Mitschülerinnen und Mitschüler wiederum dementierten: „Es ist dann schwierig, zu klären, wer Recht hat.“ Vor allem sei das auch nicht zielführend, schließlich gehe es um Aufklärung: „Aber dennoch muss man seine Meinungsfreiheit behalten dürfen.

Niemand wird in Sippenhaft genommen

Für Schulleiter Matthias Bosse ist in diesem Zusammenhang wichtig, dass niemand für seine oder ihre Herkunft in Sippenhaft genommen wird: „Hier ist niemand Putin. Man muss aufpassen, was man sagt – gerade, wenn es emotional wird. Aber wer hier zur Schule geht, kann nichts für den Krieg. Dennoch werden manche nur aufgrund ihrer Herkunft schräg angeschaut. Das geht nicht. Wir müssen alle sehr sensibel mit dem Thema umgehen.“

„Es hilft ja auch nichts, darüber zu diskutieren, wer Schuld ist. Natürlich ist beim Thema Krieg niemand neutral und nichts rechtfertig einen Angriffskrieg – aber im Mittelpunkt müssen nun die Fragen stehen, wie sich ein Krieg beenden lässt und wie man helfen kann. Wir wollen zeigen, dass wir auf der Seite der Menschlichkeit stehen“, fügt Lehrer Sebastian Sack hinzu, der gemeinsam mit seinen Kolleginnen Irmela Beuermann und Heike Wilhelm unmittelbar nach Kriegsbeginn und einer Schweigeminute eine Spendenaktion an der Schule auf den Weg gebracht hat: „Wir wollten über die Geschehnisse sprechen, aber auch mehr tun als reden und aufklären.“

Schüler können Bitten, Gebete und Ängste aufschreiben

Schulseelsorgerin Wilhelm stellte auch gleich eine Box auf, in die Schülerinnen und Schüler Zettel mit ihren Bitten, Gebeten und Ängsten stecken können – die auch noch regelmäßig in die Friedensgebete in der Stadtkirche einbezogen werden. „Viele haben Angst, dass der Krieg auch nach Deutschland kommt und ihre Väter kämpfen und sie fliehen müssen. Eine zentrale Frage ist auch, wie sich Putin stoppen lässt“, gibt sie einen Einblick in die Gedanken der Kinder und Jugendlichen.

„Wir sind alle teilhaftig – und wollen aktiv etwas dafür tun, die Not in anderen Ländern zu lindern“, sagt Bosse über die Sammelaktion, bei der innerhalb von einer Woche 4.200 Euro zusammenkamen. Die Spenden kommen von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften und Mitarbeitenden der Alfred-Wegener-Schule. „Damit unterstreichen wir, dass wir eine Perspektive auf Menschlichkeit vertreten. Helfen kann jeder – im Großen wie im Kleinen“, sagt Sack, während Beuermann herausstellt, dass die Spenden anonym abgegeben wurden. So habe jeder geben können, was er oder sie sich leisten könne oder spenden wolle. Die gesammelten Gelder lässt die Schule der vom Landkreis und dem Roten Kreuz initiierten Spendenaktion für die Ukraine zukommen. So sei sicher, dass die Mittel auch komplett dort ankommen, wo sie benötigt werden, sagt Bosse.

Von Florian Lerchbacher