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Ostkreis Acht weitere Windräder sind geplant
Landkreis Ostkreis Acht weitere Windräder sind geplant
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17:00 23.01.2022
In den Windvorranggebieten bei Emsdorf sollen weitere acht Windkraftanlagen gebaut werden.
In den Windvorranggebieten bei Emsdorf sollen weitere acht Windkraftanlagen gebaut werden. Quelle: Florian Lerchbacher
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Emsdorf

Im Gebiet der Stadt Kirchhain sollen weitere acht Windkraftanlagen entstehen: Die Firma Alterric plant das Windparkvorhaben „Langenstein“, RWE das Projekt „Warthstrauch“. Genauer gesagt betreffen die Planungen die Gemarkungen Langenstein und Emsdorf, ein Windrad soll in der Gemarkung Burgholz stehen – allesamt Flächen, die im Jahr 2013 als Windvorranggebiete im Teilregionalplan ausgewiesen wurden. Die vorgesehenen Anlagen haben eine Gesamthöhe von 250 Metern (bei einer Nabenhöhe von 164 Metern und einem Rotordurchmesser von 163 Metern).

Diese Neuigkeiten waren jüngst Thema in der gut besuchten Sitzung des Emsdorfer Ortsbeirats. Ortsvorsteher Winfried Fritsch berichtet von verschiedenen Sorgen, die sich im Dorf breitmachen. Zum einen haben Emsdorfer die Befürchtung, von Windkraftanlagen umzingelt zu werden. Dies sei der Fall, wenn in mehr als 180 Grad der Umgebung Windräder stehen – also sozusagen in über der Hälfte der Blickrichtungen aus dem Dorf. Er glaube, dies sei gegeben, wenn die neuen Windräder gebaut werden, sagt Fritsch und verweist auf bereits bestehende acht Anlagen im Südwesten des Dorfes sowie auf 19 Anlagen im Nord-Osten, die zum Windpark Speckswinkel/Erksdorf gehören. Eine Vermutung, die auch schon Bernt Klappert, Magistratsmitglied der Grünen, im Bauausschuss geäußert hatte. Sie werde im Zuge des Genehmigungsverfahrens überprüft, hatte damals einer der Planer erklärt – eine Aussage, die Bürgermeister Olaf Hausmann im Gespräch mit dieser Zeitung bestätigt.

Eine weitere Befürchtung: Zum einen sorgen sich Emsdorfer, dass die neuen Anlagen – die höher sind als die bisherigen Modelle – für mehr Schattenschlag im Dorf sorgen und eine zusätzliche Schallbelastung bedeuten. „Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Windkraftanlagen sind bestimmt nicht schlecht, aber oftmals stehen die Windräder in der Nähe des Dorfes still. Daher fragen wir uns, ob das geplante Projekt wirklich Sinn macht“, sagt Fritsch und ergänzt, dass Bürger zudem fürchten, dass ihre Grundstücke und Häuser an Wert verlieren, wenn noch mehr Anlage in der Nähe des Dorfes stehen.

Eine einheitliche Meinung/Einstellung im Ort zu den Plänen gebe es noch nicht, resümieren der Ortsvorsteher und Astrid Lücke. Es könne durchaus sein, dass sich eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben gründet, schließt die Schriftführerin des Ortsbeirates aus dem Feedback, das das Gremium bisher bekommen hat. Einheitlicher Tenor im Dorf sei aber, dass der Ort von den vorgesehenen jährlichen Einnahmen in Höhe von 140 000 Euro profitieren solle. Ein Problem sei beispielsweise, dass keine befestigten Radwege in die Nachbarorte führten und Radfahrer immer die Hauptstraßen nutzen müssten, sagt Lücke – nach deren persönlicher Meinung vier weitere Standorte für Windkraftanlagen akzeptabel wären, acht aber etwas zu viel seien. Wichtig sei dabei aber auch, dass am geltenden Mindestabstand von 1 000 Metern zu Ortsrändern nichts verändert werde.

Unbeantwortete Anfragen zu Sachstandsberichten

Eine Kritik, die Ortsvorsteher Fritsch noch äußert, betrifft den Informationsfluss: Immer wieder habe das Gremium bei der Stadt um Sachstandsberichte zu den Planungen gebeten, aber selten Antwort bekommen, moniert er. Beispielsweise Anfragen nach den Sitzungen im März und Oktober 2021 seien unbeantwortet geblieben.

Die Stadt habe die Firmen, die sich mit den Planungen für die Windkraftanlagen beschäftigen, aufgefordert, sich abzustimmen – und nicht separat und konkurrierend die Projekte zu planen, kommentiert Bürgermeister Olaf Hausmann. Das habe eine Zeit gedauert. „Erst jetzt beginnt der Beteiligungsprozess“, erklärt er und äußert sich zur Kritik: „Vorher wäre es nicht sinnhaft gewesen, darüber zu diskutieren.“ Ihm wäre es auch lieber gewesen, nicht in nur einem Ortsbeirat Stellung zu beziehen, sondern dies auch gemeinsam mit Langensteinern und Burgholzern zu besprechen. Daher halte er es für sinnvoll, eine Bürgerversammlung einzuberufen – was er mit Stadtverordnetenvorsteherin Helga Sitt auch besprechen werde. Ein Stück weit könne er die Kritik verstehen, aber es habe eben eine Zeit gedauert, bis sich die beteiligten Firmen einig geworden seien. „Unser Ziel ist es, die Bürger abzuholen“, betont er und verweist auf die Frage, ob acht weitere Anlagen vertretbar seien, auf den Beschluss der Stadtverordneten aus dem Jahr 2013.

Damals seien die Windvorranggebiete festgelegt worden. „Die Entscheidung fiel also schon vor acht Jahren – sonst hätten wir die Gebiete einst kleiner definieren müssen.“ Das sei die Grundlage des Verfahrens. „Sollte sich eine Bürgerinitiative gründen, nehmen wir diese natürlich ernst.“ Aber wer die Energiewende wirklich wolle, müsse sich eben auch damit abfinden, dass Windräder gebaut werden: „Wind ist schließlich ein wichtiger Teil des Energiemixes, auf den wir setzen.“

Kommt noch zusätzlich ein Radweg?

Dass insbesondere Emsdorf, Langenstein und Burgholz von den Geldern, die Kirchhain über das Energieeinspeisungsgesetz erhält, profitieren sollen, sieht er nicht so: Auch die Bürger im Norden der Kernstadt würden die Anlage schließlich sehen, betont er. „Außerdem sollten wir uns als Stadt nicht auseinanderdividieren lassen. Notwendigkeiten ergeben sich aus dem Haushalt, an dem wir uns weiter orientieren. Die Anlagen entstehen in den Windvorranggebieten der Stadt Kirchhain – und nicht in den Windvorranggebieten Emsdorf oder Langenstein.“ Die Stadt werde aber schauen, dass sich im Rahmen eines Zuwegungsbaus zu den Windrädern eventuell auch ein Radweg umsetzen lasse.

Von Florian Lerchbacher