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Ostkreis Angeklagter lehnt eine Therapie ab
Landkreis Ostkreis Angeklagter lehnt eine Therapie ab
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00:17 02.05.2019
Vor dem Kirchhainer Amtsgericht musste sich ein 58-Jähriger wegen des Besitzes von kinderpornografischen Bildern verantworten. Quelle: Volker Hartmann
Kirchhain

Schon bei der Vernehmung durch die Polizei hatte sich der Kirchhainer voll geständig gezeigt. Vor Gericht machte er dann auch keinen Hehl daraus, dass sich auf seinem (schon lange eingezogenen) Handy 53 kinderpornografische Fotos befunden hatten. Richter Joachim Filmer betonte, dass es sich dabei um „harte Kinderpornos“ gehandelt habe.

Dies stellte auch die Sitzungsvertreterin der Staatsanwaltschaft heraus: „Und die sind nicht zufällig auf dem Handy gelandet – was der Angeklagte aber auch nie behauptet hat.“ Er habe jedoch auf der Suche nach diesen Bildern eine kriminelle Energie an den Tag legen müssen. Letztendlich forderte sie eine Bestrafung von 140 Tagessätzen à 60 Euro.

Der Angeklagte, der ohne Anwalt vor Gericht auftrat, blieb anschließend seiner stillen Linie treu und verzichtete auf das letzte Wort. Kommentarlos nahm er anschließend auch das Urteil hin, das der Forderung der Staatsanwaltschaft entsprach.

Doch Richter Filmer beließ es nicht nur bei der Urteilsverkündung. Der Angeklagte möge niemals vergessen, dass die Kinder die Aufnahmen nie und nimmer freiwillig hätten machen lassen: „Das sind Opfer, und sie werden durch die Vorfälle mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Leben lang geschädigt bleiben und darunter leiden.“ Der Angeklagte habe die Fotos zwar nicht geschossen: „Aber Sie sind ein Instrument. Wenn es keine Abnehmer für solche Bilder gäbe, dann würden sie auch nicht produziert. Oftmals sind es Pädophile, die diese Fotos machen – aber viele machen sie auch einfach aus finanziellen Gründen.“ Eine Verhandlung wegen des Besitzes solcher Aufnahmen sei jedenfalls keine Kleinigkeit.

Anschließend thematisierte er auch noch eine mögliche Therapie. Einer solchen habe er sich bisher nicht unterzogen und wolle dies auch nicht tun, hatte der Angeklagte während der Beweisaufnahme gesagt. Er möge die Verhandlung zum Anlass nehmen und seine Einstellung solle er noch einmal überdenken, appellierte Filmer an den 58-Jährigen. Zumindest solle er zu einer Beratungsstelle gehen – sonst sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Kirchhainer alsbald aus dem gleichen Grund wieder auf der Anklagebank sitzen werde.„Und nach einer ähnlichen Straftat befinden wir uns nicht mehr im Bereich einer Geld- sondern einer Freiheitsstrafe. Aber letztendlich ist das natürlich ihre Entscheidung, ob sie eine Therapie machen oder nicht.“

von Florian Lerchbacher