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Ostkreis „Mittlere Katastrophe“ scheint abgewendet
Landkreis Ostkreis „Mittlere Katastrophe“ scheint abgewendet
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18:00 27.05.2021
Die L 3290 zwischen Stadtallendorf und Niederklein wird wohl nicht für Monate voll gesperrt.
Die L 3290 zwischen Stadtallendorf und Niederklein wird wohl nicht für Monate voll gesperrt. Quelle: Michael Rinde
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Niederklein

Gute Nachrichten für Pendler, eine zehnmonatige Vollsperrung der Landesstraße 3290 zwischen Stadtallendorf und Niederklein wegen der Bauarbeiten an der A49-Auffahrt Stadtallendorf Süd ist wohl vorerst vom Tisch. Darüber hat Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi informiert.

Eigentlich, so die Angaben von Somogyi, sollte die Vollsperrung bereits im nächsten Monat beginnen. Daraus wird nun nichts. Als verantwortliche Behörde hat Hessen Mobil den Antrag auf Vollsperrung abgelehnt. Den hatte die Bau-Arbeitsgemeinschaft A49 gestellt.

Warum das in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt doch etwas überraschende Nein zur Vollsperrung? Hessen Mobil hatte die Verkehrskonzepte, vor allem also die Umleitungsstrecke im Vorfeld an Betroffene verschickt, unter anderem an die Stadt Stadtallendorf, Feuerwehr und Polizei und auch Busunternehmen etwa. Daraufhin gab es, wie die Behörde auf Nachfrage der OP berichtete, gleich mehrere Stoppsignale. Ein entscheidendes Nein kam von der Stadt Stadtallendorf selbst, die auf die zehnminütige Hilfsfrist für Feuerwehren verweist. „Solange diese Zustimmung nicht vorliegt, kann keine Sperrung angeordnet werden“, erläutert Hessen-Mobil-Sprecherin Bettina Amedick.

Noch gibt es keine neue Lösung

Auch der Fachbereich Gefahrenabwehr des Landkreises, sprich die Brandschutzaufsicht, hatte Bedenken geäußert, wie Bürgermeister Somogyi ebenfalls mitteilt. Sie fürchtet um die Hilfsfristen und deren Einhaltung bei Feuerwehr und Rettungsdienst. Das Problem: Zwar gibt es in Niederklein und Schweinsberg gute Stadtteilwehren. Doch die sind auf Hilfe aus der Kernstadt angewiesen, insbesondere bei größeren Schadensereignissen. Außerdem, das ist kein Geheimnis, gibt es tagsüber in der Kernstadt genügend Feuerwehrleute, sprich, die sogenannte Tagesalarmstärke ist gesichert. Bei den naturgemäß kleineren Stadtteilwehren ist das so nicht immer zu gewährleisten. Und auch umgekehrt muss Hilfe möglich sein. Die Kernstadt-Feuerwehr braucht die Unterstützung der Stadtteile Niederklein und Schweinsberg etwa bei größeren Bränden, allein schon, um genügend Atemschutzgeräte-Träger zur Verfügung zu haben.

Bürgermeister Somogyi hatte schon im Vorfeld auf eine grundlegende Schwierigkeit bei einer Komplettsperrung der Landesstraße verwiesen. Stadtallendorf ist eine Pendlerstadt und zugleich sind die Verkehrsbeziehungen für die großen Industriebetriebe wichtig. Wohl auch vor diesem Hintergrund bezeichnete er im Stadtparlament eine Vollsperrung als „eine mittlere Katastrophe“. Wie geht es jetzt weiter? Die Zeit für den Bau des „Bauwerks 7a“, also der Auf- und Abfahrt, drängt schließlich auch. Bürgermeister Somogyi verweist auf bereits geführte Gespräche mit der Bau-Arbeitsgemeinschaft. Es hat bereits einen Ortstermin gegeben, bei dem über eine Art Bypass oder Baustellenumfahrung gesprochen wurde. In diese Gespräche sei auch Kreisbrandinspektor Lars Schäfer eingebunden, so Somogyi bei seinen Erläuterungen im Stadtparlament.

„Bypass“ wird nicht billig

Ob die Umfahrung allerdings in dieser Form zustande kommt und wie schnell sie möglich wäre, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen. Die A49-Autobahngesellschaft kann derzeit zu dem gesamten Problem noch keine belastbaren Angaben machen. Derzeit prüfe das Projektteam die Wegeführung und arbeite mit allen Beteiligten an einer realisierbaren Lösung, erklärt die Gesellschaft auf Anfrage dieser Zeitung.

Klar ist auch, eine Umfahrung wird viel Geld kosten. Nach Mitteilung von Somogyi haben die Projektgesellschaft Deges und die private Autobahngesellschaft den geschlossenen Vertrag über die öffentlich-private Partnerschaft entsprechend geprüft. Deges ist offenbar zu der Auffassung gekommen, dass die Autobahngesellschaft für die Kosten aufkommen müsste. Nach OP-Recherchen geht es dabei um Kosten von deutlich über einer Million Euro. Und wie der künftige Zeitplan für „Bauwerk 7a“ und damit auch möglicherweise das Gesamtprojekt beeinflusst wird, bleibt ebenfalls abzuwarten.

Unerwartet kommt das alles jedoch nicht. Denn schon in der Planfeststellung aus dem Jahr 2012 war eine solche Vollsperrung über zehn Monate bereits vorgesehen. Das alles ist also keine Überraschung.

Von Michael Rinde

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