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Ostkreis Garten wird zum Kita-Gruppenraum
Landkreis Ostkreis Garten wird zum Kita-Gruppenraum
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18:58 13.12.2020
Katja Burk (von links), Sabine Balzer und Olaf Hausmann freuen sich auf die Erweiterung der Kita „Am Steinweg“ um eine Art Naturgruppenraum. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Langsam, aber stetig nimmt die Zahl der Waldkindergärten in Deutschland zu. Die junge Einrichtung der Stadt Neustadt beispielsweise erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die Stadt Kirchhain will nun eine ähnliche Richtung einschlagen, dabei aber einen ganz neuen Weg gehen – den das Land Hessen und der Bund über das Programm „Soziale Integration im Quartier“ mit Fördermitteln in Höhe von 234 000 Euro pflastert (die Kommune muss lediglich rund 25 000 Euro beisteuern).

Geplant ist, einen „Bildungsraum Garten“ für die Kindertagesstätte „Am Steinweg“ zu schaffen und dafür den „Maus’schen Garten“ unterhalb des Annaparks umzugestalten. Auslöser dafür war die Suche nach Möglichkeiten, die Betreuung in der Einrichtung zu verbessern, wie Bürgermeister Olaf Hausmann erklärt und dabei auf die eingeschränkten beziehungsweise nicht vorhandenen Möglichkeiten verweist, baulich Veränderungen herbeizuführen. Bei diesen Überlegungen kam unter anderem die Idee auf, so etwas wie einen Waldkindergarten aufzubauen – ein Wunsch, den Kirchhainer Eltern in der Vergangenheit schon mehrfach geäußert hatten.

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Idee Stück für Stück gewachsen

Problem ist nur, wie der Rathauschef betont: „Wir haben keinen Wald in der Nähe.“ Dann jedoch warf Sabine Balzer, Leiterin des Fachbereichs Familie und Soziales, den Garten in den Ring – ein Ansatz, den Hausmann weiterspann, um dann als Kommune den in der Natur- und Abenteuerpädagogik fest verankerten Marburger Verein bsj ins Boot zu holen (der beispielsweise in Neustadt den Waldkindergarten betreibt). Die Idee, den Garten umzugestalten und als Bildungs- und Betreuungsraum zu nutzen, nahm immer konkretere Formen an. Unter anderem gibt es den Plan, das Gelände neu zu modellieren, einen Bauwagen und eine Jurte (eine Zeltform aus Asien) aufzustellen, eine Feuerstelle einzurichten und auch das Thema Wasser aufzugreifen. Am Ende der ersten Überlegungen reichte die Stadt dann den Förderantrag ein. „Die Idee ist Stück für Stück gewachsen“, erinnert sich Hausmann.

Angedacht ist, dass sich immer eine der beiden Gruppen im „Maus’schen Garten“ aufhält. So werden zwar keine neuen Plätze geschaffen, aber das Projekt sorge dafür, dass sich die Qualität der Betreuung verbessern lasse, wie Balzer betont.

„Man hat höhere Flexibilität, kann insbesondere im Gebäude besser in Kleingruppen arbeiten und viel besser auf individuelle Bedürfnisse der Kinder eingehen“, ergänzt Hausmann: „Wir schaffen ein tolles Angebot, das die Kita-Landschaft Kirchhains verändert und super ergänzt. Ich glaube, das wird die Wohnstadt Kirchhain noch attraktiver machen.“ Die neuen Erlebnismöglichkeiten seien angesichts der zahlreichen Kinder mit Migrationshintergrund auch von großem Vorteil für die Sprachförderung, fügt Balzer hinzu.

Der Garten soll vormittags als „Naturraum“ genutzt werden, um 12 Uhr endet die Betreuung – beziehungsweise die Kinder, die einen Mittagsplatz haben, kehren zurück in die Einrichtung, während für die anderen der Kita-Tag endet. Im Detail stehen die Planungen aber noch nicht fest. Vorgesehen ist, das endgültige Konzept gemeinsam mit Eltern und Erziehern zu entwickeln. Eine Überlegung ist, dass nachmittags die Besucher des Jugend- und Kulturzentrums, die Kinder der Nachmittagsbetreuung „Grashüpfer“ oder andere Kindertagesstätten den Garten nutzen könnten. Die Erzieherinnen der Kita „Am Steinweg“ bereiten sich bereits seit einem Jahr auf die möglichen Veränderungen vor. Sie hospitierten dafür unter anderen in Waldkindergärten, stellten ihre Konzeptionstage unter das entsprechende Motto und ließen (und lassen) sich fortbilden. Außerdem gibt es seit dem vergangenen Jahr einen festen Naturtag – und seit diesem Jahr sogar zwei davon, wie Leiterin Katja Burk berichtet.

Die Deadline ist Ende 2023

Das Projekt muss bis Ende 2023 umgesetzt werden – was kein Problem sei, so Hausmann. Während das Konzept entwickelt wird, muss die Stadt unter anderem ein Bauleitverfahren auf den Weg bringen und sich dabei unter anderem mit dem Thema Hochwasserschutz befassen. Der Garten liege schließlich mitten in einer entsprechenden Schutzzone – die zwar seit mindestens 50 Jahren nicht in diesem Sinne benötigt wurde.

Dennoch gelte es zwingend, die Thematik zu beachten. „Der Förderbescheid war der Startschuss. Jetzt können wir mit der detaillierten Projektplanung beginnen“, resümiert Hausmann, freut sich auf den „neuen Bildungsraum“ und die Umgestaltung des noch „wirren Gartens“, der seit rund einem halben Jahrhundert nicht bewirtschaftet worden sei: „Er schreit danach, dass wir etwas aus ihm machen.“ Offenbar so laut, dass er erhört wurde.

Von Florian Lerchbacher