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Ostkreis Keiner wird abgehängt
Landkreis Ostkreis Keiner wird abgehängt
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15:58 30.03.2022
Ein Leerrohr für Glasfaser wurde auf einem Acker verlegt.
Ein Leerrohr für Glasfaser wurde auf einem Acker verlegt. Quelle: Sina Schuldt/dpa
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Stadtallendorf

Gäbe es dieses sich abzeichnende Bündnis nicht, dann bliebe mit Wohratal beispielsweise eine ganze Gemeinde außen vor in Sachen Glasfaserkabel und Zukunftstechnologie. Denn für Wohratal rechnet sich der Ausbau hin zu einem durchgängigen Glasfasernetz in der Erde bis hin zu jedem Haus für ein Privatunternehmen nicht. Gleiches gilt etwa auch für Rauschenberg oder Wetter und Münchhausen. Es trifft auf berechnete 27 000 Anschlüsse im gesamten Kreis Marburg-Biedenkopf zu. Das ergab eine Markterkundung. So drohte ein Landkreis mit ganz unterschiedlichen Potenzialen in Sachen Internettempo.

Aber es gibt eine Lösung dank des erwähnten Bündnisses zwischen dem Landkreis, der Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH und aller Voraussicht nach den kreisangehörigen Städten und Gemeinden. Für die Sonderstatus-Stadt Marburg gibt es ein eigenes Vorgehen.

Zachow: „Akt der Solidarität“

Die Kommunalparlamente beraten aktuell den Abschluss von Kooperationsverträgen (die OP berichtete am Beispiel Lahntal). Das Ziel, vereinfacht ausgedrückt: Jene „grauen Flecken“ in Sachen Glasfaserausbau einschließlich der „letzten Meilen“ bis zum Hausanschluss sollen im Verbund ausgebaut werden. „Das ist auch ein Akt der Solidarität“, sagt Vizelandrat Marian Zachow (CDU) und nennt Stadtallendorf als die zweitgrößte Stadt des Landkreises als ein Beispiel dafür. Stadtallendorf übernähme den höchsten Anteil aller einzahlenden Städte und Gemeinden.

Das Industriezentrum ist natürlich auch selbst betroffen. Denn auch in Stadtallendorf gibt es Stadtteile, die kein Privatunternehmen wohl ausbauen wird, auch die Deutsche Glasfaser nicht. Betroffen davon sind Wolferode und Hatzbach, wie Klaus Bernhardt, der Geschäftsführer der Breitband GmbH, erläutert. „Es gibt aktuell keine Kommune im Landkreis, in der alle Ortsteile durch die Deutsche Glasfaser eigenwirtschaftlich ausgebaut werden“, macht Bernhardt gegenüber der OP klar.

Vollausbau kostet massiv Geld

Dieser Vollausbau kostet natürlich massiv Geld in den nächsten Jahren. Die Breitband GmbH, von Anfang an in Sachen Netzausbau dabei, hat Projektkosten von insgesamt 155 Millionen Euro errechnet. Das wäre für die heimischen Kommunen auch über Jahre verteilt natürlich nicht stemmbar. Aber es gibt reichlich Fördergelder in Form des „Graue-Flecken-Förderprogrammes“. Der Bund gäbe – die Bewilligung natürlich vorausgesetzt – dabei 77,7 Millionen Euro, das Land 62,1 Millionen Euro. Damit wären 90 Prozent der Kosten finanziert.

Kreis und Kommunen teilten sich – immer vorausgesetzt, alle Parlamente stimmten zu – den Restbetrag von 15,5 Millionen Euro. Die Zahlungen begännen 2023 und erstreckten sich bis 2027 je nach Erfordernis. Der Kreis übernähme demnach 7,7 Millionen Euro, während sich die Städte und Gemeinden die andere Hälfte untereinander aufteilten (siehe Kasten).

Das zahlen die Kommunen

Das zahlen die Kommunen anteilig: Amöneburg: 226 775 Euro, Angelburg: 156 896 Euro, Bad Endbach: 365 341 Euro, Biedenkopf: 616 310 Euro, Breidenbach: 306 001 Euro, Cölbe: 299 357 Euro, Dautphetal: 519 808 Euro, Ebsdorfergrund: 410 660 Euro, Fronhausen: 188 925 Euro, Gladenbach: 564 485 Euro, Kirchhain: 745 987 Euro, Lahntal: 321 535 Euro, Lohra: 250 236 Euro, Münchhausen: 150 389 Euro, Neustadt: 456 115 Euro, Rauschenberg: 200 748 Euro, Stadtallendorf: 977 528 Euro, Steffenberg: 181 777 Euro, Weimar: 326 805 Euro, Wetter: 407 131 Euro, Wohratal: 97 189 Euro.

Stichwort Solidarität: Wohratal zahlt den geringsten Anteil, obwohl alle vier Ortsteile komplett mit Glasfaserkabel versehen werden müssen.

Der Landkreis selbst, auch finanziert über die Kreisumlage der Städte und Gemeinden, steuert 7,77 Millionen Euro bei.

Ein ganz zentraler Punkt dabei: Alle Planungen sollen so ausgelegt werden, dass der privatwirtschaftliche Ausbau und der Ausbau über das „Graue Flecken“-Programm Hand in Hand laufen. Das heißt: Dort, wo die Deutsche Glasfaser gerade aktiv ist, da sollen auch die verbleibenden Orts- und Stadtteile abgearbeitet werden. „Das ganze Projekt ist in dieser Form wohl einmalig“, sagt Zachow, der das Miteinander der Kommunen mit dem Kreis hervorhebt. Erklärtes Ziel sei es, dass der Bagger nur einmal in jedes Dorf komme.

„So etwas kann nur in enger Zusammenarbeit funktionieren“, betont auch Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (SPD). Zurzeit läuft in seiner Stadt die Vorvermarktung der Deutschen Glasfaser. Nach letztem Kenntnisstand erreicht das Unternehmen sein Ziel, nämlich 40 Prozent der potenziellen Haushalte. Somogyis bisher letzter offizieller Stand lag bei 38 Prozent. „Das ist sehr erfreulich und zeigt das Interesse in der Bevölkerung“, sagt er. Nächster wichtiger Termin bei dem Vorhaben ist die Ausschreibung. Die soll bis Ende Juni erfolgen und bis Jahresende gelaufen sein.

Von Michael Rinde

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