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Ostkreis Kein Dach für den Zwinger
Landkreis Ostkreis Kein Dach für den Zwinger
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10:00 28.05.2020
Bei Veranstaltungen im Zwinger bleiben die Organisatoren auch zukünftig abhängig von der Wetterlage. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Die Pläne waren ehrgeizig – und landen nun in der Tonne: Eine Arbeitsgruppe des Jubiläumsvereins „Amöneburg 13Hundert“ hatte ein Konzept für eine Überdachung des Zwingers entwickelt mit dem Ziel, den Teil der Schlossruine zu einem wettergeschützten, spektakulären Veranstaltungsort zu entwickeln – gerade auch im Hinblick auf das anstehende Jubiläumsjahr und die Vielzahl geplanter Veranstaltungen.

Selbst bei den Stadtverordneten, die traditionell weniger enthusiastisch sind, wenn es um das Ausgeben von Geld geht, hatten die Vereinsmitglieder Eindruck hinterlassen – und es sogar geschafft, dass Mittel im Haushalt aufgenommen werden. Zwar mit Sperrvermerk und dem Hinweis, dass der Verein sich auch zukünftig um den Zwinger kümmern soll, aber immerhin waren die Vereinsmitglieder nicht auf Ablehnung gestoßen.

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Doch nun geben sie auf. Grund dafür sind, zusammenfassend gesagt, vornehmlich die Auflagen, die der Denkmalschutz machte für eine Überdachung in einem Teil des historischen Ensembles, wie Freddy Greib, einer der drei Vereinsvorsitzenden, auf Nachfrage der OP berichtet. „Wir hätten weitere Abstände zu den Mauern einhalten müssen, entsprechend wäre immer weniger Fläche überdacht gewesen. Außerdem sollte der Bergahorn im Zwinger unbedingt stehen bleiben.“ Die Überdachung wäre also immer kleiner geworden – aber nicht billiger. „Am Ende erschien uns das Projekt nicht mehr wirtschaftlich“, sagt Greib und verweist auf geschätzte Gesamtkosten in Höhe von 360.000 Euro – von denen die Stadt nur einen Bruchteil hätte tragen müssen, weil der Verein auch ein Finanzierungskonzept entwickelt hatte.

Dieses beinhaltete unter anderem das Einbringen von Eigenleistungen, das Akquirieren von Fördermitteln sowie von rund 40.000 Euro an Sponsorengeldern. Allerdings habe die Corona-Krise dem Verein nun einen Strich durch die Rechnung gemacht: Es wäre unpassend, Sponsoren wegen Unterstützung anzusprechen, betont Greib: Die Mittelständler, die der Verein hätte kontaktieren wollen, hätten dieser Tage schon genug Sorgen – da müsse man nicht noch nach Geld fragen.

Und während der Vorsitzende noch den Ehrenamtlern, die sich mit dem Projekt Überdachung auseinandergesetzt hatten, großes Lob für ihren Einsatz ausspricht, drückt auch Bürgermeister Michael Plettenberg sein Bedauern aus, dass die Überdachung nun – mal wieder – der Geschichte angehört. Der Wunsch, den Zwinger mit einem wandelbaren Dach auszustatten, bestehe schon lange. Und acht „KulturSpektakel“ hätten gezeigt, dass sich der Zwinger als Veranstaltungsort eigne. Aus diesem Grund war er begeistert, dass die Arbeitsgruppe verschiedenste Varianten für die Überdachung erarbeitet hatte. Großes Verständnis hat Plettenberg angesichts der Corona-Krise für die Zurückhaltung beim Ansprechen von Sponsoren: „Das wäre unpassend gewesen, und das bliebt es bis auf Weiteres.“

Außerdem stellt er, der traditionell eigentlich an Kritik an Behörden nicht spart, im Gegensatz zu den Vereinsmitgliedern heraus: „Den Denkmalbehörden ist kein Vorwurf zu machen.“ Es sei eben leider trotz vieler Gespräche und Verhandlungserfolge kein Kompromiss zustande gekommen, der die Arbeitsgruppe zufrieden gestellt habe. „Die haben sich bemüht und sind mit den Zugeständnissen an die Architektur aus ihrer Sicht an ihre Grenzen gegangen. Auf jeden Fall haben auch sie viel Zeit in die Überlegungen gesteckt und eigene Vorschläge unterbreitet“, ergänzt er seinen Kommentar zu den Behörden und schließt mit den Worten: „Dass das wandelbare Dach in Amöneburg nun nicht kommt, obwohl die Zeichen dafür nie besser standen als jetzt, macht viele traurig. Andere wird es freuen, schließlich war das Projekt nie unumstritten!“

von Florian Lerchbacher

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