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Ostkreis Kann neues Gutachten die A 49 stoppen?
Landkreis Ostkreis Kann neues Gutachten die A 49 stoppen?
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10:07 30.10.2020
Wulf Hahn von RegioConsult hält das 45 Seiten starke Fachgutachten hoch, das den Weiterbau der A 49 stoppen soll. Quelle: Nadine Weigel
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Stadtallendorf

In dieses Gutachten setzen die A-49-Gegner ihre ganze Hoffnung: Im Auftrag des Aktionsbündnisses „Keine A 49“ hat RegioConsult, ein in Marburg ansässiges Büro für Verkehrs-und Umweltmanagement, ein 45 Seiten starkes Gutachten erarbeitet, das den Druck auf den grünen Verkehrsminister von Hessen im Streit um die A 49 noch erhöhen dürfte.

Denn Tarek Al-Wazir hatte bei der Bund-Länder-Gesellschaft Deges ein wasserrechtliches Gutachten in Auftrag gegeben. Und das weise offenbar Fehler auf, so das Ergebnis von RegioConsult.

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Es handele sich dabei sogar um „entscheidungserhebliche Mängel, die vor Baubeginn geheilt werden“ müssten. So zumindest steht es in dem Marburger Gutachten, aus dem das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ am Donnerstagabend erstmals zitiert und das auch der Oberhessischen Presse vorliegt. Demnach beruhe der Fachbeitrag von Deges auf veralteten und lückenhaften Daten, heißt es im Fazit der Untersuchung. „Die Auswirkungen auf das Grundwasser sind bisher völlig unzureichend untersucht“, fasst Wulf Hahn von RegioConsult den aus seiner Sicht wohl schwerwiegendsten Mangel zusammen. Im Bereich des Dannenröder Forstes seien entweder zu wenig oder überhaupt keine Datengrundlagen vorhanden, um die Auswirkungen auf das Grundwasser und die Grundwasserströme zu ermitteln, mahnt Hahn.

A-49-Gegner sehen Trinkwasser in Gefahr

Die Auftraggeberin des Gutachtens, Elke Müller vom Aktionsbündnis „Keine A 49“, erinnert in diesem Zusammenhang noch einmal daran, dass schon der Zweckverband Mittelhessischer Abwasserwerke (ZMW) von einer „Operation am offenen Herzen“ gesprochen hatte, weil der Trassenverlauf der A 49 aus wasserrechtlicher Sicht der ungünstigste von allen sei.

Die Region rund um Stadtallendorf gilt als wichtigste Trinkwasserressource in Mittelhessen – und als eine der wichtigsten in Deutschland. Dieses Wasser, mit dem eine halbe Million Menschen versorgt werden, sei durch die A 49 in Gefahr, sagt das Aktionsbündnis. Dadurch, dass die Brückenpfeiler sehr tief in die Erde gegründet werden müssten, sei das Risiko für die angrenzenden Trinkwasserbrunnen hoch. Ebenfalls als hoch werde das Risiko für den Förderbrunnen westlich der Gleentalbrücke eingestuft – und ein Eintrag von Schwebstoffen und Schwermetallen prognostiziert, kritisiert RegioConsult.

„Diese Risiken müssen erst umfassend ermittelt und abgeklärt werden, mit welchen Maßnahmen hier ein ausreichender Schutz möglich ist“, so Hahn. Zudem müsse geklärt werden, ob es zu einer Verschlechterung des Oberflächen- und Grundwasserkörpers komme, weil „ja weiterhin an der Einleitung der Straßenabwässer in der Wasserschutzzone II festgehalten wird und nicht, wie im Fachbeitrag fälschlicherweise dargestellt, die Fernableitung verlängert wird an den Rand des Wasserschutzgebietes“. Der Gutachter der Deges habe auch dort eine veraltete Darstellung übernommen, die aber im Planfeststellungsbeschluss nicht festgelegt worden ist, mahnt Hahn, der in seinem Gutachten auch fordert, dass „die möglichen Auswirkungen der Klimaveränderungen auf den mengenmäßigen Zustand des Grundwassers ermittelt werden“ müssten.

Für Elke Müller ist die Sache klar: „Unser Gegengutachten zeigt, dass die Rodung sofort gestoppt und die Sache noch einmal neu untersucht werden muss“, betont sie im Gespräch mit der OP. Das Aktionsbündnis prüfe nun eine weitere Klage. Im Sommer hatte das Bundesverwaltungsgericht eine Klage von Umweltorganisationen wegen der Grundwassergefährdung abgewiesen. Aufgrund der neuen Erkenntnisse kann nun davon ausgegangen werden, dass der Kampf der A- 49-Gegner auch auf juristischer Ebene noch nicht vorbei ist. Zunächst wollen die Umweltschützer aber noch die schriftliche Begründung des Urteils vom Bundesverwaltungsgericht abwarten, mit der man in den nächsten Tagen rechne.

Das Marburger Gutachten liegt dem grün regierten Hessischen Verkehrsministerium vor. Auf Anfrage des „Spiegel“ habe das Ministerium die Vorwürfe gegen das eigene in Auftrag gegebene Gutachten zurückgewiesen. Aus dem Ministerium heiße es laut „Spiegel“ dazu: „Auch die strengen Vorschriften der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie werden eingehalten.“ Eine Ministeriumssprecherin verweise zudem darauf, dass die Verantwortung für den Bau ohnehin bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) liege.

Von Nadine Weigel