Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Der Spion am Beckenrand
Landkreis Ostkreis Der Spion am Beckenrand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 07.09.2020
Die Kamera fährt mit: Achim Schneider, Landestrainer Diagnostik, läuft mit dem Kamerawagen am Beckenrand neben einem heimischen Schwimmsportler her. Der Verbandstrainer kam auf Einladung der Schwimm-Abteilung des TSV Eintracht Stadtallendorf in die Industriestadt. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Stadtallendorf

Zwei Kameras, die auf einem Wagen am Rand des Beckens neben den Schwimmern im Becken hergeschoben werden – diese ungewöhnliche Szene gab es dieser Tage in Stadtallendorf zu sehen.

Und warum das alles? Auch daran ist gewissermaßen die Corona-Pandemie Schuld. Weil sie viele Sportler – darunter natürlich auch die Schwimmer – über Monate daran gehindert hat, ihrem Sport nachzugehen. Und das, was da an Technik und Form auf der Strecke blieb, muss erst wieder antrainiert werden. Und da kommt die eingangs geschilderte Videotechnik ins Spiel.

Anzeige

Eigentlich vertragen sich Wasser und Technik ja nicht so gut. Die Betonung liegt hier auf eigentlich. Denn wie es gut zusammenpasst, zeigte Achim Schneider, der Landestrainer für Diagnostik beim Hessischen Schwimmverband (HSV). Er kam mit einer Unterwasser-Kamera im Gepäck in das Alldomare nach Stadtallendorf.

„Die Vereine können beim HSV anfragen, ob Unterwasser-Aufnahmen von ihren Sportlern gemacht werden können. Und dann kommt jemand vom Verband und führt das dann mit dem Verein durch“, erklärte der Stellvertretende Abteilungsleiter der Schwimmabteilung des TSV Eintracht Stadtallendorf, Fabian Kolar, das Vorgehen.

Schwimmer aus drei Vereinen lassen sich analysieren

Aufgrund des zeitlichen und finanziellen Aufwandes für den Verband werden oftmals für die Aufnahmen Zusammenschlüsse von Vereinen gebildet. Aus diesem Grund waren diesmal nicht nur Sportler des TSV im Becken, sondern auch Schwimmer aus Frankenberg und Kirchhain.

Auch wenn nicht alles reibungslos verlief, nahmen die Sportler wertvolle Erkenntnisse mit. „Bei uns waren diesmal zwei neue Kameras im Einsatz, weswegen der Aufbau länger gedauert hat als normalerweise“, berichtete Kolar. Aus diesem Grund hatten die zwölf Athleten auch effektiv nur eine Stunde Zeit, um in 50 Metern einmal alle Lagen zu schwimmen. „Am Ende waren die Akkus der Kamera nur noch bei einem Prozent. Deshalb konnten wir nur Queraufnahmen und die Starts von allen Schwimmern filmen“, resümierte Kolar.

Unterwasser-Kameras messen den Leistungsstand der Schwimmer beim TSV Eintracht Stadtallendorf.

Die Corona-Pandemie sorgte in den vergangenen Monaten für eine Situation, die selbst erfahrene Trainer wie Wolfgang Schüddemage vor ganz neue Aufgaben stellte. „Ich habe es in meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt, dass die Sportler eine fast sechsmonatige Pause einlegen müssen. Deshalb sind wir ganz froh über die Aufnahmen, um den Leistungsstand der Schwimmer zu erfahren“, sagte der langjährige TSV-Trainer.

Aber nicht für die Trainer sind die Aufnahmen wichtig, sondern gerade für die Athleten selbst. „Für den Schwimmer sind die Aufnahmen keine Umstellung oder Ablenkung. Man merkt die Kameras nicht, wenn man schwimmt“, beschreibt Fabian Kolar die ungewöhnliche Situation aus Sicht der Aktiven.

Wichtig für den Schwimmer sei dabei aber, in voller Geschwindigkeit zu schwimmen. „Oft bemerken die Schwimmer ihre eigenen Fehler selbst nicht mehr. Wenn der Schwimmer dann bei den Aufnahmen langsam schwimmt, denkt er zu viel nach und macht deshalb die Fehler nicht mehr“, erklärt der Stadtallendorfer.

Eine zweite Unterwasser-Aufnahme wird in Stadtallendorf in einigen Wochen durchgeführt. „Weil die Schwimmer jetzt wieder trainieren, werden sie ihre Technik in der kommenden Zeit verbessern. Deshalb machen wir nochmal zweite Aufnahmen, weil man dann den Fortschritt der Schwimmer erkennen wird“, erklärte Kolar.

von Leonie Rink

07.09.2020
06.09.2020