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Ostkreis Kamax: Protest gegen Entlassungen
Landkreis Ostkreis Kamax: Protest gegen Entlassungen
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18:00 29.05.2020
Ferdinand Hareter (links) und Hans-Jürgen Sitt sammeln für die Konzerneigner. Quelle: privat
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Homberg

Das war wenig erfolgreich: Die Spendenaktion, die die beiden Alt-Gewerkschafter Ferdinand Hareter und Hans-Jürgen Sitt für die Eigentümerfamilie von Kamax vor den Werkstoren veranstaltete, erbrachte den Betrag von 4,50 Euro.

Mitte des Monats war bekannt geworden, dass der Schraubenhersteller offenbar einen massiven Personalabbau plant. Betriebsbedingte Kündigungen kann es aber eigentlich nicht geben, weil die Beschäftigten seit 2017 zwei Stunden pro Woche unentgeltlich länger arbeiten, die Tariferhöhungen des Flächentarifvertrags bei Kamax erst später gezahlt werden. Im Gegenzug verzichtet das Unternehmen laut Vertrag bis Ende März 2022 auf betriebsbedingte Kündigungen.

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Hareter und Sitt weisen darauf hin, dass es sich bei KAMAX Holding GmbH und Co. KG um einen Familienkonzern handelt. Die Familien Burgholte und Kellermann gehören seit Jahren zu den reichsten Familien Deutschlands. Das manager magazin schreibt ihren Reichtum auf 250 Millionen Euro in 2017 fest und nur ein Jahr später, also 2018, wies das Magazin schon 350 Millionen Euro Vermögen für die Burgholtes und Kellermanns aus. In der Liste der 1.000 reichsten Deutschen, vom Manager-Magazin jedes Jahr veröffentlicht, machten die Familien Burgholte und Kellermann einen Riesensatz.

Die Familie Blanchet findet sich hier nicht, sie hat vermutlich ihren ersten Wohnsitz im europäischen Ausland, so Ferdinand Hareter, ehemaliger IG Metall-Sekretär und Hans-Jürgen Sitt, langjähriger Betriebsrat. „Nur ein Sozialneider“, sagt Hareter, „würde einen Zusammenhang zwischen dem Reichtum der Eigentümer-Familien und dem Verzicht der Mitarbeiter/innen herstellen wollen. Aber zum Nachdenken bringt einen das schon.“

Hareter und Sitt zitieren den Geschäftsbericht 2018, in dem die Rede davon ist, dass den Anteilseignern in 2017 sage und schreibe 8,9 Mio. Euro und ein Jahr später 5,8 Mio. Euro auf die Gesellschafterkonten überwiesen bekommen haben.

Sitt und Hareter erinnern an den Inhalt des Haustarifvertrags von 2017, in dem es heißt: „Ziel dieses Tarifvertrags ist die Wiederherstellung wettbewerbsfähiger Produktionsbedingungen und die Sicherung der Arbeitsplätze an den Standorten Homberg/Ohm und Alsfeld der Kamax GmbH & Co. KG.  ...." 

Sitt und Hareter appellierten an die Eigentümer, keine Arbeitnehmer zu entlassen und sich an der Finanzierung des Gemeinwesens zu beteiligen.

von Till Conrad

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