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Ostkreis Junge Tauben spenden in Corona-Krise Trost
Landkreis Ostkreis Junge Tauben spenden in Corona-Krise Trost
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12:58 18.10.2020
Hartmut Löber und sein Vater Peter zeigten am 17. März den neuen Taubennachwuchs. Wenige Tage später bestimmte Corona das Alltagsleben. Die Stunden am Taubenhaus waren in dieser Zeit insbesondere für Peter Löber ein wichtiger Halt. Quelle: Götz Schaub
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Schönbach

Der Verband deutscher Rassetaubenzüchter hat schon die Notbremse für 2021 gezogen. Seine 69. Schau, die Ende Januar in Kassel stattfinden sollte, wurde nun doch abgesagt, nachdem die Verantwortlichen zuvor alles versucht hatten, die Schau trotz Corona doch sicher anbieten zu können. Es funktioniert nicht, weil eben auch kostendeckend geplant werden muss. Und 15 000 Tauben sollten es dann schon sein, doch damit sei wohl kaum zu rechnen. Zumindest der Start ins neue Jahr wird auch noch von Corona diktiert werden, was Veranstaltungen angeht.

Peter und Hartmut Löber züchten in einer sehr erfolgreichen Zuchtgemeinschaft Deutsche Schautauben. Peter gründete dazu im Sonderverein Deutscher Schautauben 1969 mit vielen weiteren Züchtern die Gruppe Marburg. Und der ist Peter, später zusammen mit seinem Sohn Hartmut, bis heute treu geblieben. Peter Löber ist mittlerweile mit 86 in einem Alter, in dem man nicht mehr so gerne weite Fahrten auf sich nimmt, um Tauben auszustellen. Das hat er in früheren Jahren mit großer Leidenschaft und großem Erfolg betrieben, aber alles hat eben seine Zeit.

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Nur das eigentliche Hobby Tauben, das weiß er ganz genau, wird ihm niemals zu viel werden. Im heimischen Schönbach hat er von seinem Haus aus nur wenige Meter zu gehen, um auf eine Wiese zu gelangen, auf der die Tauben der Schlaggemeinschaft in einer Hütte mit zum Teil offenem Gehege untergebracht sind. Dort kann er stundenlang sitzen, die Tiere beobachten, ja regelrecht bewundern und seinen Gedanken nachhängen. „Was will man mehr, ich kann mich wirklich nicht beklagen“, sagte er beiBilderbuch-Wetter bei einem Besuch im frühen Frühling.

Zucht-Gemeinschaft ist „Rettungsanker“

Nur wenige Tage später änderte sich in Deutschland alles, Corona bestimmte mehr oder weniger den Tagesablauf mit allen Einschränkungen bis hin zum Lockdown. In dieser Zeit wusste Peter Löber mehr denn je, sein Glück zu schätzen, denn er musste wenigstens nicht auf seine Besuche auf der Wiese verzichten. Das half ihm sehr, die Zeit gut durchzustehen. Denn menschliche Geselligkeit gab es nur mit Einschränkungen. Und das Vereinsleben, so schildert es Sohn Hartmut, der in der Marburger Gruppe das Amt des Zuchtwarts inne hat, fand nur noch digital statt, aber so gut wie gar nicht von Angesicht zu Angesicht.

Das ist für die Mitglieder der Gruppe Marburg schon mehr als ungewöhnlich. „Machen wir uns nichts vor, es gibt leider immer weniger aktive Züchter und Nachwuchs bleibt weitgehend aus, da wohnen Vereinsmitglieder nicht mehr gleich im selben oder nächsten Dorf“, sagt Hartmut Löber. Er weiß nur, wenn es einen mal „gepackt“ hat, dann bleibt man auch dabei. So wie er selbst. Und er hält die Gruppe Marburg am Leben, zu den Gründungsmitgliedern gehört neben Peter Löber auch noch Richard Schwarz. „So lange es sie gibt, wird auch ihre Gruppe mindestens bestehen“, sagt Hartmut Löber. Vielleicht wird sie aber auch noch länger bestehen, denn die ist für Züchter, die Anschluss suchen, auch so etwas wie ein Rettungsanker. Die Gruppen in Deutschland decken ein immer größeres Gebiet ab und nicht alle finden etwas für sich. Die Marburger Gruppe zeigt sich da ganz offen, unter den 14 Mitgliedern sind sogar zwei Franzosen. Die sind so dankbar, dabei sein zu dürfen, dass sie auch am Gruppenleben rege teilnehmen, wie es ihnen nun mal möglich ist. Wann immer es die Zeit zulässt, kommen sie auch nach Marburg.

Hartmut Löber weiß aber auch, dass die Überalterung der Mitglieder nicht von ungefähr kommt. Für junge Leute, die ihre Kraft für den Beruf aufwenden, ist es oftmals zeitlich gar nicht möglich, die Tiere für die Schauen vorzubereiten. Auch sind die Kosten durchaus ein Posten. Aber wie gesagt, wenn einmal die Liebe zu den Tieren entfacht wurde, dann merkt man auch schnell, wie vielfältig das Züchten ist. So wird unterteilt in Farben, Formen, Huhn, Kropf, Mövchen, Struktur, Trommel, Tümmler und Warzentauben. Bei den Deutschen Schautauben gibt es 40 anerkannte Farbenschläge. „In der Regel spezialisiert man sich“, sagt Hartmut Löber. Wobei ausgerechnet seine Schlaggemeinschaft eine Ausnahme bildet. Weil seinem Vater die Farbschläge so gut gefallen, haben sie derzeit 16 von 40 möglichen.

Nun, das Internet eröffnet natürlich auch Taubenzüchtern neue Möglichkeiten. So kommen auch vermehrt aus dem Ausland Anfragen, Tauben kaufen zu wollen. Und so lernt man automatisch viele Züchter kennen. Man tauscht sich aus, bleibt durchaus auch mal über den Verkauf hinaus in Kontakt.

Wegen Corona ist in diesem Jahr auch das schwierig geworden. Auf die meisten Highlights eines Züchterjahres musste ebenfalls verzichtet werden. Die Jungtierbesprechung im Verein fiel aus, und auch geplante Schauen wie die Landesschau von Hessen, die in Alsfeld stattfindensollte, wurde abgesagt. Also hoffen die beiden, wie alle anderen Züchter, auf ein besseres 2021. Bis dahin bleibt ihnen immerhin die intensive Beschäftigung mit den Tieren. Und das ist für sie mehr als nur ein kleiner Trost, denn das ist ein großer und wichtiger Teil ihres Lebens.

Von Götz Schaub