Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis „Machen ist wie wollen – nur krasser“
Landkreis Ostkreis „Machen ist wie wollen – nur krasser“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:39 17.09.2021
Bundestagsabgeordneter Jürgen Trittin (Bündnis 90 / Die Grünen) sprach am Donnerstagabend auf dem Marktplatz in Amöneburg.
Bundestagsabgeordneter Jürgen Trittin (Bündnis 90 / Die Grünen) sprach am Donnerstagabend auf dem Marktplatz in Amöneburg. Quelle: Tobias Hirsch
Anzeige
Amöneburg

Er ist der letzte Star der Grünen aus der Ära Joschka, inzwischen 67 Jahre alt – und er will noch einmal für vier Jahre in den Bundestag. Als „stabilisierendes Element“ in der künftigen Fraktion angesichts vieler neuer Mitglieder, sagt er – oder gar als Minister? Trittin schließt dies zumindest nicht aus. In Amöneburg findet er nur ein kleines Publikum. Noch nicht einmal 20 Menschen hören ihm zu, vielleicht weil nur wenige wissen wollen, wie dramatisch die Situation wirklich ist.

Trittin hat in seiner Zeit als Bundesumweltminister maßgeblich den Ausstieg aus der Atomenergie vorangetrieben, das Dosenpfand und das Klagerecht für Umweltverbände eingeführt. Heute sagt er aber, Genehmigungsverfahren müssten heute viel schneller gehen. Ihm schwebt eine Entbürokratisierung bei den erneuerbaren Energien vor: Sechs Monate nach Antragstellung ist ein Antrag entweder genehmigt oder es gibt zumindest einen ablehnenden Bescheid. Und: Warum muss jedes einzelne Windrad genehmigt werden? Warum, sagt Trittin, gibt es keine Typengenehmigung für Windräder?

Trittin spricht von einem Kampf zwischen den „Kräften des Beharrens“ und meint damit Scholz und Laschet und denen, die auf Veränderung drängen, wie Annalena Baerbock. „Wenn wir nicht jetzt umsteuern, werden wir immer schneller nach unten rutschen“, sagt Trittin, selbst Experten seien überrascht von der Geschwindigkeit des Klimawandels. „Wir haben uns dazu entschieden, die Klimakatastrophe auf uns zukommen zu lassen“, zitiert der Grüne Wissenschaftler den IPCC. Deswegen sei nun Geschwindigkeit gefragt: So wie beim Ausbau der erneuerbaren Energien, bei denen man laut ursprünglichem Plan bei 20 Prozent sein müsste, aber bei über 40 Prozent tatsächlich ist.

Geschwindigkeit machen auch eher kleinere Veränderungen aus: „Wir brauchen die Möglichkeit für Gemeinden, auch entlang von Bundesstraßen auf ihrem Gebiet Platz für Radwege zu schaffen.“ Lastenräder, auch wenn vielfach belächelt, sollten zu einer echten Alternative für den Wochenendeinkauf werden. Und die Menschen bräuchten einen öffentlichen Personennahverkehr, der von 8 bis 22 Uhr im Stundentakt verkehrt. „Dafür setzen wir Grüne uns in der neuen Bundesregierung ein.“

Neue Technologien unterstützen

Im Zulassungsrecht ist Trittin dafür, bei der Zulassung etwa von Windrädern auch die klimapolitische Bedeutung zu berücksichtigen. Und für den Grünen ist die Bepreisung von CO2-Emissionen auch klimapolitisches Instrument, um neue Technologien zu unterstützen. Fakt bleibe aber, dass Deutschland zwei Prozent seiner Fläche für erneuerbare Energien brauche. „Sonst werden wir keines unserer Ziele erreichen.“

Auf einer Mauer in Berlin steht der Satz, berichtet Trittin: „Machen ist wie wollen – nur krasser.“ Daran könnten sich die Grünen orientieren.

Von Till Conrad

Ostkreis Nacht der offenen Kirchen - Bonifatius in modern
17.09.2021
16.09.2021