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Ostkreis Johannes, der Unverwüstliche
Landkreis Ostkreis Johannes, der Unverwüstliche
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00:15 04.07.2019
Von seinen Kollegen bekam Hans-Georg Lang (liegend) eine Bank geschenkt. Quelle: Florian Lerchbacher
Amöneburg

Viel Lob, persönliche Worte und witzige Anekdoten gab es während der Abschiedsfeier für Hans-Georg Lang an der Stiftsschule zu hören. Authentisch, charakterstark, zielstrebig, zuverlässig, pragmatisch und humorvoll waren nur einige Adjektive, mit denen die Festredner den scheidenden Schulleiter beschrieben. Besonders launig war der Beitrag von Julia Metzger, LSAD vom Bistum Fulda. Sie war voll des Lobes für das Geleistete – gab aber auch Anekdoten preis.

Besonders beeindruckt habe Lang sie, als er eine Sitzung der Leiter der katholischen Schulen im Bistum besuchen wollte, eine Glastür übersah und in dieser mit Schwung einschlug. „Seine Nase blutete und schwoll an. Jeder andere hätte die Sitzung verlassen, aber er stand sie souverän durch und ließ sich nichts anmerken.“ Sie berichtete auch, dass Lang als Schulleiter nur einmal krank war – genauer gesagt am 23. Oktober 2018. Und als sie dann noch seine Frau Marga dafür lobte, dass sie ihm stets den Rücken freigehalten habe, erzählte sie, dass er – der eigentlich Johannes-Georg heiße – in der Familie seiner Frau nur als Georg bekannt sei. „Hans war ihm nicht schmuck genug, daher stellte er sich ihr als Georg vor.“

Lang erhält Hessischen Verdienstorden

Hans-Georg Lang ist nun nicht nur Pensionär, sondern auch Träger des Hessischen Verdienstordens am Bande. Die Auszeichnung erhielt er für seine „herausragenden Dienste für das Allgemeinwesen“.

Der ehemalige Stiftsschüler und heutige Staatssekretär im hessischen Innenministerium, Dr. Stefan Heck (links), übergab den Hessischen Verdienstorden am Bande an Hans-Georg Lang. Foto: Lerchbacher

„Hans-Georg Lang ist ein Glücksfall für die Stiftsschule gewesen“, betonte Dr. Stefan Heck, Staatssekretär im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport, ehemaliger Stiftsschüler und ebenso wie Lang Mitglied der CDU. Als „weitsichtiger Schulleiter“ habe er zahlreiche Projekte an der Schule vorangetrieben – sowohl in pädagogischer als auch in baulicher Hinsicht. „Seine umgängliche Wesensart prägten den besonderen Geist der Stiftsschule und brachten ihm großes Ansehen im Kollegium, der Schüler- und Elternschaft sowie der staatlichen und kirchlichen Stellen ein“, betonte Heck und ergänzte, dass Lang auch fernab der Schule ein „bewundernswertes Engagement an den Tag gelegt“ habe.

Seit 30 Jahren setzt sich der Schweinsberger ehrenamtlich als Stadtverordneter in Stadtallendorf ein, war viele Jahre Vorsteher des Gremiums und ist nunmehr als Fraktionsvorsitzender der CDU aktiv. Für Heck in bleibender Erinnerung: Als er 2008 erstmals im Landkreis für den Bundestag kandidieren wollte, habe Lang für ihn das Wort ergriffen und dafür gesorgt, dass er seinen Wunsch erfüllen konnte. „Ohne seinen Beitrag wäre mein Weg vielleicht ein anderer geworden“, stellte er heraus. In weniger guter Erinnerung sei indes die Zeit geblieben, in der er als Schüler in der Matheklasse Langs gesessen habe: „Das war nicht so nachhaltig. Ich sage es mal so: Ich gehörte nicht zu den Spitzenschülern.“

„Ich freue mich sehr, ihm diese hohe Auszeichnung überreichen zu dürfen“, sagte Heck und bezeichnete sie als „sichtbare Anerkennung eines Lebens voller Hingabe und Selbstlosigkeit zum Wohle seiner Mitmenschen“. Amöneburgs Bürgermeister Michael Plettenberg betonte beim Überreichen der Bürgermedaille, er habe gemeinsam mit Lang auch schwierige Situationen gemeistert – zum Beispiel, als die Kritik an dem von der Stiftsschule ausgelösten Busverkehr in der Kernstadt besonders laut gewesen sei.

Die beiden Auszeichnungen sind nicht die ersten für den 65-Jährigen: Im Jahr 2001 wurde er mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet, 2009 mit der Verdienstmedaille der Stadt Stadtallendorf.

von Florian Lerchbacher

Matthias Bosse, der Leiter der Alfred-Wegener-Schule, freute sich während seiner Rede als Vertreter der Direktoren-AG des Landkreises, in Diskussionen immer auf eine Wellenlänge gekommen zu sein. Außerdem habe Lang stets das Wohl seiner Schüler im Blick gehabt.

Jürgen Pöschl, der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, bezeichnete Lang als Kapitän, der den Tanker Stiftsschule wieder in ruhige Gewässer gebracht und niemals seine Matrosen vergessen habe: „Eine grundsätzlich positive Einstellung macht eine gute Mitarbeiterführung aus. Wir konnten immer mit Problemen auf ihn zukommen.“ Nur eines konnte Pöschl auf dem gemeinsamen Weg nie nachvollziehen: Dass Lang bei seiner völlig digitalen Klimaanlage im Auto nur die Stufen „An“ und „Aus“ kenne.

Ein Gedicht gaben Susanne Pfeiffer und Antje Cloos als Vertreter des Schulelternbeirats und des Fördervereins zum Besten und dichteten unter anderem: „Mit Mathe und Bio Schüler quälen, auch das wird ihm jetzt sicher fehlen.“

Anja Schuchardt, die Vorsitzende des Ehemaligenvereins Amoeneburgia, stellte heraus, dass sich Menschen an der Stiftsschule wohlfühlen würden: „Sie haben hier gute Erfahrungen gemacht, fühlen sich zu Hause und mit der Schule verbunden.“ Statt eines Geschenkes hatte sie ein Anmeldeformular für den Verein mitgebracht, da Lang ja nun auch Ehemaliger ist.

Auch Marian Zachow, Schuldezernent und Erster Kreisbeigeordneter, plauderte aus dem Nähkästchen: In der Verwaltung gebe es den Begriff „ein Lang“ – dies sei der Zeitraum zwischen dem Bekanntwerden eines auch Schulen in kirchlicher Trägerschaft geltenden Förderprogramms und dem Anruf Langs im Kreishaus.

Dr. Oswald Post, Vertreter der Landes-AG kirchlicher Schulen in Hessen, bezeichnete den 65-Jährigen als pragmatischen Organisator, der Menschen auch in schwierigen Situationen stets persönlich und auf Augenhöhe begegnet sei.

Die Moderation der Verabschiedungsfeier hatte der stellvertretende Schulleiter Thomas Feldpausch inne. Bunte Beiträge leisteten die Big Band Mönhattan mit Sängerin Joanna Kliem, die Musiktheater-AG 6, die Theater-AG und der Unterstufenchor. Der Q2-Kurs Musik trug das Revolverheld-Lied „Lass uns gehen“ vor und tanzte dann den Haka, einen rituellen Tanz der Maori. Dieser werde unter anderem vorgeführt, um bedeutenden Personen Respekt und Dank zu zollen, erklärte Lehrer Hartmut Raatz. Inhaltlich gehe es aber auch um „den bärtigen Mann, der uns die Sonne gebracht hat“.

von Florian Lerchbacher