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Ostkreis Dividende soll auf drei Prozent sinken
Landkreis Ostkreis Dividende soll auf drei Prozent sinken
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12:00 22.01.2020
Werner Braun, Ralph Kehl und Vorstandsvorsitzender Helmut Euler stellten die Bilanz der VR Bank Hessenland für das Geschäftsjahr 2019 vor.  Quelle: VR Bank HessenLand
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Kirchhain

Der Vorstand berichtet aber auch von „besonderen Herausforderungen“, vor denen die Branche steht. Vorstandsvorsitzender Helmut Euler rechnet damit, dass die Niedrigzinsphase langfristig anhält. Die Finanzdienstleistungsbranche müsse sich in den nächsten Jahren auf das Negativzinsniveau der Europäischen Zentralbank einstellen. „Wir müssen stringent an der Effizienz der Leistungserbringung arbeiten“, schlussfolgert Euler.

Nur eine Zahl: Die Rendite bei Bundesanleihen sank im vergangenen Jahr von 0,2 Prozent und liegt jetzt im negativen Bereich bei minus 0,2 Prozent. Wie andere Geldhäuser auch konzentriert sich die VR Bank Hessenland deshalb auf andere ­Finanzgeschäfte. Die Umsätze, die das Geldhaus mit Gold realisierte, lag 2019 bei 3,3 Millionen Euro nach gut 2,8 Millionen 2018.

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Die betreuten Kundeneinlagen stiegen insgesamt um 6 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro. Aufgrund des guten Börsenjahres und erfolgten Zuflüssen erhöhte sich das Vermögen in den Kundendepots um 18 Prozent auf 390 Mio. Euro.
Im Vorsorge- und Bauspargeschäft konnten ebenfalls überdurchschnittliche Wachstumswerte erzielt werden. Die klassischen Bankguthaben erhöhten sich lediglich um 2,3 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro.

40.000 Mitglieder

Die Kreditneuzusagen erzielten sowohl bezüglich des Volumens mit 211 Millionen Euro (+ 15 Prozent) als auch der Vertragsanzahl von 2 185 (+ 12 Prozent) Bestmarken.

Durch die Wirtschaftskraft der Bank fließen 5,1 Mio. Euro Ertragsteuern, davon 2,7 Millionen Euro Gewerbesteuer, in die öffentlichen Kassen.

Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Vertreterversammlung vor, den gut 40.000 Mitgliedern eine an die Marktentwicklung angepasste Dividende von 3 Prozent auszuschütten. Im Vorjahr waren es noch 4 Prozent.

Auch künftig liegt die höchste Priorität in der Steuerung der Eigenkapitalquote, erklärte Vorstandsmitglied Ralph Kehl. Vor diesem Hintergrund haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, die Begrenzung der Geschäftsguthaben auf 6 000 Euro pro Mitglied zu erhöhen.

Weil Zinserträge keine wesentliche Rolle mehr spielen, versucht die VR Bank Hessenland neue Geschäftsfelder zu erschließen. Seit zweieinhalb Jahren betreibt sie das Geschäftsfeld Immobilienmanagement, es umfasst derzeit ein Investitionsvolumen von knapp 81 Millionen Euro. Unter anderem hat sie vier Häuser am Stadtwald mit insgesamt 164 Wohnungen gebaut.

Die Hausverwaltung Wigbert Hill verzeichnet starke ­Zuwächse, derzeit werden 1 200 Einheiten betreut. Das Gleiche gilt für die Tochterunternehmen GenoIT und Geno­Risk, die Leistungen in den ­Geschäftsfeldern IT-Sicherheit, IT-Service und Datenschutz anbieten. 

Neueste Tochter ist die Geno­Dienste GmbH, die Servicedienstleistungen um die Immobilie anbietet. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den traditionellen Handwerksbetrieben, sondern als ein ergänzendes Angebot“, sagt Vorstandsmitglied Werner Braun.

Zunehmend mehr Digitalisierung

„Die Vorbereitung und Umsetzung von Digitalisierungsprojekten beschäftigt uns zunehmend“, erläutert Vorstand Werner Braun. Die digital-persönliche Beratung via „VR@home – wir sind, wo Sie sind“ startet nun auch für Gewerbekunden, nachdem im Jahr 2019 sämtliche Privatkundenberater geschult wurden.

Der Ansatz, nicht auf die klassische Videoberatung zu setzen, die die Privatsphäre berührt, habe sich bestätigt.

Und: Das angekündigte digitale Sparschein „myPiggy“ mit der dazugehörigen Plattform myFamilyFinance für Eltern und Kinder wird in diesem Jahr eingeführt.

Der Vorstand ist zuversichtlich, trotz des herausfordernden Umfeldes auch im laufenden Geschäftsjahr 2020 durch die vielfältigen Marktaktivitäten wieder eine zufriedenstellende Geschäfts- und Ergebnisentwicklung zu erreichen.
Anders als bei einigen anderen Banken in der Region ist ­eine Fusion mit anderen Geldinstituten derzeit nicht geplant, sagt der Vorstand. Und auch die Schließung von Filialen stehe zur Zeit nicht zur Debatte, sagt Euler.

Hintergrund

Kundenanlagevolumen: 1,791 Milliarden Euro
Kundenkreditvolumen: 1,166 Milliarden Euro
Eigenkapital: 185 Millionen Euro
Gesamtkapitalquote: 16,8 %
Mitarbeiter: 190
Geschäftsstellen: 16

von Till Conrad